Amateur schlägt Weltmeister: Karpov gegen Hartmann, Hannover 1983

von Johannes Fischer
14.05.2026 – 1983, 21 Jahre nach Wolfgang Uhlmanns Sieg gegen Mikhail Botvinnik bei der Schacholympiade in Varna 1962, konnte ein deutscher Spieler wieder gegen einen amtierenden Weltmeister gewinnen. In der ersten Runde des Internationalen Mephisto-Schachturniers in Hannover gelang dem damals 27-jährigen Bamberger Jurastudenten Wolfram Hartmann gegen Anatoly Karpov (Bild) einer der verblüffendsten Außenseitersiege der deutschen Schachgeschichte. | Foto: V. Savostianov, Novosti Press (via D. Griffin)

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Karpov war 1975 kampflos Weltmeister geworden, weil Bobby Fischer, sein Vorgänger auf dem Weltmeisterthron, darauf verzichtet hatte, seinen Titel zu verteidigen. Er galt als sehr solider Spieler, der selten verlor. Und natürlich war er in der ersten Runde des Internationalen Turniers in Hannover gegen Wolfram Hartmann klarer Favorit. Karpov war Weltmeister und startete in Hannover mit einer Elo-Zahl von 2710, der damals 27-jährige Hartmann war und blieb Zeit seines Lebens Amateur. Er studierte Jura und wurde später Richter. Hartmann spielte für Bamberg lange erfolgreich in der Bundesliga und gehörte zur Bamberger Mannschaft, die 1976 Deutscher Mannschaftsmeister wurde. Aber in Hannover startete er mit einer Elo-Zahl von 2290 und hatte damit ganze 420 Elo-Punkte weniger als Karpov.height="1"

Spielt man gegen einen deutlich stärkeren Gegner, empfehlen die Lehrbücher, vereinfacht gesagt, zwei unterschiedliche Ansätze: Entweder man spielt sehr scharf oder sehr trocken. Spielt man sehr scharf, versucht man, zweischneidige, komplizierte Stellungen herbeizuführen, und hofft, dass der nominell überlegene Gegner die Übersicht verliert, was einem die Gelegenheit zu einem Konter gibt. Spielt man sehr trocken, hofft man, die Stellung zu vereinfachen, um dem Gegner wenig Möglichkeiten zu geben, seine Überlegenheit auszuspielen. In der Partie gegen Karpov entschied sich Hartmann für die scharfe Variante.

In seiner Zeit als Weltmeister hat Karpov nie gegen einen Spieler verloren, der nominell so viel schwächer war, und auch in der Geschichte des deutschen Schachs gibt es keinen vergleichbaren Außenseitersieg eines Amateurs gegen den amtierenden Weltmeister. Das war dem Spiegel damals einen eigenen Artikel wert, und auch die Tagesschau meldete die Sensation aus der Schachwelt.

Aber am Ende des Turniers war die Ordnung wiederhergestellt: Hartmann landete mit 5,5 Punkten aus 15 Partien auf dem letzten Platz, Karpov wurde mit 11 aus 15 alleiniger Erster. Bester Deutscher war Peter Ostermeyer mit 8,5 aus 15.

Auch nach dem Turnier blieben Hartmann weitere sensationelle Erfolge im Schach versagt. Er kam zu seinen besten Zeiten auf eine Elo-Zahl von 2315 und holte den FIDE-Meistertitel, sorgte aber nie wieder für so viele Schlagzeilen wie mit seiner Partie gegen Karpov.

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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