Zwischen dem 7. und 12. April versammelt das V. Open Chess Menorca 2026 mehr als 500 Teilnehmer und kombiniert ein klassisches Open mit einem hochkarätig besetzten Invitational-Masters. Letzteres ist ein zehnrundiges Doppelrundenturnier mit Weltmeister Gukesh Dommaraju als Aushängeschild und den Spielern Nihal Sarin, Leinier Domínguez, Richard Rapport, Pentala Harikrishna und Ruslan Ponomariov. Das starke Feld misst sich im Schnellschach (30+10) mit ein bis zwei Partien täglich.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht natürlich Gukesh selbst. Nach seinem historischen Titelgewinn 2024 hat der indische Großmeister 2026 einen deutlichen Formeinbruch erlebt. Ergebnisse wie ein geteilter letzter Platz beim Prague Masters, mehrere Niederlagen bei Tata Steel sowie ein signifikanter Elo-Verlust markieren eine schwierige Phase in der Karriere des erst 19-jährigen Inders. Bemerkenswert sind dabei nicht nur die Ergebnisse, sondern oft auch die Qualität der Fehler: Wiederkehrende Zeitmanagementprobleme und taktische Fehlgriffe aus eigentlich stabilen Stellungen deuten auf psychische Überlastung hin.

Nihal Sarin verlor hier mit Schwarz gegen Leinier Dominguez Perez. Ansonsten holte der indische GM aber 3,5 aus 4 und liegt nach 5 Runden einen Punkt vor Ruslan Ponomariov und Gukesh Dommaraju. | Foto: Saji Mathew
Vor diesem Hintergrund ist Gukeshs Teilnahme am Menorca Masters schwer einzuschätzen: Einerseits ist das Turnier ein Wechsel ins Schnellschach, das nicht gerade zu seinen Spezialdisziplinen gehört, aber im Titelkampf in eventuellen Stichkämpfen eine große Bedeutung haben könnte. Andererseits ist er wohl auf der Suche nach Formstabilisierung unter Wettkampfbedingungen. Dass er nach drei Runden im unteren Tabellenbereich rangierte und nach den Punkteteilungen gegen Dominguez und Ponomariov eine klare Niederlage gegen Nihal Sarin hinnehmen musste, unterstreicht jedoch die geschilderten Probleme. Immerhin aber kann er nach dem Sieg gegen Harikrishna und dem Schwarzremis gegen Rapport mit 50 Prozent in die zweite Turnierhälfte gehen.
Tabelle nach 5 Runden:
Partien:
Parallel zu seiner Teilnahme am Turnier auf Menorca hat Gukesh Konsequenzen verkündet: Er reduziert seinen Turnierkalender signifikant und verzichtet auf sein exklusives Startrecht bei der Grand Chess Tour 2026, um Trainingsphasen zu priorisieren. Das heißt aber nicht, dass er überhaupt nicht an der Turnierserie teilnimmt. Er wird im Juni als Wildcard-Spieler an den Schnellschach- und Blitzschachturnieren in Warschau und Zagreb teilnehmen.

Die Grand Chess Tour gab Gukeshs Entscheidung auf X bekannt.
Gukesh (Foto: Saji Matthew) begründet den Schritt indirekt mit seiner „enttäuschenden“ Form: „Meine Leistungen bei den letzten Wettkämpfen waren ziemlich enttäuschend, nicht nur für mich, sondern auch für alle, die mich unterstützen. Um wieder zu meiner Bestform zu finden, haben mein Team und ich beschlossen, dass ich in den nächsten Monaten etwas weniger intensiv antreten werde.“. Er will in der ihm verbleibenden Zeit bis zum WM-Finale den Fokus absolut auf die Titelverteidigung setzen. Laut GCT verkündete Gukesh, dass er ansonsten in den kommenden Monaten weitgehend auf Wettkämpfe außerhalb seiner Heimat verzichten wird.
Sindarov profitiert
Die Absage des Weltmeisters ist natürlich ein schwerer Schlag für die Organisatoren der GCT. Doch sie haben bereits einen prominenten Ersatz in Aussicht: Javokhir Sindarov (Foto: Michal Walusza / Fide), der gleichzeitig das Kandidatenturnier dominiert, nimmt den Platz von Gukesh in der GCT ein. Vielleicht treffen sich die beiden ja noch, um auch den künftigen Weltmeistertitel auszuspielen – nach zehn Runden im Kandidatenturnier sieht es ganz danach aus ...
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