Gukesh Dommaraju, der im vorletzten Jahr gekrönte jüngste Weltmeister im Schach, schildert im Interview mit der Times of India, wie sich seine Perspektive seit seinem Titelgewinn verändert hat: Anders als früher empfindet er heute „jeden Wettkampf wie eine Weltmeisterschaft“, da die Erwartungen an ihn enorm gestiegen seien und selbst gewöhnliche Partien einer intensiven Analyse unterzogen würden.
Der Titelgewinn sei für ihn nicht der Endpunkt, sondern vielmehr ein Ausgangspunkt für weitere Entwicklung gewesen: „Erfolge lehren dich viel, aber Verluste lehren dich mehr“, erklärt Gukesh und unterstreicht damit, dass Niederlagen – im Gegensatz zu bloßen Siegen – unverzichtbare Wachstumschancen bieten.

Gukesh mit dem Weltmeisterpokal. | Foto: FIDE/Eng Chin An
Im Gespräch betont er, wie wichtig mentale Anpassung und Experimentierfreude für seine Vorbereitung geworden sind: Nach dem Weltmeisterschaftserfolg habe er bewusst unterschiedliche Formate gespielt, um seinen Stil zu verfeinern und neue Facetten seines Spiels zu entdecken. Dabei sei ihm klar geworden, dass sein weiterer Weg kein Selbstläufer ist und ständiges Lernen unabdingbar bleibt. In diesem Kontext sagt er auch, dass die größten Erwartungen heute nicht von außen, sondern aus ihm selbst kämen – „ich setze mir hohe Standards, und das bedeutet, dass jeder einzelne Fehler eine Gelegenheit ist, mich zu verbessern“.
Gukesh beschreibt zudem, dass der mentale Druck, der mit dem Titel einhergeht, eine neue Dimension angenommen hat: Während früher Erfolge gefeiert wurden, stehe heute die Fähigkeit im Vordergrund, mit Rückschlägen konstruktiv umzugehen und daraus eine stärkere Spielstrategie abzuleiten. Er erklärt, dass der mentale Aspekt zunehmend wichtiger werde und dass der Umgang mit Frustration und Erwartungen ein Schlüssel zur weiteren Konsolidierung seiner Position an der Weltspitze sei.