Geschichte der Kandidatenturniere: Von Budapest (1950) bis Zypern (2026)

von ChessBase
06.02.2026 – Die FIDE blickt auf die Geschichte der Kandidatenturniere zurück: elektrisierende Turniere bei denen sich entscheidet, wer das Recht erhält, um den Weltmeistertitel zu kämpfen. 1950 ersetzte diese Turnierfor die früheren informellen Vereinbarungen. Die Kandidatenturniere haben sich im Laufe der Zeit durch verschiedene Formate und Epochen weiterentwickelt. Von Budapest bis zu den jüngsten Ausgaben in anderen Städten ist das Turnier die entscheidende Etappe auf dem Weg zum Weltmeisterschaftskampf. Zypern wird im Frühjahr das nächste Kapitel schreiben, indem es die Kandidatenturniere 2026 ausrichtet. | Bild: FIDE

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Pressemitteilung der FIDE

Das Kandidatenturnier ist die letzte Hürde, die ein Spieler überwältigen muss, um den Schachweltmeister herauszufordern. Es hat eine lange Geschichte, die bis ins Jahr 1950 reicht. Die erste Veranstaltung dieser Art entstand als Reaktion auf den Wunsch nach einem systematischen Verfahren zur Ermittlung eines Herausforderers für die Weltmeisterschaft. Vor 1950 mussten sich die Anwärter durch einen Dschungel von Verhandlungen mit dem Titelverteidiger kämpfen. Die potenziellen Herausforderer mussten die Finanzierung sichern und den Kampf organisieren – ein Prozess, dem es an Struktur und Einheitlichkeit mangelte.

Der Wendepunkt kam 1950, als Budapest das erste Kandidatenturnier ausrichtete: ein doppelrundiges Turnier mit zehn Spielern zur Ermittlung des Herausforderers für den damaligen Weltmeister Michail Botvinnik. Diese in Budapest begründete Tradition wurde bis 1993 beinahe alle drei Jahre fortgeführt, wobei sich Turniere und Matches abwechselten. Anfang der 1990er-Jahre kam es jedoch aufgrund der Spaltung in eine Schachwelt mit zwei Verbänden und zwei Weltmeistern zu einer Unterbrechung.

Im Zuge der Wiedervereinigung zu einem Verband erlebte das Kandidatenturnier 2007 eine Renaissance. Zunächst aber startete man mit Zweikämpfen. In der jüngeren Vergangenheit fanden dann wieder bedeutende Kandidatenturniere in London (2013), Chanty-Mansijsk (2014), Moskau (2016), Berlin (2018), Jekaterinburg (2020–2021), Madrid (2022) und Toronto (2024) statt, die allesamt in die Geschichte der Schachweltmeisterschaft eingingen. Zypern schreibt nun das nächste Kapitel dieser traditionsreichen Geschichte.

Premiere in Budapest (1950)

FIDE Candidates Chess Tournaments

Das erste Kandidatenturnier fand vom 11. April bis 18. Mai 1950 in Budapest statt. Die zehn Teilnehmer Bronstein, Boleslavsky, Smyslov, Keres, Najdorf, Kotov, Stahlberg, Lilienthal, Szabo und Flohr traten in einem doppelrundigen Turnier gegeneinander an. Das Turnier in Budapest war das einzige Kandidatenturnier, das trotz Gleichstands auf dem ersten Platz ohne Stichkampf endete.

Doch Bronstein und Boleslavsky mussten im Sommer 1950 in Moskau ein Entscheidungsmatch austragen. Es endete unentschieden. Bronstein gewann anschließend gleich die erste und somit entscheidende Stichkampfpartie. Damit war er der offizielle Herausforderer. Der WM-Wettkampf gegen Botwinnik endete ebenfalls unentschieden. Der Weltmeister behielt seinen Titel, da ein Gleichstand damals gleichbedeutend mit der Titelverteidigung war.

