US Championships, Runde 5: Lee einen Punkt in Front – Atwell schlägt Titelverteidigerin Yip

von Stefan Liebig
15.10.2026 – Bei der US-Frauenmeisterschaft in St. Louis sorgt die fünfte Runde für klare Akzente: Alice Lee gewinnt zum vierten Mal in Folge und setzt sich an der Spitze ab. Rose Atwell gelingt gegen Titelverteidigerin Carissa Yip ein eindrucksvoller Sieg, während Rachel Li und Megan Paragua ebenfalls wichtige Punkte sammeln. Für Yip setzt sich dagegen eine bislang enttäuschende Meisterschaft fort. | Fotos: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club

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Alice Lee bleibt das Maß der Dinge

Die 17-jährige Alice Lee setzt ihren beeindruckenden Lauf fort. Nach einem Remis zum Auftakt hat die US-Amerikanerin vier Partien hintereinander gewonnen und führt das Feld nun mit 4,5 Punkten aus fünf Runden an. Ihr jüngster Erfolg gelang ihr mit den schwarzen Steinen gegen Tatev Abrahamyan. Damit hat Lee einen ganzen Punkt Vorsprung auf die drei Verfolgerinnen Rachel Li, Megan Paragua und Thalia Cervantes, die jeweils 3,5 Punkte aufweisen.

Alice Lee legte mit 4,5 aus 5 einen Traumstart hin. Ist sie noch aufzuhalten? | Foto: Lennart Ootes

In der fünften Runde wurden vier der sechs Partien entschieden:

Lees Partie war dabei keineswegs von Beginn an eine einseitige Angelegenheit. In einem spannungsgeladenen Mittelspiel fand Abrahamyan zunächst gute Gegenwehr. Nach dem Übergang ins Endspiel verfügte Lee zwar über einen Mehrbauern, doch die Stellung schien haltbar. Mit dem ungenauen Zug 29.Td4?! und einigen weiteren Ungenauigkeiten erleichterte Abrahamyan ihrer Gegnerin jedoch die Aufgabe: Lee konnte ihren materiellen Vorteil behaupten und das Endspiel schließlich sicher gewinnen.

Atwell gelingt ein Glanzsieg gegen die Titelverteidigerin

Für die spektakulärste Partie des Tages sorgte Rose Atwell. Sie besiegte im Duell der beiden Olympiateammitglieder die amtierende US-Meisterin Carissa Yip mit einer mutigen und wirkungsvollen Qualitätsopferkombination. Atwell gab einen Turm gegen eine Leichtfigur, um die gegnerische Stellung entscheidend zu schwächen. Dabei war das Opfer nicht die einzige Möglichkeit, Vorteil zu erlangen, doch es verlieh der Partie ihren besonderen Charakter.

Dem begeisterten Moderatoren Maurice Ashley, der sagte, dass Atwell diese Partie nie vergessen werde, erklärt Atwell ihre Gedanken zur Partie:

Für Atwell ist der Erfolg auch deshalb bemerkenswert, weil sie bis dahin keinen optimalen Turnierverlauf erlebt hatte. In der vierten Runde hatte sie eine aussichtsreiche Stellung nicht konsequent genug genutzt und sich mit einem Remis begnügen müssen. Diesmal entschied sie sich, ihre Chance kompromisslos zu nutzen. Der Lohn war ein wichtiger Punkt gegen eine der stärksten, wenn auch formschwachen Spielerinnen des Feldes.

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Für Yip verschärft sich die Krise dagegen weiter. Die Titelverteidigerin hatte das Turnier als Nummer eins der Setzliste begonnen, steht nach fünf Runden aber erst bei einem Punkt. Zwei Remis und drei Niederlagen bedeuten einen katastrophalen Start. Die Titelverteidigung ist damit nur noch theoretische möglich. Während ihre gute Freundin Alice Lee an der Spitze davonzieht, muss Yip versuchen, die verbleibenden Partien für eine Schadensbegrenzung zu nutzen.

Die diesjährigen US-Meisterschaften sind nicht das Turnier von Carissa Yip. Die Titelverteidigerin rangiert nach ihrer dritten Niederlage und zwei Remisen auf dem geteilten letzten Platz. | Foto: Lennart Ootes

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Paragua meldet sich eindrucksvoll zurück

Megan Paragua konnte ebenfalls einen wichtigen Sieg verbuchen. Die erst 13-jährige Spielerin bezwang Nazi Paikidze und verbesserte sich auf 3,5 Punkte. Damit machte sie einen Rückschlag aus der vorherigen Runde wett, in der sie eine klare Gewinnchance ausgelassen hatte. Gegen Paikidze setzte Paragua in der Abtauschvariante der Caro-Kann-Verteidigung früh mit einem Bauernvorstoß auf aktives Spiel am Damenflügel.

Megan Paragua kann auch Niederlagen verkraften und spielte in Runde 5 wieder gewohnt stark. | Foto: Lennart Ootes

Anstatt unmittelbar nach weiterem Materialgewinn zu suchen, erkannte Paragua, dass eine geschlossene Bauernstruktur am Damenflügel den schwarzen Figuren wichtige Gegenchancen nehmen würde. Sie hielt an diesem Plan fest und ließ ihrer Gegnerin kaum Möglichkeiten, die Stellung zu beleben. Die Partie unterstrich, dass die junge Nachwuchshoffnung nicht allein auf taktische Genauigkeit setzt, sondern bereits strategisch reife Entscheidungen treffen kann. Sie gehört damit weiterhin zur Verfolgergruppe, die auf einen Ausrutscher der Spitzenreiterin hofft.

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Rachel Li schlägt Jennifer Yu

Auch Rachel Li nutzte die fünfte Runde, um sich in der Verfolgergruppe festzusetzen. Sie gewann mit Weiß gegen Jennifer Yu und erreichte damit 3,5 Punkte. Die Partie nahm früh eine ungünstige Wendung für Yu, die bereits nach der Eröffnung vor schwierigen Entscheidungen stand. Li nutzte den Vorteil konsequent und brachte den Punkt nach Hause. Gemeinsam mit Paragua und Cervantes bleibt Li in Reichweite der allein führenden Lee.

Zwei Remis in den übrigen Begegnungen

In den beiden weiteren Partien des Tages wurden die Punkte geteilt. Die achtfache US-Meisterin Irina Krush und Thalia Cervantes trennten sich remis. Cervantes verteidigte damit ihren Platz in der Spitzengruppe und steht ebenfalls bei 3,5 Punkten.

Krush hält Anschluss an die Verfolgergruppe und kommt nun auf drei Punkte. | Foto: Lennart Ootes

Auch Anna Zatonskih und Anna Sargsyan beendeten ihre Partie unentschieden. Zatonskih steht damit ebenfalls bei drei Punkten, während Sargsyan nach fünf Runden zwei Punkte gesammelt hat.

Nach 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Dxd4 Sc6 5.Lb5 Ld7 6.Dd3 umgeht Weiß die Hauptvarianten und lenkt die Partie in weniger erforschte, strategisch gehaltvolle Stellungen.
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Tabelle nach Runde 5

Partien


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Rundenberichte: 1-3, 4

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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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