Grand Chess Tour: Keymer verliert Gewinnstellung, So rettet sich in Remis

von Stefan Liebig
24.08.2026 – Drama in der zweiten Runde des Halbfinals beim Finale der Grand Chess Tour: Vincent Keymer spielte mit Schwarz gegen Praggnanandhaa Rameshbabu und nach relativ ruhigem Auftakt wurde die Stellung immer komplizierter und die Zeit immer knapper. Keymer gelangte in eine Gewinnstellung, doch in fast hoffnungsloser Lage konnte Praggnanandhaa den Turm des deutschen Spitzenspielers mit einem Königszug gewinnen und anschließend den Punkt einfahren. Spannung auch in der zweiten Begegnung Wesley So stand nach einer Neuerung von Fabiano Caruana mit dem Rücken zur Wand, doch Caruana ließ ihn ins Remis entkommen. | Foto: Lennart Ootes / Grand Chess Tour

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Zwei klare Gewinnstellungen, die nicht gewonnen wurden

Zwei klare Sieger hätte es in der zweiten Runde des Halbfinales geben können: Sowohl Fabiano Caruana hatte mit seiner Neuerung schnell eine Gewinnstellung erreicht, als auch etwas später Vincent Keymer, der das ungenaue Spiel von Praggnandhaa Rameshbabu in akuter Zeitnot zunächst gut ausnutzte.

Doch nachdem Caruana So in ein Remis entkommen lassen hatte, verlor Keymer seine Gewinnstellung sogar:

Der Sieger kommentierte das Geschehene wie folgt:

Der Verlierer war verständlicherweise weniger begeistert (Fotos: Lennart Ootes):

In diesem Videokurs werden die möglichen Aufstellungen, die Schwarz wählen kann, in allen Einzelheiten vorgestellt. Sie werden die wichtigsten Konzepte und Strategien lernen, um diese fantastische Eröffnung in Ihr Repertoire aufzunehmen.

In der zweiten Partie des Tages entkorkte Caruana eine spektakuläre Neuerung in der Berliner Verteidigung der spanischen Eröffnung:

Doch Caruana zeigte sich – wie schon beim Sinquefield Cup – nicht so gefestigt wie üblicherweise. Er spielte zwar noch einige Züge aus seiner starken Vorbereitung, doch als So mit ...f5?! abwich und auch noch einige andere nicht optimale Züge folgen ließ, verbrannte Caruana trotz der immer besser werdenden Stellung sehr viel Bedenkzeit. Zwischen dem 24. und 33. Zug gab er seinen gesamten Stellungsvorteil ab und So konnte sich ins Remis flüchten. Nachdem So in der ersten Runde einen großen Eröffnungsvorteil nicht nutzen konnte, lief es in Partie 2 also genau umgekehrt.

So war nicht gerade zufrieden und musste hart kämpfen nach Caruanas Neuerung.| Foto: Lennart Ootes / GCT

Ergebnisse Halbfinale, Klassische Partien, 2. Runde

Nach den beiden Remis zwischen So und Caruana spielten beide noch eine Blitzpartie. So vermied eine Wiederholung der Variante aus der gerade beendeten Partie, konnte aber trotzdem kein ausreichendes Gegenspiel erzielen. Auf diese Weise sollte ein Sieger der ersten Phase gefunden werden. Für seinen Sieg erhielt Caruana zwei Punkte. Er geht damit mit einem knappen 8:6-Vorsprung in die nächsten Phasen der Rapid- und Blitzpartien.

Während diese Paarung damit noch recht offen erscheint, steht Keymer bereits vor einer Mammutaufgabe: Praggnanandhaa für mit 9:3 und gilt als deutlich besserer Rapid- und Blitzspieler. Keymers Ergebnisse waren in den schnellen Varianten in diesem alles andere als gut. Sowohl bei der GCT als auch beim Norway Chess konnte er hier nicht viele Punkte sammeln.

Spanisch ist eine der ältesten Eröffnungen überhaupt und genießt von Clubebene bis hin zur Weltspitze unvermindert hohe Popularität. In dieser DVD-Reihe präsentiert der amerikanische Super-GM Fabiano Caruana im Gespräch mit Oliver Reeh ein komplettes Repertoire.

So unterlag Caruana in der Blitzpartie. Jetzt geht es in die Rapid- und Blitzphasen des GCT-Finals. | Foto: Lennart Ootes / GCT

Italienisch gilt als gediegener Partieanfang, bei dem wenig Figuren getauscht werden und gehaltvolle Stellungen entstehen, in denen es mehr auf Pläne ankommt als auf forcierte Varianten. So zeigt hier die Pläne aus schwarzer Sicht.

Alle Partien

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Turnierformat

Das Grand Chess Tour Finale besteht aus zwei Halbfinal-Matches, einem Finale und dem Match um Platz 3. Jedes Match wiederum besteht aus zwei klassischen Partien, zwei Schnellschachpartien und vier Blitzpartien. 

Bedenkzeiten
  • Klassische Partien: 90 Minuten für 40 Züge + 30 Minuten Rest + 30 Sekunden pro Zug ab dem ersten Zug (Inkrement)
  • Schnellschachpartien: 25 Minuten + 10 Sekunden pro Zug
  • Blitzpartien: 5 Minuten + 2 Sekunden pro Zug
Punkteverteilung
  • Klassische Partien: 6 Punkte für einen Sieg, 3 Punkte für ein Remis
  • Schnellschachpartien: 4 Punkte für einen Sieg, 2 Punkte für ein Remis
  • Blitzpartien: 2 Punkte für einen Sieg, 1 Punkt für ein Remis

Falls die beiden klassischen Partien eines Matches in einem Remis enden, gibt es ein Bonus Blitz-Match. Wenn ein Match nach den geplanten Partien weiterhin unentschieden ist, folgen Playoffs.

Spielplan

Tag Uhrzeit Spielmodus
Sa,
22. August
ab
19 Uhr
Halbfinale Klassische Partien, Runde 1
So,
23. August
ab
19 Uhr
Halbfinale Klassische Partien, Runde 2
(mit Bonus Blitzmatch bei Bedarf)
Mo,
24. August
ab
19 Uhr
Halbfinale Schnell- und Blitzschach
(mit Playoff-Partien bei Bedarf)
Di,
25. August
ab
19 Uhr
Finale & Spiel um Platz 3 Klassische Partien, Runde 1
Mi,
26. August
ab
19 Uhr
Finale & Spiel um Platz 3 Klassische Partien, Runde 2
(mit Bonus Blitzmatch bei Bedarf)
Do,
27. August

ab
19 Uhr

Finale & Spiel um Platz 3

Schnell- und Blitzschach 
(mit Playoff-Partien bei Bedarf)

Die Runden beginnen um 12 Uhr lokaler Zeit in Saint Louis, dies entspricht 19 Uhr deutscher Zeit. 

Preisgeld

Es wird insgesamt um 340.000 $ gespielt. 200.000 $ gehen an den Erstplatzierten, 125.000 $ gehen an den Zweitplatzierten, 75.000 $ an den Drittplatzierten und 50.000 $ an den Viertplatzierten.

Wesley So hat bei ChessBase 2 Eröffnungs-DVD veröffentlicht: 1.b3, der so genannte Nimzowitsch-Larsen-Angriff, aus weißer Sicht und seine Geheimnisse im modernen Italienisch (mit c3 und d3) aus schwarzer Sicht.

Turnierseite


Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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