Fabiano Caruana und Praggnanandhaa Rameshbabu kämpfen nach ihren Halbfinalbegegnungen am Montag um den Gesamtsieg beim Grand Chess Tour Finale 2026. Praggnanandhaa besiegte Vincent Keymer mit 19:9 und hatte sich den Sieg damit bereits drei Partien vor Schluss gesichert, während Caruana Wesley So in einem deutlich knapperen Match mit 18:12 bezwang.
Die Finalisten beginnen am Dienstag von Neuem, wenn die ersten klassischen Partien des Finales und des Spiels um Platz drei ausgetragen werden. Keymer und So treffen im Kampf um Platz drei aufeinander, wobei es einen besonderen Anreiz gibt: Der Sieger sichert sich einen Platz in der Grand Chess Tour 2027.
Das Programm am Montag bestand je Match aus zwei Schnellschachpartien mit einer Bedenkzeit von 25 Minuten plus 10 Sekunden, gefolgt von vier Blitzpartien mit einer Bedenkzeit von 5 Minuten plus 2 Sekunden.

Keymer hatte am Sonntag in der klassischen Partie eine große Chance vergeben, als er eine Gewinnstellung aus der Hand gab und schließlich verlor. Die deutsche Nummer 1, zuletzt ohnehin wenig erfolgreich in den schnellen Disziplinen, schien der Chance noch hinterherzutrauern, was sich auch auf die schnellere Partie auszuwirkte: Keymer begann den Tag mit drei Niederlagen in Folge. Das Match war damit bereits nach den beiden Rapid-Partien zugunsten des Inders entschieden.
Bereits sechs Punkte im Rückstand und mit Schwarz in der ersten Schnellschachpartie, wählte Keymer die Pirc-Verteidigung. Pragg hatte wenig Grund, Risiken einzugehen, und lenkte die Partie sofort in Richtung Vereinfachungen, indem er früh die Damen tauschte. Der indische Top-Ten-Spieler behandelte die entstandene Stellung präzise und erzielte nach und nach seine bis dahin überzeugendste Leistung im gesamten Wettkampf.
Die zweite Schnellschachpartie war noch einseitiger. Praggnanandhaa, diesmal mit Schwarz, erspielte sich fast sofort aus der Sizilianischen Verteidigung eine exzellente Stellung. Die Struktur erlaubte ihm bald einen Angriff im Stil der Königsindischen Verteidigung, ohne auf das übliche Gegenspiel zu stoßen, und Keymers Stellung verschlechterte sich rasch. Die weiße Dame wurde im Mittelspiel gefangen und Praggnanandhaa konnte sich schon auf das Finale freuen. Dieses Ergebnis entschied das Halbfinale mit noch vier ausstehenden Blitzpartien.
Der indische Großmeister, der im Vormonat das Schnell- und Blitzturnier in Saint Louis gewonnen hatte, gewann anschließend die erste Blitzpartie, obwohl er in einer schlechteren Stellung stand. Er drehte die Situation, nachdem Keymer ein erzwungenes Matt in drei Zügen nicht vorhergesehen hatte.
Die restlichen Begegnungen wurden dennoch ausgetragen, und Keymer antwortete, indem er alle drei gewann, den Endstand auf 19:9 verkürzte und das Match zumindest mit positiven Ergebnissen vor seinem Spiel um Platz drei gegen So beendete.

Praggnanandhaa Rameshbabu gegen Vincent Keymer | Foto: Lennart Ootes

Praggnanandhaa Rameshbabu hat bei den Saint Louis-Turnieren einen erfolgreichen Lauf. | Foto: Lennart Ootes
Caruana ging mit einem Zwei-Punkte-Vorsprung in den Spieltag. Er hatte die Bonus-Blitzpartie gewonnen, die auf zwei Remis im klassischen Teil folgte. Anstatt im Schnellschach-Teil etwas zu erzwingen, verteidigte er seinen Vorsprung mit zwei kontrollierten Remis.
In der ersten Schnellschachpartie wählte So die Berliner Verteidigung, und Caruana konnte keine ernsthaften Gewinnchancen herausspielen. Die zweite Partie, die mit dem Abgelehnten Damengambit begann, verlief ähnlich ausgeglichen, sodass Titelverteidiger Caruana vor den vier Blitzpartien weiterhin in Führung lag.
Caruana baute seinen Vorsprung in der ersten Blitzpartie weiter aus. Sos 20…Sd7? war ein kostspieliger Fehler, der ihn einen Bauern kostete. Seine Stellung war kaum zu halten. Caruana verwandelte den Vorteil und ging insgesamt mit vier Punkten in Führung.
So gelang es im nächsten Spiel fast, den Rückstand zu verringern. Er erreichte eine Gewinnstellung, bevor Caruana aber ein Damenmanöver fand, das zu einem Dauerschach führte.
Da sein Vorsprung unverändert blieb, musste Caruana im folgenden Spiel nur noch eine Niederlage vermeiden, um das Match für sich zu entscheiden.
So, der Schwarz spielte, antwortete auf 1.e4 mit 1…g6, in einem typischen Versuch, die Partie unausgeglichen zu halten. Caruana nutzte seinen Raumvorteil effektiv und sperrte schließlich den gegnerischen Springer auf h5 ein.
Das Ergebnis entschied das Halbfinale bereits vor der letzten Blitzpartie, die mit einem Remis nach 54 Zügen endete und den 18:12-Sieg für Caruana besiegelte.
Caruana hat nun die Chance, seinen Titel bei den GCT Finals zu verteidigen und als erster Spieler das Turnier in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu gewinnen. Praggnanandhaa hingegen peilt seinen ersten Titel in diesem Wettbewerb an – im letzten Jahr verlor er im Halbfinale gegen Maxime Vachier-Lagrave in São Paulo. Gemäß der Auslosung wird der Inder das Finale mit Schwarz beginnen, auch So tritt im Spiel um Platz drei gegen Keymer zunächst mit Schwarz an.

Fabiano Caruana mit Weiß gegen Wesley So. | Foto: Lennart Ootes

Titelverteidiger Fabiano Caruana bei der Auslosung des Finales, das am Dienstag beginnt. | Foto: Lennart Ootes