Im Juli wurde Jana Schneider Deutsche Frauenmeisterin, jetzt wurde sie in China Hochschulweltmeisterin. Kurz vor dem Turnier hatte sie ihr Psychologiestudium an der Universität Würzburg abgeschlossen. Seit Anfang Oktober arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bamberg, wo sie eine Promotion in Arbeits- und Organisationspsychologie anstrebt.
Die entscheidende Partie des Turniers gewann Schneider in Runde 7 gegen die Chinesin Yan Tianqi, die Nummer eins der Setzliste. Im Mittelspiel geriet Schneider unter Druck und stand bald auf Verlust. So suchte sie ihr Heil in einem Schwindel, der eigentlich kein Erfolg haben sollte. Doch ihre Gegnerin fand nicht die richtige Verteidigung und verdarb die Stellung zum Remis, aber da sie sich nicht mit der Punkteteilung abfinden wollte, spielte sie weiter auf Gewinn, und landete nach einer ungenauen Fortsetzung Jana Schneiders schließlich in einem schwierigen Bauernendspiel, das immer noch gewonnen war, aber das die Chinesin zum Verlust verdarb, womit sie Schneider einen sehr glücklichen Punkt bescherte.
Als Hochschulweltmeisterin 2026 tritt Schneider in die Fußstapfen von Fiona Sieber, die diesen Titel 2022 in Antwerpen gewinnen konnte.
Luis Engel holt Silber
Weniger Glück hatte der Hamburger Luis Engel. Er startete mit 5,5 Punkten aus sechs Partien, holte dann aber nur noch einen Punkt aus seinen letzten drei Partien und lag am Ende mit 6,5 aus neun jedoch einen halben Punkt hinter dem Chinesen Pang Tao, der das Turnier mit sieben Punkten gewann. Gegen Pang spielte Engel in Runde 3 mit Schwarz remis, aber in Runde 8 ließ er gegen den Tschechen Stepan Hrbek gute Chancen ungenutzt, was ihn möglicherweise den Weltmeistertitel gekostet hat.

Luis Engel | Foto: Veranstalter
Im ersten Teil der Videoreihe werden wir uns mit 6. Lg5, 6. Le3, 6. Le2 und 6. Lc4 die
vier Hauptzüge von Weiß anschauen.
Weitere Medaillen für die deutsche Delegation
Neben Schneider und Engel gehörten Lara Schulze, Svenja Butenandt, Nikolas Wachinger und Tobias Kölle zur deutschen Delegation.
Im Blitzschach holte Engel seine zweite Silbermedaille, Tobias Kölle gewann Bronze. Svenja Butenandt gewann im Frauenturnier Silber, Gold ging an die Chinesin Yan Tianqi.
Lara Schulze verpasste im klassischen Frauenturnier nur knapp eine Medaille. Mit 6,5 Punkten aus neun Partien war sie punktgleich mit den Spielerinnen auf den Plätzen zwei bis vier, wurde nach Feinwertung aber Fünfte.

Lara Schulze | Foto: Veranstalter
Neben diesen fünf Einzelmedaillen gewannen die Deutschen im klassischen Schach und im Blitz Gold in der Mannschaftswertung. Diese wurde aus den Platzierungen der jeweils drei besten Spielerinnen und Spieler einer Nation gebildet. Im klassischen Wettbewerb waren dies für Deutschland Jana Schneider auf Platz eins, Luis Engel auf Platz zwei und Lara Schulze auf Platz fünf. Ihre Rangsumme von acht reichte zum Sieg vor China mit neun und Polen mit 14.
Im Blitz kam Deutschland auf eine Rangsumme von sieben und gewann ebenfalls Gold. Dazu trugen Engels zweiter Platz, Butenandts zweiter Platz und Kölles dritter Platz bei.
Damit endete die Weltmeisterschaft für die sechsköpfige deutsche Mannschaft mit drei Gold-, drei Silber- und einer Bronzemedaille.
Die Weltmeisterschaften fanden vom 10. bis 16. Oktober in Liaocheng in der chinesischen Provinz Shandong statt. Gespielt wurden neun Runden klassisches Schach und neun Runden Blitz, wobei die Bedenkzeit im klassischen Schach 60 Minuten für die gesamte Partie plus 30 Sekunden pro Zug betrug.
Bei der Schacholympiade in Samarkand hatte der Hamburger Großmeister Dmitrij Kollars, Spitzname "Coach Kollars", die deutsche Mannschaft unterstützt und zum Gewinn der Bronzemedaille beigetragen. In China bereitete er alle sechs deutschen Teilnehmer auf ihre Partien vor – mit offensichtlichem Erfolg.
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