Bei Erwähnung des Wettkampfes Kasparov gegen Deep Blue denken die meisten an den Wettkampf, der unter großer Anteilnahme der Weltöffentlichkeit 1997 in New York stattfand. Sechs Partien wurden zwischen dem IBM-Großrechner, eigens fürs Schach entwickelt, und dem amtierenden Weltmeister gespielt. Beim Stand von 2,5:2,5 vor der letzten Partie wählte Kasparov eine Variante in der Caro-Kann-Verteidigung, die als extrem ungünstig galt, und verlor das Match. Hinterher hat sich Kasparov über viele Dinge beklagt und unter anderem behauptet, Menschen hätten während der Partien in das Programm eingegriffen, denn einige Züge seien für einen Computer sehr ungewöhnlich gewesen. Über diesen Wettkampf wurde viel berichtet, und er fand auch in Dokumentarfilmen und einer Miniserie seinen filmischen Niederschlag.
Ein Jahr vor diesem Wettkampf hatte es aber schon ein Match zwischen dem IBM-Rechner Deep Blue und Kasparov gegeben, das ebenfalls einiges Aufsehen erregt hatte. Der erste Wettkampf zwischen Deep Blue und Kasparov fand vom 10. bis 16. Februar 1996 in Philadelphia statt. Austragungsort war dort das Pennsylvania Convention Center. Gespielt wurden sechs Partien mit klassischer Turnierbedenkzeit. Kasparov saß in einem Raum einem Betreuer aus dem Deep-Blue-Team gegenüber. Dieser führte die Züge von Deep Blue am Brett aus, die ihm auf einem Bildschirm angezeigt wurden.
Die psychische Situation war für Kasparov ungewohnt und schwierig. Normalerweise beeindruckte Kasparov seine Gegner mit seiner physischen Präsenz. Hier ging seine Körpersprache völlig ins Leere. Er konnte auch nicht am Gesicht des Gegners ablesen, wie dieser sich fühle.

Das IBM-Team
Das IBM-Team durfte während der Partien nicht in den Denkprozess des Rechners eingreifen. Optimierungen des Programms zwischen den Partien waren indes erlaubt.
Technisch war das Deep-Blue-Programm damals noch weit von modernen Programmen entfernt. Während heutige Programme mithilfe ausgefeilter Methoden sehr schnell die aussichtsreichen Zugfolgen tief berechnen können, arbeitete Deep Blue damals noch sehr stark auf Basis der Brute-Force-Methode, d. h., er berechnete sehr viele Möglichkeiten, darunter aber auch sehr viele, die überhaupt keinen Vorteil einbrachten. Die maximale Suchtiefe war dadurch begrenzt.
Kasparov hatte sich deshalb für die Partien eine besondere Anti-Computer-Strategie überlegt. Er versuchte, Stellungen herbeizuführen, die langfristige Erfolge versprachen, vorteilhafte Stellungen, die der Computer nicht berechnen konnte, weil sie jenseits seines Suchhorizonts lagen. Das funktionierte am Ende, denn Kasparov gewann den Vergleich mit 4:2. Allerdings begann der menschliche Weltmeister mit einer Niederlage, und das war eine Sensation.
Zum ersten Mal hatte nämlich ein Computer den menschlichen Weltmeister in einer Partie unter Turnierbedingungen im Schach besiegt. Das geschah am 10. Februar 1996, heute vor 30 Jahren, und leitete eine neue Ära ein. Radio Bremen und Deutschlandfunk gedachten dieses Ereignisses mit Audiobeiträgen.

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