Das ChessBase-Team macht sich von Hamburg aus auf den Weg nach Zypern, um die entscheidenden Schlussrunden des Kandidatenturniers zu verfolgen. Doch noch bevor der erste Zug gespielt ist, nimmt die Reise eine seltsame Wendung.
An der Gepäckausgabe am Flughafen von Pafos in Zypern wird die Wirklichkeit kurz unwirklich. Koffer kreisen endlos, Menschen schauen sich irritiert um – und mitten in diesem Durcheinander rückt plötzlich ein Tannenzapfen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Zugleich scheint ein Förderband ein Eigenleben entwickeln zu wollen und begeht auf fast absurd stille Art eine Reihe von Diebstählen … es verschluckt Gepäckstücke, gibt sie nicht wieder frei, als wolle es prüfen, wer würdig ist, Zypern zu betreten.
Schließlich entkommen wir dem Chaos der Ankunft und erreichen Cap St. Georges, wo das Kandidatenturnier gespielt wird – und auf einmal ändert sich alles. Der Lärm verstummt. Die Anspannung fällt ab.
Was uns erwartet, ist nicht nur ein Turnierort, sondern ein Fünf-Sterne-Resort, das beinahe unwirklich wirkt. Das Mittelmeer erstreckt sich bis zum Horizont, das Sonnenlicht wird golden, und für einen Moment vergisst man leicht, dass hier eines der nervenaufreibendsten Schachturniere des Jahres stattfindet. Die seltsame Wahrheit ist: Selbst diejenigen, die das Kandidatenturnier nicht gewinnen … haben hier bereits etwas gewonnen.
Wir gehen näher hinein ins Herz des Geschehens.
Im Medienzentrum herrscht reges Treiben. Stimmengewirr, Kameras, klappernde Tastaturen – Journalisten aus aller Welt jagen Geschichten, Reaktionen, Augenblicke. Jeder spürt es: Heute, am Tag von Runde 12, drei Runden vor Schluss, könnte ein entscheidender Tag sein.
Dann der Spielsaal. Überall Sicherheit. Jede technische Ausrüstung muss draußen bleiben. Hier zerbrechen Träume … oder werden Geschichte.
Am Ende des Tages läuft nur noch eine einzige Partie. Anish Giri kämpft gegen Wei Yi und sucht nach Wegen, eine Remisstellung zu gewinnen, um so wenigstens noch eine kleine Chance zu haben, Tabellenführer Javokhir Sindarov in den letzten zwei Runden doch noch einzuholen. Aber Wei Yi hält stand. Remis.
Mit diesem Ergebnis weicht die Spannung der Gewissheit. Javokhir Sindarov wird das Turnier gewinnen. Er kann nur noch theoretisch scheitern.