US Championships: Lee übernimmt die Führung – Yip abgeschlagen

von Stefan Liebig
13.10.2026 – Die 16-jährige Alice Lee hat bei den US-Frauenmeisterschaften in St. Louis die alleinige Führung übernommen. Mit ihrem Sieg gegen die noch drei Jahre jüngere Megan Paragua setzte sie sich nach vier Runden an die Spitze. Irina Krush, achtfache US-Meisterin, meldete sich mit einem Erfolg zurück. Titelverteidigerin Carissa Yip kommt dagegen weiterhin nicht in Schwung. | Fotos: Lennart Ootes, Crystal Fuller / Saint Louis Chess Club

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Lee schlägt Paragua – Yip gerät weiter ins Hintertreffen

Die vierte Runde der US-Frauenmeisterschaft brachte zwei entschiedene Partien und vier Punkteteilungen. Im Mittelpunkt stand das Duell zwischen Alice Lee und Megan Paragua, die nach drei Runden gemeinsam mit Thalia Cervantes an der Spitze gelegen hatten. Lee setzte sich nach 85 Zügen durch und steht nun bei 3,5 Punkten aus vier Partien. Damit hat sie einen halben Punkt Vorsprung auf Cervantes, die sich gegen Anna Zatonskih mit einem Remis begnügen musste.

Auch Irina Krush nutzte ihre Chance und bezwang Nazi Paikidze in nur 31 Zügen. Die achtfache US-Meisterin verbesserte sich damit auf 2,5 Punkte. Für die Titelverteidigerin Carissa Yip verlief der Spieltag dagegen erneut enttäuschend: Gegen Rachael Li kam sie nicht über ein Remis hinaus. Nach vier Runden hat die viermalige US-Meisterin erst einen Punkt auf dem Konto.

Alice Lee gewinnt das Duell der jungen Spitzenreiterinnen

Die Begegnung zwischen Lee und Paragua war das Topspiel des Tages. Beide gehören zu einer neuen Generation amerikanischer Schachspielerinnen, die sich zunehmend auch im Erwachsenenbereich behauptet. Lee, 2009 geboren, wurde bereits 2023 Internationale Meisterin und war damit die jüngste US-Amerikanerin, die diesen Titel bis dahin erreicht hatte. Sie hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich an die nationale Spitze herangearbeitet und zählt zu den stärksten Nachwuchsspielerinnen der Welt.

Paragua ist sogar noch jünger: Die 2012 geborene New Yorkerin ist erst 13 Jahre alt. Bei den Weltmeisterschaften im Kadetten-Schnell- und Blitzschach 2024 gewann sie in der Mädchenklasse U12 beide Titel. Ihre Einladung zur US-Frauenmeisterschaft 2026 ist daher ein wichtiger Schritt auf dem Weg in den Spitzenschachbereich. Mit ihrem Sieg gegen Titelverteidigerin Yip in der zweiten Runde hatte sie bereits für Aufsehen gesorgt.

Das Duell der US-Nachwuchsstars ging in die erfahrenere Alice Lee. | Foto: Lennart Ootes

Die Partie begann mit einer Réti-Eröffnung. Lee führte die weißen Steine und musste gegen Paraguas Widerstand einen langen Kampf führen. Nach 85 Zügen setzte sie sich schließlich durch. Anders als bei ihrem Sieg gegen Nazi Paikidze in der dritten Runde, der durch einen taktischen Fehler ihrer Gegnerin begünstigt worden war, musste Lee diesmal über viele Stunden hinweg um den vollen Punkt kämpfen. 

