Deutsche Doppelführung bei der Studierenden-WM in China

von Stefan Liebig
14.10.2026 – Die deutschen Schachspielerinnen und Schachspieler haben bei der FISU World University Championship Mind Sports im chinesischen Liaocheng beste Aussichten auf Edelmetall. Nach sieben Runden liegen Großmeister Luis Engel bei den Männern und Großmeisterin Jana Schneider bei den Frauen an der Spitze ihrer Wettbewerbe. Auch die weiteren deutschen Starter mischen im Kampf um die vorderen Plätze mit. Noch stehen zwei Runden im klassischen Schach aus, ehe die Titelentscheidungen fallen. | Fotos: Veranstalter (FISU) | Titelfoto (v.l.n.r.): Lara Schulze, Jana Schneider und Luis Engel

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Schach zwischen Campus und Weltmeisterschaft

Liaocheng in der chinesischen Provinz Shandong ist in dieser Woche Schauplatz einer besonderen internationalen Begegnung: Bei der FISU World University Championship Mind Sports treffen vom 11. bis 16. Oktober 2026 Studenten aus aller Welt aufeinander. Gespielt wird im Arcadia International Hot Spring Hotel, wo mit der Phoenix Hall ein eigener Turniersaal für die Schachwettbewerbe eingerichtet wurde. Neben Schach steht auch Bridge auf dem Programm. Insgesamt sind mehr als 200 Spieler aus 21 Ländern.

Für die Teilnehmer geht es um die Titel der „Studierenden-Weltmeisterin und des Studierenden-Weltmeisters“ und damit um die bedeutendsten im Hochschulsport. Das klassische Schachturnier wird über neun Runden ausgetragen, verteilt auf sechs Turniertage. Drei Doppelrunden zu Beginn des Turniers verlangen den Spielern dabei einiges ab. Am 16. Oktober stehen die letzten Partien und die Siegerehrung an.

Im ersten Teil der Videoreihe werden wir uns mit 6. Lg5, 6. Le3, 6. Le2 und 6. Lc4 die vier Hauptzüge von Weiß anschauen.

Der Spielort

Liaocheng liegt im Westen der chinesischen Provinz Shandong am Großen Kanal, einer der bedeutenden historischen Wasserstraßen Chinas. Die Stadt ist für ihre Wasserlandschaft bekannt: Seen, Kanäle und historische Bauwerke prägen das Zentrum und haben Liaocheng den Beinamen Wasserstadt im Norden eingebracht. Besonders sehenswert ist der Guangyue-Turm, ein historisches Wahrzeichen aus der Ming-Dynastie. Die Lage am Kaiserkanal machte die Stadt über Jahrhunderte zu einem wichtigen Handels- und Verkehrsknotenpunkt. Heute verbindet Liaocheng dieses kulturelle Erbe mit moderner Stadtentwicklung. Knapp sechs Millionen Menschen leben in der Stadt.

Besonders prägend ist der Kontrast zwischen dem historischen Stadtkern und dem modernen Leben. Die Wasserflächen und die alte Architektur bilden eine reizvolle Kulisse für die internationale Hochschulmeisterschaft. Liaocheng ist zudem ein Hochschulstandort mit internationaler Ausrichtung und bietet damit einen passenden Rahmen für ein Turnier, das sportlichen Wettbewerb und den Austausch junger Menschen aus zahlreichen Ländern miteinander verbindet.

Dieser Videokurs bietet Ihnen ein vollständiges und praxisnahes Weiß-Repertoire in der Spanischen Partie! Anhand von Beispielpartien und detaillierten Theorieteilen lernen Sie, wie Sie alle Hauptvarianten sowie wichtige Nebenvarianten souverän behandeln.
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Starkes deutsches Aufgebot

Der Deutsche Schachbund hat eine schlagkräftige Auswahl nach China entsandt. Bei den Männern vertreten der GM Luis Engel sowie die beiden IM Tobias Kölle und Nikolas Wachinger die deutschen Farben. Das Frauenteam besteht aus WGM Jana Schneider, FM Lara Schulze und WFM Svenja Butenandt. Betreut wird die sechsköpfige Mannschaft von Großmeister Dmitrij Kollars, der kürzlich noch als Sekundant des deutschen olympischen Openteams, das in Samarkand Bronze gewann, fungierte.