Das denkwürdige zweite Kandidatenturnier (1953)

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Das zweite Kandidatenturnier gilt dank der bis heute anhaltenden Beliebtheit der hervorragenden Turnierbücher der Teilnehmer David Bronstein und Miguel Najdorf als eines der berühmtesten Schachturniere aller Zeiten. Es war ein Großereignis – ein doppelrundiges Turnier mit 15 Teilnehmern, womit jeder Spieler 28 Partien bestritt.

Die herausragende Teilnehmerliste trug zum reichen Schacherbe dieses Turniers bei: Smyslov, Bronstein, Keres, Reshevsky, Petrosian, Geller, Najdorf, Kotov, Taimanov, Averbakh, Boleslavsky, Szabo, Gligoric, Euwe, Stahlberg (in der Reihenfolge ihrer Platzierung). Der klare Sieger, Vassily Smyslov, spielte in seiner ersten Partie gegen Botvinnik remis, der somit seinen Titel verteidigte.

Amsterdam 1956 und der Erfolg von Vassily Smyslov

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Foto: GaHetNa (Nationaal Archief Netherlands)

Das Kandidatenturnier 1956 in Amsterdam unterstrich den bemerkenswerten Erfolg von Vassily Smyslov, der zum zweiten Mal in Folge den Titel errang. Mit 1,5 Punkten Vorsprung vor den zehn Teilnehmern verlor er nur eine Partie – gegen den 19-jährigen Debütanten Boris Spassky. In seiner besten Form besiegte Smyslov im folgenden Jahr Botvinnik im Kampf um den Weltmeistertitel mit 12,5:9,5 und wurde der siebte Schachweltmeister.

Jugoslawien 1959 – Eine Schachodyssee

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Nach seinem 12,5:10,5-Sieg im Revanchekampf gegen Smyslov 1958 war Botvinnik erneut Weltmeister und wartete auf einen neuen Herausforderer. 1959 richtete Jugoslawien das Kandidatenturnier aus, an dem acht Teilnehmer teilnahmen. In einem Rundenturnier, bei dem jeder Spieler viermal gegen jeden Gegner antrat, wurden insgesamt 28 Partien gespielt. Das Turnier fand in drei jugoslawischen Städten statt: Die erste Hälfte wurde in Bled, die zweite in Zagreb und die dritte in Belgrad ausgetragen. Trotz der desaströsen Niederlage gegen Keres (1:3) fegte der junge, 22-jährige Debütant Michail Tal durch das restliche Teilnehmerfeld: Petrosjan, Smyslov, Gligorić, der andere bemerkenswerte Neuling, der 16-jährige Fischer, Olafsson und Benko. Ein halbes Jahr später entriss der „Magier aus Riga“ Botvinnik den Titel und besiegte den sowjetischen Schachpatriarchen mit 12,5:8,5.

Curaçao 1962 – Karibische Herausforderung

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Und wieder war Michail Botvinnik Weltmeister. Wie Smyslov hielt auch Tal den Titel nur ein Jahr lang, bevor er ihn an den Patriarchen zurückgab, der das Revanchematch mit 13:8 gewann. Der nächste Herausforderer für den zähen und stets einfallsreichen, aber in die Jahre gekommenen 50-jährigen Botvinnik sollte in der Karibik ermittelt werden. Erneut wurde es als Rundenturnier mit vier Durchgängen ausgetragen. Das Durchhaltevermögen von acht Spielern wurde auf die Probe gestellt: Petrosjan, Geller, Keres, Fischer, Kortschnoi, Benko, Tal und Filip sollten zwei Monate auf der tropischen Insel verbringen.

Tals sich verschlechternder Gesundheitszustand führte zu seinem Ausstieg aus dem Turnier nach 21 Runden. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges richteten sich alle Augen auf die Leistung des 19-jährigen Bobby Fischer. Aber er war noch nicht bereit, sich der sowjetischen Schachmaschine entgegenzustellen, insbesondere da deren Spieler den Vorteil hatten, untereinander Kurzremisen zu vereinbaren. Tigran Petrosjan gewann das Turnier ohne eine einzige Niederlage. Nach seinem 12,5:9,5-Sieg gegen Botvinnik wurde er der neunte Weltmeister.