Lee gegen Paragua

Hier hätte 33.Lb7 die Stellung in der Remisbreite gehalten. Doch Lee entscheidet sich für einen anderen Läuferrückzug: 33.Ld7?? Paragua übersieht die relativ einfache Taktik 33...Txc5! 34.dxc5 Kxd7 wonach sie auf Gewinn steht: Der weiße c-Bauer wird fallen, das Läuferpaar dominiert den Turm und der Bauer auf a2 ist stets schutzbedürftig. Nach Paraguas 33...Tb6? war die Stellung schon recht gut für Weiß. Bei der Zeitkontrolle stand Lee bereits auf Gewinn und fuhr den Punkt souverän ein, brauchte dafür aber noch viele Züge. Am Ende gewann sie das Endspiel Turm und Bauer gegen Läufer.

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Für Paragua ist die Niederlage zwar ein Rückschlag, aber mit 2,5 Punkten bleibt sie in der Verfolgergruppe und hat weiterhin Kontakt zur Spitze. Lee dagegen bestätigt ihren starken Lauf: Nach zwei Auftaktremis hat sie nun zwei Siege in Folge erzielt und die Führung übernommen.

Krush nutzt ihre Chance gegen Paikidze

Die zweite entschiedene Partie des Tages gewann Irina Krush gegen Nazi Paikidze. In der Sizilianischen Verteidigung setzte sich Krush mit den weißen Steinen nach 31 Zügen durch. Für die 42-jährige New Yorkerin ist der Sieg wichtig, weil sie nach einem wechselhaften Turnierbeginn wieder Anschluss an die Spitzengruppe gefunden hat.

Krush gehört zu den prägendsten Persönlichkeiten des US-Frauenschachs. Sie gewann ihre erste nationale Meisterschaft bereits 1998 im Alter von 14 Jahren und sammelte insgesamt acht Titel. 2013 erhielt sie den Großmeistertitel und war damit die erste Frau, die diesen Titel während ihrer Zugehörigkeit zum US-Schachverband erlangte. | Foto: Crystal Fuller

Nach ihrer Auftaktniederlage gegen Rachael Li hatte Krush mit einem Sieg gegen Rose Atwell reagiert. Gegen Anna Zatonskih folgte ein Remis, ehe sie nun Paikidze bezwang. Mit 2,5 Punkten liegt sie gleichauf mit Paragua, Rachael Li und Zatonskih. Paikidze bleibt dagegen bei einem Punkt. Die 32-Jährige wurde in Russland geboren, wuchs in Georgien auf und vertritt seit 2016 die USA. In ihrer Jugend gewann sie Welt- und Europameistertitel in verschiedenen Altersklassen. Später wurde sie zweimal US-Meisterin, 2016 und 2018. Ein erneuter Titelgewinn scheint aber weit entfernt: Nach ihrem Auftaktremis hatte sie bereits gegen Zatonskih geteilt, ehe sie gegen Lee und nun Krush verlor. Zwei Niederlagen in Folge haben sie früh zurückgeworfen.

Nach ausgeglichener Eröffnungsphase hatte Paikidze den Turm auf a3 ins Abseits gestellt und auch ansonsten die Kontrolle über die Stellung verloren. Schwarz steht hier schon seit einigen Zügen auf Gewinn. Das einzige, was Krush nicht tun darf: sorglos auf d3 den Bauern rauben. Das tat sie aber auch nicht, sondern widmete sich richtigerweise sofort der schwachen weißen Königsstellung. Die Partie endete schnell: 29...Ld5! 30.Se4 ist schon pure Verzweiflung. 30...fxe4 31.dxe4 Auch 31.Dxg6 ist hoffnungslos, da Schwarz den einfachen Verteidigungszug 31...Te7 spielen kann. 31...Lxe4 und Weiß gab auf.

Nach 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Dxd4 Sc6 5.Lb5 Ld7 6.Dd3 umgeht Weiß die Hauptvarianten und lenkt die Partie in weniger erforschte, strategisch gehaltvolle Stellungen.
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Irina Krush im Interview mit Maurice Ashley:

Blick in den Spielsaal. | Foto: Crystal Fuller 

Drei Remis mit unterschiedlichen Auswirkungen

In den übrigen Begegnungen gab es keine weiteren Siegerinnen. Thalia Cervantes teilte den Punkt mit Anna Zatonskih und verpasste damit die Chance, mit Lee gleichzuziehen. Nach zwei Auftaktsiegen und einem Remis gegen Rose Atwell bleibt Cervantes mit drei Punkten dennoch die erste Verfolgerin.

