Abschied von Thomas Thomsen

von ChessBase
13.05.2026 – Zahlreiche Familienangehörige, Freunde und Schachfreunde nahmen am 8. Mai in der Villa Abs in Kronberg Abschied von Thomas Thomsen. Als Schachliebhaber und Sammler von Schachspielen war Dr. Thomsen national und international bei vielen Veranstaltungen präsent und unterstütze nach Kräften zahlreiche Initiative, um das Schach zu fördern. Paul Werner Wagner würdigte in seiner Abschiedsrede die Verdienste des Verstorbenen. | Foto: Sandra Buschow (via PW Wagner)

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Ansprache von Paul Werner Wagner bei der Abschiedsfeier für Dr. Thomas Thomsen:

Ich möchte zum Abschied ein paar Worte über meinen Freund Thomas Thomsen sagen. Im Herbst 2000 lernte ich Thomas in Vorbereitung der Emanuel Lasker Konferenz kennen. Ich rief ihn an und fragte, ob er bereit wäre im Januar 2001 in Potsdam dabei zu sein. Außerdem bat ich ihn, mir Kontakte zu potenziellen Referenten und Mitstreitern zu vermitteln.

Er sagte spontan zu und empfahl, dass ich gleich zum nächsten CCI-Treffen nach Den Haag kommen möge. Da könnte ich mein Vorhaben präsentieren. Das habe ich dann auch gemacht. Und es war ein große Hilfe.

So kam es zu jener legendären Internationalen Emanuel Lasker-Konferenz in Berlin und Potsdam vom 10. – 13. Januar 2001 und im Zusammenhang damit zur Gründung der Emanuel Lasker Gesellschaft. Thomas gehörte zu den 19 Gründungsmitgliedern und er war zehn Jahre lang mein Stellvertreter im Vorstand.

Ich habe Thomas öfter in seinem Haus in Königstein im Taunus besucht, war manchmal mehrere Tage bei ihm zu Gast und durfte unter seiner sachkundigen Führung sein „privates Schachmuseum“ intensiv betrachten. So eine einzigartige Sammlung exquisiter schöner Objekte hatte ich noch nie gesehen. Thomas wurde mein Freund.

In unseren Gesprächen erfuhr ich vieles aus seinem Leben. In Hamburg geboren, verbrachte er seine Kindheit in Madrid. Er war ein intelligenter Junge und machte das anspruchsvolle spanische Abitur glänzend. Es folgte Maschinenbau-Studium in Darmstadt, Promotion. Assistenz am MIT in Cambridge (Massachusetts). Dann der Schritt ins Unternehmens-Management bei Gilette in Boston, London und zuletzt als CEO in Westberlin. Zuletzt arbeitete er im Vorstand der Firma Braun.

Thomas besaß einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und eine Liebe zum Design.
Während des Weltmeisterschaftskampfes Spasski-Fischer 1972 in Reykjavik infiziert er sich in London mit dem grassierenden Schachfiber. Er kauft sein erstes Schachspiel und fängt an zu sammeln. Beginn einer Leidenschaft, die ihn ein Leben lang fesselt.

Als kulturinteressierter Mensch - er liebt Opern und Konzerte, am meisten klassische Musik - beschäftigt sich Thomas neben dem Sammeln auch mit der Geschichte der Schachkunst. Er bildet sich autodidaktisch zu einem der besten Restauratoren von historischen Schachfiguren aus, die von ihm auf seiner Drehbank millimetergenau wieder zu alter Schönheit gebracht werden.

Im Laufe von über fünf Jahrzehnten entsteht in seiner Villa in Königstein im Taunus die wohl umfangreichste und wertvollste Schachfiguren-Sammlung der Welt. Thomas findet in aller Welt Sammlerfreunde und stellt seine Schätze weltweit bei den von ihm gestalteten Ausstellungen öffentlich aus.

In der Emanuel Lasker Gesellschaft bringt er sich intensiv ein. Er unterstützt die Ziele der ELG, die Pflege und Förderung der Schachkultur in Deutschland, den Wiederaufbau von Laskers Sommerhaus in Thyrow und die Gründung eines Schachmuseums in Berlin mit Teilen der Sammlungen Thomas Thomsen, Lothar Schmid und weiterer Sammlerfreunde. Dafür werden Konzepte entwickelt und finanzielle Fördermöglichkeiten bei Bund, Land und Stiftungen gesucht.

