Zum 75. Geburtstag von Rafael Vaganjan

von André Schulz
15.10.2026 – Heute feiert Rafael Vaganjan seinen 75. Geburtstag. Er war 1971 der erste Armenier nach Petrosian, der von der FIDE zum Großmeister ernannt wurde. In der sowjetischen und armenischen Nationalmannschaft gewann er bei Mannschaftswettbewerben unzählige Medaillen, war zeitweise der viertbeste Spieler der Welt und spielte viele Jahre für die SG Porz in der Bundesliga. | Titelfoto: Frank Hoppe

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Am 15. Oktober 1951 wurde Rafael Vaganjan in Jerewan geboren, zu dieser Zeit die Hauptstadt der Sozialistischen Sowjetrepublik Armenien. Sein Vater, von Beruf Physiker, war ein begeisterter Schachspieler und brachte seinem Sohn das Schachspiel bei, als dieser fünf Jahre alt war.

Bei einer Simultanveranstaltung schlug er als 15-Jähriger Ex-Weltmeister Max Euwe:

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Max Euwe war der 5. Weltmeister der Schachgeschichte, nachdem er 1935 Alexander Aljechin im Wettkampf um die Weltmeisterschaft besiegen konnte. Von Beruf Mathematiklehrer blieb Euwe Zeit seines Lebens Amateur, war aber dennoch der beste Schachspieler der Niederlande und einer der weltbesten Spieler. Mit zwölf niederländischen Landesmeisterschaften hält Euwe den Rekord. Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft war Euwe eine Zeitlang auch der weltbeste Spieler. 1937 verlor er den Titel im Revanchematch gegen Alexander Aljechin wieder.
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Mit 16 Jahren wurde Vaganjan Schülermeister der Sowjetunion, mit 18 Jahren gewann er ein internationales Jugendturnier in Groningen, punktgleich mit dem Deutschen Karl-Heinz Maeder und dem Ungarn Zoltan Ribli. Zu dieser Zeit galt Vaganjan zusammen mit dem gleichaltrigen Anatoly Karpov und dem früh verstorbenen Mikhail Steinberg als das größte Schachtalent in der UdSSR.

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Im November 1970 feierte Vaganjan seine Premiere als Teilnehmer der UdSSR-Meisterschaften. Nachdem er 1971 in Vrnacka Banja ein gut besetztes GM-Turnier gewinnen konnte, unter anderem vor Leonid Stein, Ljubomir Ljubojevic und Borislav Ivkov, ernannte die FIDE den 20-jährigen Vaganjan gleich zum Großmeister, ohne dass Vaganjan zuvor den Titel eine Internationalen Meisters getragen hätte. Vaganjan war der erste Armenier, dem diese Auszeichnung zuteilwurde. Über Jahrzehnte war er dann der stärkste Spieler Armeniens. 

Bei den stets sehr stark besetzten UdSSR-Meisterschaften belegte Vaganjan einige gute Plätze, 1974 den geteilten 3. bis 5.Platz, 1975 den geteilten 2. bis 5. Platz und 1982/83 den geteilten 3./4. Platz. Im Jahr 1989 gelang ihm schließlich auch der Gewinn der UdSSR-Meisterschaften.

Im Laufe seiner Karriere gewann Vaganjan unzählige Turniere, darunter in Rom 1977, in Sao Paulo 1977, in Kirovaken 1978, In Las Palmas 1979, in Manila 1981, in Moskau 1982, in Hastings 1982/83, in Talinn 1983, in Lvov 1984.

Vaganjan, 1984

Er gewann zudem in Næstved 1985, in Sotschi 1986, in Marseille, 1987, in Leningrad 1987, in Esbjerg 1988, in Kopenhagen 1988, in Toronto 1990, in Moskau 1991, in Ter Apel 1992, in Neu-Isenburg 1992, in Reggio Emilia 1991, in Ter Apel 1993, in Haarlem 1993, in Long Beach 1994, in Reggio Emilie 1994/95 und in Moskau 1995 beim Aeroflot Open. Bei vielen weiteren hochklassigen Turnieren erreichte Vaganjan gute Platzierungen auf dem Podest oder zumindest im oberen Tabellenbereich.

