Tan Zhongyi gewinnt den Cairns Cup, Alice Lee mit GM-Norm

von Stefan Liebig
20.08.2026 – Tan Zhongyi (Foto) verlor in der letzten Runde ihre erste Partie. Dank der extrem starken ersten acht Runden und der Punkteteilung ihrer einzigen verbliebenen Verfolgerin, Alice Lee, gewann die Chinesin ihrem zweiten Titel nach 2024 beim Cairns Cup in St. Louis. Für die 16-jährige Lee gibt es jedoch keinen Grund, sich zu ärgern: Der zweite Platz an sich ist schon ein Erfolg, sie konnte aber zudem ihre erste Großmeisternorm erzielen. | Fotos: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club

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Wie gut es ist, mit großem Vorsprung in die letzte Runde zu gehen, stellte die Ex-Weltmeisterin Tan Zhongyi beim Cairns Cup fest. Sie verlor in Runde 9 zum ersten Mal, hatte aber dank ihrer fünf Siege und drei Remis ein ausreichendes Polster, um nach dem Remis ihrer Verfolgerin Alice Lee als alleinige erste den Siegerpokal überreicht zu bekommen.

Runde 9 Ergebnisse:

Tan Zhongyi gewinnt den Cairns Cup 2026 verdient

Hätte das Turnier sicher gerne unbesiegt beendet, doch die Niederlage gegen Stavroula Tsolakidou schmälert Tan Zhongyis Leistung nicht. | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club

Dabei sah es so aus, dass Tan in der letzten Runde auf eine Gegnerin trifft, der die Kraft etwas auszugehen drohte: Stavroula Tsolakidou war bis zur sechsten Runde ungeschlagen. Die griechische IM hatte sogar theoretische Chancen auf den Turniersieg und/oder eine GM-Norm. Doch dann verlor sie in Runde 7 gegen Bibisara Assaubayeva und in Runde 8 gegen Carissa Yip. Das Rampenlicht in der Schlussrunde schien die 26-Jährige aber zu beflügeln. Sie spielte eine großartige, positionelle Partie, die sie souverän und verdient gewann:

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Tsolakidou landet nach diesem Sieg in dem starken Feld auf Rang 5 und gewinnt 8 Elo-Punkte hinzu. Sie ist die Spielerin, die sowohl Tan als auch Lee die jeweils einzigen Niederlagen im Turnier zugefügt hat – ein ganz besonderer Erfolg. Die Turniersiegerin Tan kann neben dem Pokal und den 65.000 Dollar Preisgeld auch noch ein Eloplus von 16 Punkten verbuchen.

Hat nach dem Sieg gegen die Turniersiegerin und Ex-Weltmeisterin allen Grund zum Strahlen: Stavroula Tsolakidou. | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club

Die zweite Siegerin: Alice Lee

Zwar konnte Alice Lee nicht mehr mit der Führenden gleichziehen. Doch sie war im Interview im Anschluss an die Partie dennoch überglücklich. Rang 2 in diesem starken Turnier wäre an sich schon ein Riesenerfolg. Doch mit ihrer Punktzahl erzielte die 16-Jährige sogar ihre erste GM-Norm. Pikant dabei: In der letzten Runde musste sie ausgerechnet gegen ihre Freundin und Vorjahressiegerin Carissa Yip antreten, um den fehlenden halben Punkt für die Norm noch einzusammeln.

Die beiden Freundinnen Alice Lee und Carissa Yip haben sich schon viele wilde Partien geliefert. Diese Partie war nicht ganz so aufregend, endete aber mit einem tollen Erfolg für das 16-jährige US-Talent. | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club

Lee gab zu: „Ich war nervös vor der Partie und unzufrieden mit der Eröffnung, weil ich in der Defensive war.“ Doch Yips Vorteil währte nur vom 13. bis zum 22. Zug, laut Engine betrug er bis zu eineinhalb Bauerneinheiten. Doch Lee zeigte erneut Umsicht, glich die Partie wieder aus und gelangte in ein ausgeglichenes Endspiel. Sicher war sie sich dennoch nicht, denn in dieser Stellung

hatte sie 40...Lf2 befürchtet und sich vor einer langen Verteidigung mit inaktiven Figuren gesehen. Schließlich ist der Läufer von f2 nicht zu vertreiben und Schwarz könnte versuchen, auf dem Königsflügel durchzubrechen. Die Engine zeigt aber eine 0 an.

Schließlich kam es zu dieser Stellung und als alle mit Zugwiederholung durch Yip rechneten, täuschte diese mit einem lächelnden Blick in Richtung Lee einen neuen Zug an – gab dann aber mit 46...Ke8 doch die Vorlage zur Zugwiederholung per 47.Sg1:

„Ich bin erleichtert und freue mich“, sagte Lee im Anschluss wenig überraschend nach Abschluss ihres wohl besten Turniers bislang, in dem sie vier GM besiegte.