Schon diese starke Unterstützung ließ auf ein erfolgreiches Abschneiden hoffen. Aber auch ein Blick auf die Zahlen weckte durchaus Hoffnungen: Engel (1) und Kölle (3) gehörten bei den Männern zu den Top drei der Setzliste, Schneider (2) und Schulze (3) bei den Frauen ebenfalls. Die deutsche Delegation reist damit nicht nur zum Erfahrungssammeln an, sondern kann berechtigte Medaillenambitionen anmelden. Zugleich bietet das Turnier den studentischen Aktiven die Gelegenheit, sich mit starker internationaler Konkurrenz zu messen, den Hochschulsport auf einer großen Bühne zu vertreten sowie viele neue und weltweite Kontakte zu schließen.

In diesem Videokurs dreht sich alles um das Thema Entwicklungsvorsprun: Wie entsteht ein Entwicklungsvorsprung und wie kann man ihn verwerten? Wie kann man den gegnerischen Entwicklungsvorsprung neutralisieren?

Nach sieben Runden: Deutschland ganz vorn

Die Zwischenbilanz fällt hervorragend aus: In beiden Wettbewerben steht ein deutscher Name an der Spitze.

In Runde 5 schlug Nikolas Wachinger seinen Teamkollegen Tobias Kölle mit den weißen Steinen. | Fotos: Veranstalter (FISU)

Luis Engel wurde seiner Favoritenrolle im klassischen Turnier bislang gerecht und holte Silber im Blitzen. | Foto: Veranstalter (FISU)

Bei den Männern führt Engel mit 5,5 Punkten aus sieben Partien gemeinsam mit dem chinesischen GM Tao Pang. Engel, der mit einer Elo-Zahl von 2592 als Nummer eins der Setzliste ins Turnier gegangen war, hat damit seine Favoritenstellung eindrucksvoll bestätigt. Dahinter liegt der tschechische Internationale Meister Stepan Hrbek mit fünf Punkten auf Rang drei. Auch der an zehn gesetzte Wachinger und Kölle sind mit je vier Punkten noch in der oberen Tabellenhälfte vertreten und können in den verbleibenden Runden weitere Plätze gutmachen. In Runde 8 kommt es zum Spitzenspiel zwischen Engel und Hrbek. 

Stand nach der 7. Runde

Rg. Snr Name Land Elo Pkt.  Wtg
1 1
GM Engel, Luis GER 2592 5,5 28
2 9
GM Pang, Tao CHN 2444 5,5 27
3 6
IM Hrbek, Stepan CZE 2458 5 25,5
4 20
IM Ulziikhishig, Khishigbat MGL 2349 5 25
5 4
Psyk, Radoslaw POL 2470 5 24,5
6 7
IM Wang, Shixu B CHN 2457 4,5 28
7 12
IM Dzida, Kamil POL 2415 4,5 25
8 21
FM Turcan, Richard SVK 2347 4,5 23,5
9 8
IM Stalmach, Richard CZE 2456 4,5 23,5
10 5
IM Baum, Jonasz POL 2459 4,5 23,5
11 11
IM Pham, Khoi NED 2423 4,5 22,5
12 2
IM Droin, Augustin FRA 2505 4,5 21,5
13 15
IM Laohawirapap, Prin THA 2376 4 30
14 13
IM Zhu, Hengyi CHN 2412 4 25,5
15 16
IM Niedbala, Bartlomiej POL 2376 4 23,5
16 10
IM Wachinger, Nikolas GER 2438 4 23,5
17 3
IM Koelle, Tobias GER 2504 4 21
18 18
FM Slagboom, Leandro NED 2357 3,5 24,5
19 14
IM Mathieu, Phileas FRA 2405 3,5 24
20 24
Jiang, Qinyu CHN 2287 3,5 23,5
21 27
CM Mahmood Shah, Mukhriez Shah MAS 2121 3,5 21
22 28
Tang, Yiheng SGP 2020 3,5 19
23 23
FM Prisacaru, Stefan-Emilian ROU 2311 3,5 18,5
24 19
FM Fecker, Noah SUI 2352 3 26
25 17
FM Albers, Sasa NED 2359 3 25
26 22
Hou, Yifan(Hlj) CHN 2338 3 24
27 32
Sukhbat, Gendendorj MGL 1955 3 23,5
28 25
FM Lye, Lik Zang MAS 2242 3 23,5
29 30
AIM Dissanayake, R K T SRI 1997 3 22
30 26
Poh, Xuan Rui Ethan SGP 2234 3 21,5
31 37
Mthembu, Lovers RSA 1900 3 19,5
32 36
Phokela, Osia RSA 1910 3 18,5
33 35
AGM Dharmakeerthi, G K Pasindu Nimsara SRI 1929 2,5 21,5
34 31
Brander, Waylon RSA 1956 2,5 20
35 33
Kiriella, K G T S D SRI 1954 2,5 19,5
36 29
Revinthran, Darshan MAS 2002 2,5 18,5
37 34
Yeoh, Yuan Hui MAS 1937 2 21,5
38 39
Araki, Dai JPN 1831 1,5 21
39 38
Makhetha, Laviens RSA 1858 1 17