Vaganjans größter Turniererfolg war der Gewinn des Interzonenturniers in Biel 1985. Beim folgenden Kandidatenturnier in Montpellier belegte er zusammen mit den punktgleichen Artur Jussupow und Andrei Sokolov den geteilten ersten Platz und erreichte die K.o.-Runde der Kandidatenkämpfe um die Weltmeisterschaft, schied dort aber schon in der ersten Runde gegen Andrei Sokolov aus.

Im nächsten WM-Zyklus war Vaganjan erneut für die Kandidatenkämpfe qualifiziert, schied diesmal aber, 1988 in St. John, gegen Lajos Portisch aus. An gleicher Stelle wurde er wenige Tage später Vize-Weltmeister im Blitzschach, nachdem er im Finale Michail Tal unterlag. 

Bei der Neuauflage des Wettkampfes UdSSR gegen den Rest der Welt 1984 wurde Vaganjan in die UdSSR-Auswahl berufen, unterlag aber an Brett fünf mit 1,5:2,5 gegen Zoltan Ribli.

In den Jahren 1984 bis 1986 gehörte Vaganjan zu den fünf besten Spielern der Welt mit einer Elozahl von 2645 als bestes Rating im Januar 1986. Das bedeutete den vierten Rang hinter Kasparov, Karpov und Timman in der Weltrangliste.

1994 gewann Vaganjan das World-Open in Philadelphia und 2004 war er punktgleich mit dem Sieger Sergei Rubljowski im Aeroflot Open in Moskau. 

Seine Premiere in der UdSSR-Auswahl für die Schacholympiaden war 1978 in Buenos Aires. Das sowjetische Team wurde von Ungarn auf den zweiten Platz verdrängt und gewann ausnahmsweise nur Silber. 1984 und 1986 gewann Vaganjan mit der UdSSR-Mannschaft die Goldmedaille. In Thessaloniki 1984 war Vaganjan zudem hinter John Nunn zweitbester Spieler des Turniers nach Rating Performance und gewann außerdem die individuelle Goldmedaille an Brett drei. Von 1992 bis 2004 spielte Vaganjan im Team des nun selbstständigen Armenien und gewann 1992 und 2004 mit der Mannschaft Bronze und 2004 Einzelgold an Brett drei.

Darüber hinaus gewann Vaganjan mit dem sowjetischen Team und später mit der armenischen Mannschaft eine Reihe von Mannschafts-und Einzelmedaillen bei Mannschaftsweltmeisterschaften und Mannschaftseuropameisterschaften.

Vaganjan nahm zudem an einer Reihe von nationalen Mannschaftsmeisterschaften teil. Er spielte lange Jahre für Spartak Moskau bei den sowjetischen Mannschaftsmeisterschaften, später in Armenien für Bank King Jerewan bei den armenischen Meisterschaften, zudem in den Niederlanden für Breda und einige Jahre in der Russischen Meisterschaft für Jekaterinburg. Auch in der belgischen und in der französischen Liga hatte Vaganjan einige Einsätze.

Mit Hou Yifan in Biel | Foto: Schachfestival Biel

Ab 1990 trat Vaganjan für die SG Porz in der Bundesliga an, wo er bis 2007 insgesamt sechs Meistertitel gewann. 1996/97 erzielte Vagankan mit einer Bilanz von 14,5 Punkten aus 15 Partien das beste Ergebnis, das ein Spieler jemals in einer Saison in der Bundesliga erreichen konnte. Ab 1992 lebte Rafael Vaganjan mit seiner Familie über viele Jahre auch in Porz. 

2016 gewann Vaganjan mit der armenischen Mannschaft die Silbermedaille bei der Senioren-Mannschaftsweltmeisterschaft. 2019 erhielt er die Goldmedaille bei der Einzel-Seniorenweltmeisterschaft U65.

Foto: FIDE

Seit 2016 ist Vaganjan der Direktor der Shengvit-Jugendschachschule in Jerewan.

Foto: Armchess

Vom Schachspiel kann er nicht lassen. ZUletzt nahm er noch an Online-Turnieren teil, wenn auch nicht ganz so erfolgreich wie früher.

Deutschland ist Vaganjan weiter verbunden. Im letzten Jahr war er beim Sparkassen Chess Meeting Co-Kommentator neben Artur Jussupow. 

Foto: Sparkassen Chess Meeting


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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