Ein Domizil für die Lasker Gesellschaft bietet am Anfang der Künstlerklub DIE MÖWE. Zu den monatlichen Lasker-Treffen reist Thomas öfter an. Mit dem Umzug ins Dorland-Haus in Kreuzberg und der Unterstützung von Stefan Hansen eröffnen sich neue Möglichkeiten für Ausstellungen und Events. Dazu benötigte Objekte liefert Thomas Thomsen aus seiner einzigartigen Sammlung.

Unsere gemeinsamen Projekte sind so zeitintensiv, dass er sich eine Wohnung in Berlin mietet. Er kommt gern nach Berlin, denn in seiner Zeit als Chef von Gillette Deutschland hatte er Berlin ins Herz geschlossen.

Thomas interessierte sich auch für meine Kulturprojekte. So kam er mit dem historischen Geschichts-Express von Berlin nach Bitterfeld und im September 2003 mit dem Interzonenzug von Frankfurt (Main) nach Bitterfeld zu der von mir initiierten und organisierten Ausstellung zum „50. Jahrestag des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 in Bitterfeld“.

Thomas hat an vielen Projekten der Emanuel Lasker Gesellschaft mitgewirkt. So an der Ausstellung „Schach und Gesellschaft“ im Haus der Geschichte Bonn 2005 mit Boris Spasski als Ehrengast, beim Schachfest im Jüdischen Museum Berlin 2006 und 2007., an den Schachfesten „Zug um Zug“ im Berliner Hauptbahnhof und am Schachfest im Kaiserbahnhof in Potsdam 2012.

Durch ihn habe ich viele interessante Menschen kennengelernt. So seinen Ski-Freund Edzard Reuter, Großmeister Juri Awerbach, Isaak Linder, Barbara und Hans Holländer, Hans Ellinger, Wolfgang Unzicker, Helmut Pfleger und vor allem seinen guten Freund Lothar Schmid.
Thomas Thomsen war nicht nur der größte Experte der Kulturgeschichte der Schachfiguren und Schachkunst, sondern vor allem auch ein begnadeter Ausstellungsmacher, exzellenter Fotograf seiner Objekte und ein brillanter Organisator. Er war immer bereit, seinen Schachsammlerkollegen aus aller Welt mit seiner Expertise zu helfen. Seine Vorträge über Schachfiguren und deren kulturgeschichtlichen Aspekte werden unvergesslich bleiben.

Über die bleibenden Verdienste von Thomas Thomsen um die Chess Collectors International und die Initiativgruppe Königstein werden andere sprechen. Seine Verdienste für die Emanuel Lasker Gesellschaft können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dafür wurde Thomas zum Ehrenmitglied ernannt und 2025 in Nürnberg mit dem höchsten Preis der ELG, dem „Lasker“ geehrt.

Das CCI-Treffen in Nürnberg im November 2025 war unsere letzte Begegnung. Thomas freute sich, dass ich mit meiner Frau Andrea angereist war. Er sah mit seinen 91 Jahren gut aus, war voller Energie und hatte die Organisation des Treffens fest im Griff. Wir saßen abends gemütlich beim Glas Wein zusammen und dachten über Besuche von ihm in Berlin und von uns in Königstein nach. Er war noch voller Pläne. Wir haben ihn bewundert ob seiner immer noch sprühenden Kraft.

Was ich an Thomas am meisten geschätzt habe, war seine absolute Zuverlässigkeit nach dem Motte „Ein Mann, ein Wort“, seine Treue als Freund, seinen sprudelnden Humor und seine liebenswert unprätentiöse Art.

Er war ein Gentleman, ein polyglotter Weltmann. Und ein Genießer, ein Kenner der edelsten Weine und Speisen, der besten Restaurants und besten Hotels. Für ihn spielte die Frage des Stils eine große Rolle.

Sein großes Glück war, dass er seinen geliebten jüngsten Bruder Nils, seine Schwägerin Karin und seinen Neffen Jens, der ihm so hilfreich zur Seite stand, in unmittelbarer Nähe hatte. So war er, obwohl er allein lebte, nie wirklich allein. Wohl dem der Freunde hat.
Lieber Thomas, die intensive Beschäftigung mit der Schachkultur hat Dein Leben bereichert und Du im Gegenzug die Schachkultur.

Du hast uns so viel gegeben und geschenkt mit all Deinen unermüdlichen Aktivitäten zum Wohle des Schachs. Du warst ein liebenswürdiger, gütiger, humorvoller und willensstarker Mensch. Wir danken Dir von Herzen dafür, dass du unser Leben bereichert hast, und verneigen uns vor Dir!

Adieu, lieber Freund.
Ruhe sanft!

(Rede von Paul Werner Wagner am 8. Mai 2026 in der Villa Abs in Kronberg)

Thomas Thomsen (1934-2026)...


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