GM Blohberger präsentiert in dieser zweiteiligen Reihe ein vollständiges Repertoire für Schwarz: praxisnah, verständlich, flexibel – statt seitenlanger Theoriewüsten gibt es klare Konzepte und leicht erlernbare Strategien.
Die Königsindische Verteidigung ist seit Jahrzehnten eine der dynamischsten und beliebtesten Antworten auf 1.d4. Spieler wie Garri Kasparow, Bobby Fischer oder Hikaru Nakamura haben sie auf höchstem Niveau eingesetzt – und sie begeistert bis heute, weil sie Schwarz nicht nur solides Spiel, sondern auch reiche Angriffs- und Gegenspielmöglichkeiten bietet. Der besondere Vorteil: Königsindisch ist ein universelles System, das sich gegen 1.d4, 1.c4 und 1.Sf3 gleichermaßen anwenden lässt. Großmeister Felix Blohberger, mehrfacher österreichischer Meister und erfahrener Sekundant, präsentiert in dieser zweiteiligen Reihe ein vollständiges Repertoire für Schwarz. Sein Ansatz: praxisnah, verständlich, flexibel – statt seitenlanger Theoriewüsten gibt es klare Konzepte und leicht erlernbare Strategien.
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Zwei, die das Turnier lieber vergessen wollen

Was geht wohl in einer Ex-Weltmeisterin vor, wenn sie mit vier Nullen in ein großes Turnier startet? Alexandra Kosteniuk zeigte Größe und fing sich. Sie remisierte viermal und gewann ihre letzte Partie souverän gegen Vaishali Rameshbabu. Dadurch tauschten die beiden die Plätze: Kosteniuk beendet das Turnier als Vorletzte und übergab ihrer Gegnerin die rote Laterne. Ob es bei der wohl daran lag, dass sie sich vor dem WM-Match nicht allzu sehr in die Karten schauen lassen wollte, weiß man nicht. Klar ist: Dieses Turnier werden beide schnell aus ihrer Erinnerung tilgen wollen ...

Versöhnlicher Abschluss für Alexandra Kosteniuk (l.): Nach vier Niederlagen zum Auftakt, folgten vier Remis und in der Schlussrunde der erste Sieg gegen die WM-Herausforderin Vaishali Rameshbabu. | Foto: Lennart Ootes

Der Hyper-Accelerated Dragon ist schnell und scharf. Schwarz entwickelt seinen Läufer sofort nach g7 und kann oftmals d5 in einem Zug spielen und ein Tempo sparen.
Dieser zweibändige Kurs präsentiert ein komplettes Repertoire für Schwarz nach 1.e4 c5 2.Sf3 g6 – dem Hyperbeschleunigten Drachen. In den letzten Jahren hat diese dynamische Variante deutlich an Popularität gewonnen, und mehrere der weltbesten Spieler haben sie in ihr Repertoire aufgenommen. Diese Variante bietet Schwarz zwei wesentliche Vorteile: Er muss sich weder mit der Rossolimo- noch mit der Moskauer Variante nach 3.Lb5 auseinandersetzen, und in vielen Abspielen kann er d5 in einem Zug spielen und so ein Tempo sparen. Im ersten Band geht es um die scharfen Varianten im Offenen Sizilianer, die exzellente Angriffschancen auf die lange Rochade bieten und der positionelle Maroczy Aufbau.
kostneloses Beispielvideo: Introduction
kostenloses Beispielvideo: Maroczy Aufbau 6...Qb6

Zwei weitere sieglose Spielerinnen

In Runde 9 gab es neben Lees Remis zwei weitere Punkteteilungen. Bibisara Assaubayeva und Humpy Koneru einigten sich leistungsgerechnet auf ein Remis. Assaubayeva ist damit im Endklassement Vierte, während die sieglose Koneru Achte wurde. Ebenfalls sieglos, gleichzeitig aber auch ungeschlagen ist Anna Muzychuk. Sie spielte gestern in der 9. Runde zum neunten Mal remis. Mit Schwarz hatte sie keine großen Probleme, die Partie gegen Divya Deshmukh ausgeglichen zu gestalten.

In this video course, GM Surya Ganguly joins IM Sagar Shah and drawing from his colossal experience, shares some uncommon endgame wisdom. The material mostly features positions with rook against rook and a pawn, and starts by covering the fundamentals.

Tabelle nach Runde 9:

Video mit den beiden Siegerinnen:

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Videobeispiel: Einführung
Videobeispiel: Grünfeld - Nebenvarianten

Partien:

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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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