1965 bis 1968 – Die Ära der Matches

Die Kandidatenkämpfe von 1965 und 1968 markierten die Blütezeit von Boris Spassky, der beide K.-o.-Turniere gewann (1965 gegen Keres, Geller und Tal, 1968 gegen Geller, Larsen und Korchnoi). Im ersten WM-Finalmatch verteidigte Tigran Petrosjan seinen Titel mit einem Punkt Vorsprung (12½:11½), doch im zweiten Aufeinandertreffen drei Jahre später unterlag er seinem jüngeren Gegner (Spassky war acht Jahre jünger) mit 12½:10½.

1971 – Fischers Dominanz

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Der nächste Zyklus schrieb Schachgeschichte. Er wurde dominiert von Robert „Bobby“ Fischers Siegesserie, die im berühmten Duell zwischen Spassky und Fischer 1972 in Reykjavík, dem sogenannten „Match des Jahrhunderts“, gipfelte. Fischers bemerkenswerte Siege in den Kandidatenkämpfen – gegen Taimanov (6:0), Larsen (6:0) und Petrosian (6,5:2,5) – ebneten ihm den Weg zum Weltmeisterschaftskampf. Dort entthronte er Spassky mit 12,5:8,5 und wurde der 11. Schachweltmeister.

1977 bis 1984 – Anatoly Karpovs Ära

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Im Jahrzehnt nach dem Jahrhundertmatch gewann Anatoly Karpov immer mehr an Fahrt und avancierte zum Star der Schachwelt. Er gewann die Kandidatenkämpfe 1974 und wurde nach Fischers Rückzug der zwölfte Weltmeister. Seine historischen Duelle mit Viktor Korchnoi, dem Gewinner der Kandidatenkämpfe 1977/78 und 1980, und später mit Garry Kasparov, dem Gewinner der Kandidatenkämpfe 1983/84, zählen zu den spannendsten Kapiteln der Schachgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Chaos und Stabilität – Turnier und Matches 1985 bis 1987

Auch die zweite Hälfte der 1980er-Jahre war eine aufregende Zeit für die Schachwelt: ein berühmter und quasi unbegrenzter Wettkampf zwischen Karpov und Kasparov in Moskau 1984/85, dessen Unterbrechung, die Wiederholungsauflage über 24 Partien 1985, in der Garry Kasparov zum 13. Weltmeister wurde, gefolgt von der Revanche 1986.

Diese Wettkampfserie brachte das etablierte System der Schachweltmeisterschaft ins Wanken. Infolgedessen wurde die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1987 nach einem neuen System ausgetragen, was Karpov deutliche Vorteile verschaffte: Sechzehn Spieler traten 1985 in Montpellier zunächst in einem Rundenturnier gegeneinander an, aus dem sich die vier Besten – Jussupov, Vaganian, Sokolob und Timman – für die K.-o.-Phase qualifizierten. 1986 spielten sie mit Andrei Sokolov einen Sieger aus, der gegen den direkt gesetzten Anatoli Karpov antreten durfte. Karpov wurde Herausforderer und verpasste den Rückgewinn des Weltmeistertitels 1987 in Sevilla nur um Haaresbreite. Kasparov musste die 24. Partie gewinnen, um auszugleichen und damit seinen Titel zu verteidigten – dies gelang ihm.

1988 bis 1989 – Rückkehr zu den Matches

Im nächsten Zyklus wurde die Kandidatenphase wieder in Matchform ausgetragen. Diesmal jedoch mit 14 Spielern, zu denen Karpov im Viertelfinale stieß. Er gewann das Turnier erneut und bestritt 1990 in New York und Lyon seinen fünften Wettkampf gegen Kasparov, den er mit 11,5:12,5 verlor.

