Von Paul Werner Wagner
Die zweitgrößte Stadt der Republik Estland ist Tartu. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf 1030. Unter dem Namen Dorpat gehörte die Stadt zur Deutschen Hanse. 1721 kam Dorpat zum Russischen Zarenreich. Die 1632 gegründete Universität war ab 1802 die einzige deutschsprachige Hochschule in Russland.
Ivo Nei wurde 1931 in Tartu geboren. Sein Vorbild war der Este Paul Keres, einer der weltbesten Schachspieler. Ivo belegte bei der UdSSR-Jugendmeisterschaft 1947 den 6. Platz – Sieger wurde sein Jahrgangsgenosse Viktor Kortschnoj. Im Folgejahr wurde er gemeinsam mit Kortschnoj sowjetischer Jugendmeister.
Nei gewann zwischen 1951 und 1974 achtmal die Meisterschaft der Sowjetrepublik Estland und nahm zweimal an der UdSSR-Meisterschaft teil. Die Baltische Meisterschaft konnte er viermal für sich entscheiden. Sein größter internationaler Erfolg war der gemeinsame Sieg beim Hochofen-Turnier Beverwijk 1964 mit Keres. Die großmeisterliche Leistung wurde mit dem FIDE-Titel Internationaler Meister gewürdigt.2024 erhielt Ivo Nei den Ehren-Großmeister verliehen.
Der sprachbegabte Este war ein ausgezeichneter Trainer. Zu seinen Schützlingen zählten die Schachweltmeisterinnen Nona Gaprindaschwili und Maja Tschiburdanidse sowie Großmeister Lembit Oll. Beim legendären WM-Finale 1972 zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer gehörte er mit Jefim Geller und Nikolai Krogius zum sowjetischen Sekundanten-Team.
Der inzwischen älteste Großmeister der Welt legte Wert auf tiefgründige Partievorbereitungen und den klassischen Positionsstil. Hervorzuheben ist das Wirken von Ivo Nei als Schachautor und FIDE-Vertreter der Baltischen Zone.