Javokhir Sindarov: Stark im Angriff, stark in der Verteidigung

von Jon Speelman
12.05.2026 – Das Kandidatenturnier 2026, das Javokhir Sindarov souverän gewonnen hat, weckte bei Jon Speelman Erinnerungen an seine ersten Schachbücher und den WM-Kampf Botvinnik gegen Petrosian 1963. Petrosian gewann den Wettkampf und wurde Weltmeister. Nun gilt Petrosian als ausgesprochen zäher Verteidiger und so passt es, dass Speelman besonders davon beeindruckt war, wie Sindarov beim Kandidatenturnier 2026 eine schwierige Stellung gegen Caruana noch halten konnte. | Foto: ChessBase / Nils Rohde

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Sehr junge WM-Kandidaten

Es ist nun schon weit über 60 Jahre her, dass mir mein Cousin am zweiten Weihnachtsfeiertag 1962 die Schachregeln beibrachte – an einem Tag, an dem in England eine große Kältewelle einsetzte, die das Land bis März mit einer Schneedecke überzog.

Natürlich zeigte er mir, wie viel Spaß man mit dem Schäfermatt (4.Dxf7) haben kann, und ich habe eine sehr vage und wahrscheinlich falsche Erinnerung daran, dass er mir zuerst gezeigt hat, wie Weiß mit Df3xf7 Matt setzt, um dann, nachdem ich begriffen hatte, wie man die Mattdrohung entlang der Linie pariert, mit Dh5xf7# Matt zu setzen.

Doch ich ließ mich nicht entmutigen und überredete meine Mutter, mir das Buch Chess for Children von Raymond Bount und Stanley Morrison zu kaufen, was sich als ausgezeichnete Wahl erwies. Ich glaube, da ich es so nützlich fand, lernte ich mit diesem Buch richtig lesen. Später schenkte sie mir die Fortsetzung The Chess Apprentice, aber mein erstes „richtiges” Schachbuch, das ich wahrscheinlich Ende 1963 in die Hände bekam, war Bob Wades Bericht über den WM-Kampf zwischen Botvinnik und Petrosian. Natürlich war das Buch damals viel zu anspruchsvoll für mich, aber seitdem habe ich oft mit Vergnügen darin geblättert.

Ganz besondere Fähigkeiten besaß Tigran Petrosian in der Verteidigung. Er gilt als Meister der Prophylaxe und ahnte Schwierigkeiten schon lange, bevor sie auf dem Brett akut wurden. Lassen sie sich von unseren Autoren (Yannick Pelletier, Mihail Marin, Ka

Botvinnik gewann die erste Partie des Wettkampfs, in der Petrosian wie ein Kaninchen vor der Schlange wirkte. Doch Petrosian glich in der berühmten fünften Partie aus, die mit dem weißen König auf g7 abgebrochen wurde; nach Wiederaufnahme der Partie gewann Petrosian. Weil die Armenier damals im Kreml genügend Einfluss hatten, hatte Botvinnik sein Recht auf einen Revanchekampf verloren. Im ersten WM-Kampf zwischen Petrosian und Boris Spassky 1966 gewann Petrosian, aber 1969 ging der Titel an Spassky, der ihn dann im berühmten WM-Kampf 1972 in Reykjavik an Bobby Fischer verlor.

In der Datenbank (und nicht im Buch) habe ich gesehen, dass der Wettkampf 1963 im Frühjahr gespielt wurde, was bedeutet, dass Mikhail Botvinnik 51 und Tigran Petrosian 33 Jahre alt waren. Natürlich reifen Schachspieler heutzutage viel früher, aber es ist dennoch bemerkenswert, dass Gukesh Dommaraju, wenn er Ende des Jahres seinen Titel gegen Javokhir Sindarov verteidigt, 20 Jahre alt sein wird und Sindarov entweder 20 oder 21, je nachdem, ob sie vor, während oder nach seinem Geburtstag am 8. Dezember spielen. Ihr gemeinsames Alter wird daher ein Jahrzehnt unter dem von Botvinnik liegen und deutlich unter der Hälfte ihres gemeinsamen Alters.

Tigran Petrosian, Mikhail Botvinnik

Petrosian beim WM-Kampf gegen Botvinnik 1963 | Foto: Chess in Armenia Magazine

Nach Sindarovs unglaublicher Leistung bei den Kandidatenkämpfen scheint es fast ein Muss zu sein, hier darüber zu sprechen. Im Vorfeld hatte ich zwar gedacht, dass er gefährlich sein könnte, aber ich hielt ihn für zu unerfahren, um wirklich Chancen auf den Turniersieg zu haben. Welch ein Irrtum!

Gestützt von einem offensichtlich hervorragenden Team spielte er nicht nur großartiges Schach, sondern war auch fantastisch vorbereitet und zeigte ein bemerkenswertes Verständnis für die Turniersituation. Seine sechs Siege waren bemerkenswert und er geriet nur zweimal ernsthaft in Schwierigkeiten: gegen Andrey Esipenko in der ersten Runde – wie hätte das Turnier verlaufen können, wenn Esipenko die Nerven behalten hätte? – und gegen Fabiano Caruana.

Trotz aller Siege Sindarovs, hat mich sein Remis gegen Caruana am meisten beeindruckt. Er geriet in eine wirklich schwierige Stellung und schaffte es dennoch, sich zu verteidigen. Das wäre den meisten Spitzenspielern der Welt meiner Meinung nach nicht gelungen. Deshalb möchte ich diese Partie hier noch einmal Revue passieren lassen und kritische Momente beleuchten.

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Jonathan Speelman, Jahrgang 1956, entschied sich 1977 nach einem Studium der Mathematik für eine Karriere als Schachprofi. Er wurde drei Mal Britischer Meister und von 1980 bis 2006 war er Mitglied der englischen Olympiamannschaft. Zwei Mal qualifizierte er sich für die Kandidatenwettkämpfe und 1989 kam er dort bis ins Halbfinale. Speelman arbeitete auch als Sekundant für Nigel Short und Vishy Anand und ist Autor einer Reihe erfolgreicher Bücher.
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