05.11.2024 – Mit einer Elo-Zahl von 2429 war die 61-jährige schwedische Großmeisterin Pia Cramling Favoritin im "Battle of Generations" Match gegen den 28-jährigen Levy "Gotham Chess" Rozman, der zu Beginn des Wettkampfs auf eine Elo-Zahl von 2347 kam. Aber nach 4 klassischen, 6 Schnell- und 12 Blitzpartien lag Rozman mit 21-15 vorne und hatte den prestigeträchtigen und unterhaltsamen Wettkampf für sich entschieden. Rozman dominierte vor allem im Blitz- und Schnellschach. | Image: chess.com
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Ein Fehler im Turmendspiel
Mit einem Sieg in der ersten klassischen Partie war Cramling gut in den Wettkampf gestartet. Dann folgten zwei Remis, mit denen Rozman allmählich zu seinem Rhythmus fand. In der vierten klassischen Partie stand er lange Zeit besser, aber verdarb die Stellung dann zu einem bekannten theoretischen Remis im Turmendspiel. Doch dann wurde Cramling mit nur noch wenig Zeit auf der Uhr zusehend nervös und überschritt in Remisstellung die Bedenkzeit.
Damit stand es nach den 4 klassischen Partien 6-6 Unentschieden, da jede Partie mit klassischer Bedenkzeit mit 4 Punkten gewertet wurde. In den 6 Schnellpartien gab es 2 Punkte pro Partie und in den 12 Blitzpartien 1 Punkt pro Partie. So ging es in allen drei Formaten jeweils um 12 Punkte.
Die Schnellpartien
Der glückliche Sieg in der letzten klassischen Partie gab "Gotham Chess" Aufwind im Schnellschach und nach zwei Remis zum Auftakt erzielte er drei Siege in Folge und ging im Wettkampf klar in Führung. Als besonders gelungen bezeichnete Rozman im Anschluss die vierte Schnellschach-Partie:
Doch Cramling gab nicht auf und kam in der 6. und letzten Schnellpartie zu einem überzeugenden Sieg und verkürzte den Vorsprung noch einmal. Allerdings lag Rozman nach den Schnellpartien mit 14-10 in Führung und konnte den Blitzpartien mit diesem komfortablen Vorsprung von 4 Punkten mit Ruhe entgegensehen.
Die Blitzpartien
Tatsächlich konnte Cramling das Ruder beim Blitzen nicht mehr herumreißen und auch hier hatte Rozman mit 7-5 die Nase vorne. Damit gewann der amerikanische Streamer den prestigeträchtigen und unterhaltsamen Wettkampf am Ende mit 21-15, was ihm ein Preisgeld von $6.000 bescherte. Cramling erhielt immerhin noch $4.000. Aber vor allem dürfte der Wettkampf und sein Verlauf Rozman Selbstvertrauen auf seinem "Weg zum Großmeister" gegeben haben.
Anfang des Jahres hatte Rozman öffentlich erklärt, dass er nach einer längerem Pause vom Turnierschach versuchen würde, Großmeister zu werden. Ein ehrgeiziges Ziel, denn für den Titel braucht er drei GM-Normen und eine Elo-Zahl von 2500 oder mehr. Diese Ankündigung entfachte unter anderem eine Debatte darüber, ob es überhaupt möglich sei, mit 28 noch Großmeister zu werden, und brachte Rozman außerdem jede Menge Spott und Häme ein, wenn er in einer seiner Partien nicht unbedingt großmeisterlich gespielt hat.
Dennoch hat Rozman auf seinem "Gotham Chess" Kanal bislang alle seine Partien auf dem "Weg zum Großmeister" öffentlich gemacht und öffentlich kommentiert. Auch beim Wettkampf gegen Cramling ließ er das Geschehen des Tages gleich im Anschluss in einem Stream Revue passieren - eine bemerkenswerte Leistung nach einem anstrengenden Tagesprogramm von 6 Schnell- oder 12 Blitzpartien.
Hier sind Rozmans Kommentare zu seinem Sieg in der 4. klassischen Partie, den Schnellschach- und den Blitzpartien.
Johannes FischerJohannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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