Kommt das Kandidatenturnier nach Deutschland?

von Johannes Fischer
20.03.2026 – Am 29. März soll das Kandidatenturnier 2026 in Zypern beginnen. Aber seit Beginn der militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran am 28. Februar 2026 gibt es Befürchtungen, dass Zypern zum Ziel iranischer Angriffe werden könnte, und Anfang März hat der Iran Militärbasen auf Zypern tatsächlich angegriffen. Jetzt hat der Unternehmer und Schach-Mäzen Wadim Rosenstein angeboten, das Kandidatenturnier 2026 kurzfristig nach Deutschland zu verlegen.

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In einer Nachricht auf X bot Rosenstein an, das Kandidatenturnier in Deutschland zu organisieren und alle organisatorischen und logistischen Kosten zu übernehmen. Hier die deutsche Übersetzung seines Tweets:

Liebe Schachfreunde, ich verfolge die aktuelle Situation in Zypern aufmerksam und sehe, dass sie zunehmend kritisch wird.

Da Humpy Koneru Berichten zufolge überlegt, ob sie am Kandidatenturnier teilnimmt, ist es umso wichtiger, sicherzustellen, dass alle Spieler und Spielerinnen in einem sicheren und stabilen Umfeld antreten können.

In diesem Zusammenhang haben wir die FIDE bereits darüber informiert, dass wir bereit sind, im Bedarfsfall Unterstützung zu liefern und kurzfristig eine Lösung anzubieten.

Sollte es nötig sein, können wir sofort handeln. Wir können das Kandidatenturnier in Deutschland ausrichten und dabei ein Höchstmaß an Sicherheit und Verlässlichkeit für alle Teilnehmer und Offiziellen gewährleisten.

Deutschland bietet Infrastruktur und Sicherheitsstandards von Weltniveau – Voraussetzungen, die für eine Veranstaltung dieser Bedeutung unerlässlich sind.

Sämtliche organisatorischen und logistischen Kosten würden vollständig von WR Chess übernommen, mit unserem vollen Engagement und in unserer Verantwortung.

Unsere Prioritäten sind klar: den Schutz der Spieler zu gewährleisten, die Integrität des Wettbewerbs zu wahren und sicherzustellen, dass das Turnier unter bestmöglichen Bedingungen stattfinden kann.

Der Unternehmer Rosenstein tritt seit einigen Jahren mit der von ihm gegründeten Organisation WR Chess als Schach-Mäzen auf. Vor kurzem gab er bekannt, dass er die Reise- und Unterkunftskosten für jeweils ein Toptalent aus jedem europäischen Verband für die Europameisterschaft 2026 übernehmen will.

Im Frühjahr 2023 hatte Rosenstein angekündigt, für das Amt des DSB-Präsidenten zu kandidieren, aber im April 2023 zog er die Kandidatur zurück. In Zusammenarbeit mit der FIDE organisiert und finanziert Rosenstein die FIDE World Rapid and Blitz Team Championship, in der Mannschaften aus Spitzenspielern mit Amateuren gegeneinander antreten.

Die erste dieser Meisterschaften fand 2023 in Düsseldorf statt und Rosensteins Team WR Chess gewann dieses Debüt. Für das Spitzenbrett hatte Rosenstein Ian Nepomniachtchi verpflichtet, Vincent Keymer spielte an Brett acht. An den zwei Frauenbrettern kamen Hou Yifan und Alexandra Kosteniuk zum Einsatz, Rosenstein selber spielte am Amateurbrett.

Auch in der Bundesliga war Rosenstein aktiv. Er unterstützte den Düsseldorfer SK, der mit seiner Hilfe in der Saison 2024/25 Meister wurde. In der letzten Runde der Saison, als Düsseldorf den Titel bereits sicher hatte, spielte Rosenstein gegen den SV Deggendorf sogar selber mit, aber verlor an Brett 8 gegen IM Lukas Winterberg. Nach dem Titelgewinn seiner Mannschaft zog sich Rosenstein als Sponsor zurück.

Ob Rosensteins Initiative, das Kandidatenturnier nach Deutschland zu verlegen, Erfolg haben wird, ist unklar. In einem Interview mit ChessBase India erklärte FIDE-CEO Emil Sutovsky, dass Zypern als Austragungsort sicher sei und das Kandidatenturnier dort wie geplant stattfinden wird.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kandidatenturniers sind nicht alle so überzeugt. So hat Humpy Koneru erklärt, dass sie überlegt, nicht zu spielen, wenn in Zypern gespielt wird. Wenn weitere Spielerinnen und Spieler ähnliche Bedenken äußern, könnte das Kandidatenturnier tatsächlich verlegt werden.

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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