Für Zatonskih war die Punkteteilung ebenfalls ein solides Ergebnis. Die erfahrene Internationale Meisterin steht bei 2,5 Punkten und bleibt damit Teil der Verfolgergruppe. Sie hatte bereits in der ersten Runde gewonnen und danach zwei Remis sowie einen weiteren halben Punkt gesammelt.

Carissa Yip sieht die Titelverteidigung in weite Ferne rücken. | Foto: Crystal Fuller 

Carissa Yip und Rachael Li trennten sich nach 56 Zügen remis. Die Partie wurde in der Vorstoßvariante der Caro-Kann-Verteidigung gespielt. Für Li ist der halbe Punkt ein weiterer Schritt in einem bislang erfolgreichen Turnier: Nach ihrem Auftaktsieg gegen Krush und der Niederlage gegen Cervantes hatte sie gegen Anna Sargsyan gewonnen. Mit nun 2,5 Punkten gehört sie zur Verfolgergruppe. Für Yip dagegen setzt sich die schwierige Phase fort. Die Titelverteidigerin hat bislang zwei Remis und zwei Niederlagen auf dem Konto. Mit einem Punkt aus vier Partien liegt sie weit hinter den Erwartungen zurück.

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Anna Sargasyan (l.) und Rose Atwell trennten sich Remis. | Foto: Crystal Fuller 

Auch Anna Sargsyan und Rose Atwell teilten den Punkt. Die Partie dauerte 81 Züge und war damit die längste Punkteteilung des Tages. Sargasyan hat nach vier Runden 1,5 Punkte, Atwell einen Punkt. Jennifer Yu und Tatev Abrahamyan trennten sich ebenfalls remis. Für Yu war es nach zwei Remis und einer Niederlage ein weiterer halber Punkt. Abrahamyan steht nach zwei Auftaktniederlagen und ihrem Sieg gegen Yip in der dritten Runde nun ebenfalls bei 1,5 Punkten.

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Jennifer Yu | Foto: Crystal Fuller 

Zwischenbilanz nach vier Runden

Nach dem ersten Viertel des Turniers führt Alice Lee mit 3,5 Punkten allein. Thalia Cervantes folgt mit drei Punkten. Dahinter liegen Irina Krush, Megan Paragua, Rachael Li und Anna Zatonskih mit jeweils 2,5 Punkten.

Die fünfte Runde wird erst am Mittwoch, 14. Oktober, gespielt. Der Dienstag ist spielfrei. Lee geht als alleinige Spitzenreiterin in den Ruhetag, muss ihre Führung aber gegen eine breite Verfolgergruppe verteidigen. Für die Titelverteidigerin Yip wird die Pause dagegen vor allem Gelegenheit bieten, die ersten vier Partien aufzuarbeiten und sich auf die verbleibenden sieben Runden einzustellen.

Tabelle nach Runde 4

Partien


Links

Offizielle Website

Rundenberichte: 1-3

Dieser kompakte Kurs wurde speziell für die Turnier- und Onlinepraxis entwickelt. Statt Sie mit endlosen Varianten zu überfordern, konzentriert er sich auf die wichtigsten Zugfolgen, typische Pläne und wiederkehrende taktische Motive.
Andy Woodward vertraut seit Jahren auf 1.b3 und hat damit in Blitz- und Bulletpartien zahlreiche starke Meister und Großmeister bezwungen, die die versteckte Gefährlichkeit dieser Eröffnung unterschätzt haben. Was auf den ersten Blick harmlos wirkt, führt den Gegner oft in unbekannte Stellungen, taktische Fallen und unangenehme Mittelspiele.
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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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