1991 – Trennung

Die Kandidatenkämpfe von 1991 behielten das Format von 1988 bei – die Hälfte der 14 Spieler schied aus, bevor Karpov ins Viertelfinale einzog. Im Finale 1993 besiegte Nigel Short Jan Timman. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Organisation des Weltmeisterschaftskampfes wichen der amtierende Weltmeister Garry Kasparov und Herausforderer Nigel Short von den FIDE-Vorgaben ab. Sie spielten ihren Kampf unter der Schirmherrschaft der neu gegründeten Professional Chess Association (PCA).

Als Reaktion darauf entzog die FIDE Kasparov seinen Titel, strich Kasparov und Short vorübergehend aus der FIDE-Weltrangliste und setzte einen Wettkampf zwischen Anatoly Karpov und dem Kandidatenfinalisten Jan Timman an. Kasparov besiegte Short und Karpov gewann gegen Timman. Es kam zu einer Spaltung der Schachwelt, die erst 13 Jahre später, im Jahr 2006, mit dem Wiedervereinigungskampf zwischen Vladimir Kramnik und dem FIDE-Weltmeister von 2005, Veselin Topalov, beigelegt wurde.

In den Jahren der Spaltung veranstaltete die FIDE fünf K.-o.-Weltmeisterschaften. Die Kandidatenmeisterschaften wurden ausgesetzt.

2007 – Wiedervereinigung

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Nach der Wiedervereinigung wurden der FIDE-Weltcup im K.-o.-System und die FIDE-Grand-Prix-Serie als Qualifikationswege für die Kandidatenturniere eingeführt. 2007 fand die Weltmeisterschaft als doppelrundiges Turnier mit acht Spielern in Mexiko-Stadt statt. Die drei Monate zuvor ausgetragenen Kandidatenkämpfe ermittelten vier der acht Teilnehmer: Levon Aronian, Boris Gelfand, Alexander Grischuk und Peter Leko.

Zu ihnen gesellten sich die direkt für das Kandidatenturnier gesetzten Spieler: Viswanathan Anand, Peter Svidler, Alexander Morozevich (sie hatten 2005 in San Luis die Plätze 2 bis 4 belegt, als Veselin Topalov FIDE-Weltmeister wurde) und der Sieger des Wiedervereinigungskampfes, Vladimir Kramnik. „Der Tiger von Madras“, Vishy Anand, triumphierte mit 9 von 14 möglichen Punkten und wurde Weltmeister. Ein Jahr später verteidigte er seinen Titel im Revanchekampf gegen Kramnik.

2009 – Topalovs großer Moment

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Im nächsten Zyklus gab es nur ein Kandidatenmatch zwischen dem K.-o.-Sieger des Weltcups 2007, Gata Kamsky, und dem FIDE-Weltmeister von 2005, Veselin Topalov, der für das Verpassen der Weltmeisterschaft 2007 entschädigt wurde.

Topalov gewann 4½:2½ und wurde Herausforderer. Der Weltmeisterschaftskampf zwischen Anand und Topalov fand 2010 in Sofia statt. Anand gewann das letzte Spiel und damit den Wettkampf mit 6½:5½, wodurch er seinen Titel verteidigte.

2011 – Boris Gelfand ganz oben

Nach Jahren der Unordnung stabilisierte sich der Weltmeisterschaftszyklus wieder. 2011 fanden die Kandidatenkämpfe mit acht Spielern im russischen Kasan statt. Levon Aronian und Teimour Rajdabov qualifizierten sich über den FIDE Grand Prix, Magnus Carlsen (ersetzt durch Alexander Grischuk) und Vladimir Kramnik aufgrund ihrer Elo-Zahl, Boris Gelfand als Weltcupsieger und Shakhriyar Mamedyarov erhielt eine Wildcard. Zu ihnen gesellten sich Gata Kamsky (Finalist des Herausfordererkampfs 2009) und Veselin Topalov (Finalist der Weltmeisterschaft 2010).

Der 42-jährige Boris Gelfand besiegte Mamedyarov mit 2½:1½, Kamsky im Blitz-Playoff und Grischuk im Finale mit 3½:2½ und wurde damit zum ersten Mal in seiner Karriere Herausforderer. Der Wettkampf gegen Titelverteidiger Anand endete 6:6. Doch Gelfand verlor den Schnellschach-Tiebreak mit 2½:1½.