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In Runde 8 fordert Butenandt die Spitzenreiterin heraus

Noch günstiger ist die Ausgangslage bei den Frauen: Schneider hat nach sieben Runden sechs Punkte gesammelt und liegt damit allein an der Spitze. Die Slowakin Lucia Sevcikova folgt mit 5,5 Punkten, während die Polin Liwia Jarocka und Schulze mit jeweils fünf Punkten auf den nächsten Plätzen stehen. Schulze hat damit ebenfalls noch gute Chancen, in den Kampf um die Medaillen einzugreifen. Butenandt liegt mit vier Punkten auf Rang 13. 

Jana Schneider marschiert vorweg. | Foto: Veranstalter (FISU)

Auch Lara Schulze hat noch Medaillenchancen. | Foto: Veranstalter (FISU)

Die guten Leistungen der deutschen Spielerinnen führen zu einem weiteren direkten Aufeinandertreffen der Teamkolleginnen: In der vorletzten Spielrunde treffen Butenandt und Schneider am ersten Brett aufeinander. In Runde 5 hatten Schneider und Schulze bereits remisiert. An Brett 3 spielt Schulze gegen die Polin Martyna Wikar.

Stand nach der 7. Runde

Rg. Snr Name Land Elo Pkt.  Wtg 
1 2
WGM Schneider, Jana GER 2302 6 29
2 11
WFM Sevcikova, Lucia SVK 2121 5,5 25,5
3 4
FM Jarocka, Liwia POL 2248 5 28
4 3
FM Schulze, Lara GER 2283 5 26,5
5 1
WIM Yan, Tianqi CHN 2340 4,5 28
6 8
WCM Goraj, Barbara POL 2145 4,5 26
7 5
WIM Wikar, Martyna POL 2242 4,5 25,5
8 17
Pellicoro, Nathalie SUI 1991 4,5 24
9 6
WIM Bosc, Seraphina FRA 2223 4 27
10 22
WFM Cai, Boheng CHN 1895 4 26,5
11 10
WFM Xu, Yuze CHN 2126 4 25,5
12 15
WFM Zelbova, Lada CZE 2048 4 21,5
13 7
WFM Butenandt, Svenja GER 2179 4 21
14 13
WFM Fizerova, Lucie CZE 2069 4 19
15 24
Mohd Tarmizi, Nur Uzma Bazilah MAS 1804 3,5 25,5
16 18
WFM Fang, Kun SGP 1989 3,5 23,5
17 12
WFM Barwinska, Ewa POL 2097 3,5 22
18 9
WFM Cornileau, Juliette FRA 2128 3,5 19,5
19 21
WFM Enkhbolor, Nyamdavaa MGL 1961 3,5 19
20 16
WIM Azhar, Puteri Munajjah Az-Zahraa MAS 2004 3 22
21 23
Sandeepani, M Tharushi SRI 1819 3 21,5
22 14
De Zoeten, Cato NED 2063 3 21
23 25
AFM Abd Aziz, A Dira A Ddawiyah MAS 1752 3 20,5
24 30
Maepa, Boitumelo RSA 1600 3 20,5
25 26
Yapa Bandara, Chamodya SRI 1732 3 20,5
26 19
Cordes, Jule NED 1973 2,5 22
27 27
Dassanayake, Tharusha Samadhi SRI 1675 2,5 20,5
28 28
August, Thimna RSA 1663 2,5 18,5
29 20
WCM Chua, Jia-Tien MAS 1972 2 22,5
30 29
Marema, Phindile RSA 1651 2 19,5
31 31
Wallace, Amy RSA 1515 1,5 19

Zwei Medaillen beim Blitzen

Hat bereits eine Medaille gewonnen: Svenja Butenandt erspielte sich Silber im Blitzen der Damenkonkurrenz. | Foto: Veranstalter (FISU)

In den Blitzturnieren gab es bereits drei Medaillen für das deutsche Team. Silber gab es für Svenja Butenandt und Luis Engel. Bronze ging an Tobias Kölle, der punktgleich mit Engel die schlechtere Wertung hatte. Nikolas Wachinger wurde 13. Bei den Frauen belegte Jana Schneider Rang 14 und Lara Schulze Rang 20.

Gewann Bronze im Blitz der Männergruppe: Tobias Kölle. Engel holte Silber. | Foto: Veranstalter (FISU)

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Partien Männer

Partien Frauen

Links

Veranstalterseite

Ergebnisse bei Chess-Results:
Männer - Frauen - Blitz Männer - Blitz Frauen


Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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