Stunde der Sekundanten

von André Schulz
14.10.2026 – Der Weltmeisterschaftskampf Gukesh gegen Sindarov wirft seine Schatten voraus. Am 24.November geht es in Cologny bei Genf los. Wer sind diesmal die Männer hinter den Kombattanten? Sindarov wird unter anderem die Hilfe seines Landsmannes Abdusattorov in Anspruch nehmen können, wie Abdusattorov kürzlich verriet. | Foto: UzChess, Yoav Nis/FIDE

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 In diesem Jahr wird wieder eine Weltmeisterschaft ausgetragen. Vom 24. November bis 12. Dezember werden sich Titelverteidiger Gukesh Dommaraju (20, Indien)) und sein Herausfordere Javokhir Sindarov (21, Usbekistan) in einem Wettkampf über 14 Partien gegenübersitzen, um den neuen Weltmeister auszuspielen. Der Weltmeisterschaftskampf findet in Genf statt, genauer in Cologny, einem Vorort von Genf. Die Partien werden dort in der Stiftung Martin Bodmer gespielt werden. Die Börse beträgt 1,5 Mio. US-Dollar, die vom Softwareunternehmen Salesforce wurde als Hauptsponsor und von Timur Turlovs Freedom Holding als Co-Sponsor bereitgestellt werden.

Hinter jedem Weltmeister steht ein starkes Team

Die beiden jungen Spieler werden natürlich versuchen, ihr bestes Schach zu zeigen. Um das zu ermöglichen, arbeitet im Hintergrund ein Team von Helfern. Es ist die "Stunde der Sekundanten", wie Alexei Suetin einmal seine Arbeit für Tigran Petrosian beschrieb. 

Als Gukesh vor zwei Jahren zum WM-Kampf gegen Ding Liren antrat, durfte er sich der Unterstützung seines Landsmannes Viswanathan Anand erfreuen. Der Ex-Weltmeister hatte im Laufe seiner Karriere mehrere WM-Kämpfe bestritten konnte Gukesh an seinem Erfahrungsschatz beteiligen. Er weiß, wie wichtig ein gutes Sekundanten-Team für solch einen Wettkampf ist. Anand selber war an der konkreten Vorbereitung von Gukehs sicher nicht beteiligt, überwies aber einige seiner eigenen Helfer aus früheren Zeiten an seinen Nachfolger. So gehörten unter anderem Grzegorsz Gajevski und Radoslaw Wojtaszek zu Gukeshs Team. Gajevski war Anands Helfer in jüngerer Zeit. Woijtaszek half Anand bei einigen WM-Kämpfen. Die beiden Polen brachten zudem den spielstarken Jan-Krzystof Duda mit ins Team. Besonders in Deutschland machte die Beteiligung von Vincent Keymer die Runde. Keymer saß während des Matches zusammen mit Wojtaszek und Harikrishna in Spanien und unterstütze Gukesh aus der Ferne.

Remote Control

Der WM-Kampf zwischen Gukesh und Ding fand bekanntlich in Singapur statt und für eine erfolgreiche Sekundantenarbeit während des Matches ist es nicht ungünstig, wenn sich die Sekundanten, zumindest ein Teil, in einer ganz anderen Zeitzone befinden. Wenn die Partie läuft, gibt es nichts zu tun und die Helfer können schlafen gehen. Und wenn die Spieler selber nach der Partie schlafen, machen die Sekundanten in ihrer Zeitzone am Tage die Arbeit. 

Es ist ganz natürlich dass ein Spieler vor allem Landsleute als Sekundanten für sein Team anheuert. Beim legendären Wettkampf Spasski gegen Fischer beispielsweise waren die besten sowjetischen Spieler in Spasskis Team und einige Amerikaner in Fischers Team, auch wenn Fischer damals auf seine Leute in schachlicher Hinsicht überhaupt nicht gehört hat. 

Landsleute bevorzugt

So kommt die Nachricht nicht überraschend, dass Javokhir Sindarov unter anderem von Nodirbek Abdusattorov als Sekundant unterstützt werden wird. Das verriet Abdusattorov kürzlich in einem usbekischen Podcast. Heutzutage bleibt aber auch nichts unentdeckt. Sindarov selber hatte zuvor bereits verraten, dass er sich zudem mit seinem ständigen Trainer, dem Ukrainer Roman Vidonyak, auf das Match gegen Gukesh vorbereitet. Außerdem wird sicher noch Mukhiddin Madaminov in Sindarovs Team sein. Er half schon beim erfolgreichen Kandidatenturnier.

Bei Gukesh weiß man nur, dass Grzegorsz Gajewski wieder an Bord sein wird. Es wäre nicht überraschend, wenn noch einige andere aus Gukeshs Team von 2024 wieder dabei sind. 

Es gab in der Vergangenheit immer etwas Geheimniskrämerei um die Sekundanten, da man anhand der Namen Rückschlüsse auf die vorbereiteten Eröffnungen ziehen konnte. Vor dem WM-Kampf Anand gegen Kramnik in Bonn 2006 hatte Kramnik seine Sekundanten in einem Hotel irgendwo in Deutschland untergebracht und bereitete sich mit Ihnen dort vor. Durch Zufall sah jemand, der Anand nahe stand, die Gruppe beim Mittagessen und gab die Namen an Anand weiter. Bei der Eröffnungspressekonferenz in Bonn wurde Kramnik dann nach seinen Sekundanten gefragt. Kramnik nannte irgendwelche Namen, um eine Nebelbombe zu werfen. Anand saß neben ihm, hörte was Kramnik sagte und meinte dann, er sei überrascht von diesen Namen. Er hätte stattdessen folgende Leute erwartet: Und dann nannte Anand die richtigen Spieler.

Sindarov ist Favorit

Nach dem Gewinn des Weltmeistertitels ist Gukesh in ein Formtief gefallen. Im November 2024 lag sein Elo-Rating noch bei 2794. Zwei Jahre später sind es nur noch 2710. Der Weltmeister ist nur noch Nummer 28 in der Weltrangliste. Im Gegensatz dazu weist der Weg von Javokhir Sindarov nach oben. Mit Elo 2782 ist der Usbeke die Nummer vier in der Welt. Bei einem überzeugenden Sieg gegen Gukesh kann Sindarov vielleicht Caruana und Nakamura überholen und wäre dann hinter Carlsen die Nummer zwei. Den norwegischen Nicht-mehr-Weltmeister wird man wohl nicht mehr kassieren, bevor dieser seinen völlig Rücktritt irgendwann erklärt.

Nicht nur Nodirbek Absusattrov sieht sieht seinen Landmann als Favoriten in diesem WM-Match. Abdusattorov schätzt die Chancen als 80:20 ein. Von den drei direkten Begegnung im klassischen Schach konnte Sindarov zwei Partien gewinnen, eine Partie endete remis.

Doch wer weiß? Gukesh hat sich gegen Ding als sehr zäher Gegner erwiesen und die Wahrheit ist bekanntlich auf dem Brett.

In this Fritztrainer: "Attack like a Super GM" with Gukesh we touch upon all aspects of his play, with special emphasis on how you can become a better attacking player.


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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