London 2013 – Rückkehr des Turnierformats

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51 Jahre nach Curaçao kehrte das Kandidatenturnier zurück. Acht Spieler versammelten sich in London, um in die Fußstapfen von Spassky, Tal und Fischer zu treten, wenn auch im verkürzten doppelrundigen Format – in die immer schnelllebigere Welt passten die gigantischen Turniere der Vergangenheit nicht mehr.

Die Teilnehmerliste – kaum eine Überraschung bei einem Turnier dieses Kalibers – wartete mit großen Namen auf: Peter Svidler, Alexander Grischuk, Vassily Ivanchuk, Boris Gelfand, Magnus Carlsen, Levon Aronian, Vladimir Kramnik und Teimour Radjabov.

Das Turnier ging dank eines ungewöhnlichen und dramatischen Finales in die Geschichte ein. Beide Führende, Magnus Carlsen und Vladimir Kramnik, verloren ihre Partien der letzten Runde, und der 22-jährige Norweger ging aufgrund der höheren Anzahl an Siegen, dem zweiten Kriterium der Feinwertung, als Sieger hervor. Im November desselben Jahres benötigte Magnus Carlsen nur zehn Partien, um den Wettkampf gegen Viswanathan Anand in Chennai zu gewinnen und Weltmeister zu werden.

Chanty-Mansijsk 2014 – Die Rückkehr von Viswanathan Anand

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Indiens erster Großmeister, Viswanathan Anand, der als einziger Spieler die FIDE-Weltmeisterschaft in drei verschiedenen Formaten (K.-o.-System, Turnier und Match) gewann, hatte seinen Titel nur drei Monate zuvor verloren. „Ehemalige Spieler und die Medien hatten mir zu Beginn des Turniers schlechte Chancen eingeräumt“, schrieb Anand in seiner 2019 erschienenen Autobiografie „Mind Master“. „Ich hatte sogar mit dem letzten Platz gerechnet und mir schon überlegt, wie ich mich weniger elend fühlen könnte. Und nun stand ich hier und blickte auf den nächsten Weltmeisterschaftskampf in sieben Monaten.“

Der legendäre Champion gewann drei Partien – gegen Levon Aronian, gegen Shakhriyar Mamedyarov und, die schönste von allen, gegen Veselin Topalov – und Anand spielte jeweils beide Partien gegen Sergey Karjakin, Vladimir Kramnik, Dmitry Andreikin und Peter Svidler remis. Er gewann das Turner mit 8½ von 14 Punkten und blieb ungeschlagen.

Der Weltmeisterschaftskampf, der im Grunde ein Rückkampf gegen Carlsen war, fand ebenfalls in Russland statt, allerdings in einer deutlich wärmeren Stadt – in Sotschi. Carlsen verteidigte seinen Titel mit 6½:4½ Punkten.

Moskau 2016 – Das Bestreben, die Krone nach Russland zurückzuholen

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Foto: World Chess

Das Kandidatenturnier 2016, das im Herzen der russischen Hauptstadt stattfand, brachte Veselin Topalov, Vishy Anand, Levon Aronian, Sergey Karjakin, Peter Svidler, Fabiano Caruana, Hikaru Nakamura und Anish Giri zusammen – für die letzten drei war es ihr Debüt bei einem Kandidatenturnier.

Karjakin ging als klarer Sieger hervor. Er verlor nur eine Partie gegen Anand und gewann vier. Den Titel machte er mit einem Sieg in der letzten Runde gegen Caruana perfekt. Ein halbes Jahr später, in New York, unternahm Karjakins Team einen vielbeachteten Versuch, „die Krone nach Russland zurückzuholen“. Doch obwohl Karjakin den ersten Punkt erzielte, kämpfte sich Carlsen zurück, hielt stand und gewann den Schnellschach-Tiebreak.

