Britischer Meister, WM-Kandidat, Autor und Analytiker
In den 1980er und frühen 1990er Jahren gehörte Speelman zu den stärksten englischen Spielern. Er erreichte das Halbfinale der Kandidatenkämpfe, rückte bis auf den geteilten vierten Platz der Weltrangliste vor und vertrat England in einer der erfolgreichsten Phasen der englischen Schachgeschichte. Neben Erfolgen in Einzelturnieren und bei nationalen Meisterschaften nahm er zweimal an den Kandidatenkämpfen teil und spielte viele Jahre für die englische Nationalmannschaft. Später machte er sich auch als Autor, Kolumnist und Analytiker einen Namen.
Speelman wurde am 2. Oktober 1956 im Londoner Stadtteil Marylebone geboren. Er besuchte die St Paul's School und studierte anschließend Mathematik am Worcester College in Oxford. Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Studiums 1977 wurde er Schachprofi und machte eine steile Karriere: 1978 wurde er Internationaler Meister, 1980 Großmeister.
Seine stärkste Zeit hatte Speelman Ende der 1980er Jahre. Im Juli 1988 erreichte er mit 2645 seine höchste Elo-Zahl und lag auf Platz fünf der Weltrangliste. Im Januar 1989 fiel seine Elo-Zahl auf 2640, doch in der Weltrangliste rückte er dennoch auf Platz 4 vor.

Die Weltrangliste vom Januar 1989 | Quelle: OlimpBase
Frühe Erfolge und britische Meistertitel
Schon als Jugendlicher gehörte Speelman zu den größten Talenten des britischen Schachs. 1969 gewann er die britische U14-Meisterschaft, 1970 teilte er den ersten Platz bei der U16-Meisterschaft. Ende der 1970er Jahre feierte er auch bei den Erwachsenen erste Erfolge. 1978 wurde er Internationaler Meister und gewann seine erste Britische Meisterschaft. Im selben Jahr gehörte er zur englischen Mannschaft, die in Mexiko City vor der Sowjetunion die U26-Mannschaftsweltmeisterschaft gewann.
1985 und 1986 wurde Speelman erneut Britischer Meister. Seine drei Titel fallen in eine besonders starke Phase des englischen Schachs, in der Spieler wie Tony Miles, John Nunn und Nigel Short zur internationalen Spitze gehörten.

Jon Speelman bei der Schacholympiade 1982 in Luzern | Foto: Krtschil via Wikimedia Commons

Das englische Team bei der Schacholympiade 1986 in Dubai: Jon Speelman, Nigel Short, John Nunn und Tony Miles | Foto: Gerhard Hund via Wikimedia Commons
Internationale Erfolge und Kandidatenwettkämpfe
In den 1980er Jahren feierte Speelman zahlreiche internationale Erfolge. 1981 teilte er den ersten Platz in Dortmund, 1983/84 in Hastings. 1986/87 gewann er erneut gemeinsam in Hastings und blieb dabei ungeschlagen. 1987 teilte er mit 8½ aus 11 ohne Niederlage auch in Be’er Sheva den ersten Platz. Beim Interzonenturnier 1987 in Subotica teilte Speelman mit Gyula Sax und Nigel Short den ersten Platz und qualifizierte sich für die Kandidatenwettkämpfe.
In der ersten Runde der Kandidatenwettkämpfe traf er auf den US-Großmeister Yasser Seirawan und gewann klar mit 4:1. Im Viertelfinale kam es zum englischen Duell mit Nigel Short. Speelman gewann 3½:1½ und kam ins Halbfinale, wo er auf Jan Timman traf, gegen den er knapp mit 3½:4½ verlor.

Jon Speelman und Nigel Short während ihres Kandidatenwettkampfs 1989 | Foto: British Chess News
Damit qualifizierte sich Speelman auch für die Kandidatenkämpfe des nächsten WM-Zyklus. Erneut traf er auf Short, verlor diesmal jedoch mit 4½:5½.
Erfolge mit der Nationalmannschaft und Erfolge als Autor
Auch in der Nationalmannschaft feierte Speelman zahlreiche Erfolge. Von 1980 bis 2006 nahm er an jeder Schacholympiade teil. 1984 in Thessaloniki, 1986 in Dubai und 1988 erneut in Thessaloniki gewann England jeweils Silber hinter der Sowjetunion. In Dubai erzielte Speelman als Ersatzspieler 7 aus 9 und gewann Silber für das beste Ergebnis an Brett 2.
1997 gewann Speelman mit Nigel Short, Michael Adams, Matthew Sadler und Julian Hodgson in Pula die Mannschaftseuropameisterschaft.
Auch als Autor machte sich Speelman einen Namen. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und schrieb viele Jahre für den Observer und The Independent. Auch für die englische ChessBase-Seite verfasst er regelmäßig Artikel.
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