Berlin 2018 – Eine neue amerikanische Hoffnung

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Foto: World Chess

Nach den Schnell- und Blitzschachweltmeisterschaften, die drei Jahre zuvor in Berlin stattgefunden hatten, kehrten die besten Spieler mit dem wichtigsten Turnier des Jahres in die deutsche Hauptstadt zurück. Diesmal nahmen Sergey Karjakin, Levon Aronian, Ding Liren, Shakhriyar Mamedyarov, Alexander Grischuk, Fabiano Caruana, Wesley So und Vladimir Kramnik teil. Nur Ding und So hatten keine vorherige Kandidatenturniererfahrung. Für Kramnik war es sein viertes und – wie sich herausstellen sollte – letztes Kandidatenturnier, da er ein Jahr später seinen Rücktritt vom klassischen Schach bekannt gab.

Einer der anfänglichen Favoriten, der 25-jährige Fabiano Caruana, startete mit Siegen in der ersten und vierten Runde. Er konnte sich gegen Ende des Turniers von seinen Verfolgern absetzen und sicherte sich seinen Erfolg mit einem Sieg in der letzten Runde. Dieser Erfolg gab den USA neue Hoffnung, dass sie nach Bobby Fischer wieder einen Weltmeister stellen würden.

In Berlin gewann Caruana 20 Ratingpunkte und kletterte auf den zweiten Platz der Weltrangliste – diese Position hielt er von Mai 2018 bis Oktober 2021, bevor er sie Anfang 2024 erneut eroberte!

Der anschließende Weltmeisterschaftskampf in London war einer der knappsten in der Geschichte: Alle zwölf klassischen Partien endeten remis, bevor Carlsen sich den Titel im Schnellschach-Tiebreak sicherte.

Jekaterinburg 2021 – Das pandemieunterbrochene Kandidatenturnier

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Foto: Lennart Ootes

Es dauerte über ein Jahr, bis acht Großmeister den nächsten Herausforderer um den Weltmeistertitel ermittelt hatten. Das in zwei Hälften geteilte Turnier wurde zum längsten Kandidatenturnier der Geschichte. Neben Fabiano Caruana, Alexander Grischuk, Ian Nepomniachtchi, Ding Liren, Wang Hao, Anish Giri, Kirill Alekseenko und Maxime Vachier-Lagrave mischte auch ein weiterer mächtiger Gegner mit: das neuartige Coronavirus.

Vor Turnierbeginn waren in Russland, insbesondere in Jekaterinburg, nur wenige Covid-19-Fälle registriert worden. Teimour Radjabov, der aufgrund der Pandemie zurückgezogen hatte, wurde durch Vachier-Lagrave ersetzt. Das Turnier begann unter Einhaltung strenger medizinischer Vorsichtsmaßnahmen.

Nach sieben gespielten Runden – Vachier-Lagrave und Ian Nepomniachtchi lagen gemeinsam in Führung – schloss Russland seine Grenzen. Das Turnier musste abgebrochen und die Spieler umgehend evakuiert werden. Die FIDE unternahm mehrere Versuche, das Turnier wieder aufzunehmen, bevor es schließlich dreizehn Monate später, im April 2021, fortgesetzt werden konnte.

In der zweiten Hälfte gewann der Weltranglistenvierte Ian Nepomniachtchi zwei weitere Partien und sicherte sich vorzeitig den ersten Platz. Trotz dieses vielversprechenden Starts verlor er das Weltmeisterschaftsmatch in Dubai mit 3,5:7,5. Damit verteidigte Carlsen seinen Titel zum vierten Mal.

Madrid 2022 – Ian Nepomniachtchi zum Zweiten

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Foto: Maria Emelianova

Dieses Turnier war deshalb so besonders, weil der zweite Platz fast genauso wichtig war wie der erste. Magnus Carlsen deutete an (was er später bestätigte), dass er seinen Weltmeistertitel nicht verteidigen würde. Acht Top-Großmeister spielten 56 Partien im prachtvollen Palacio de Santona in Madrid. Das Turnier endete mit einem souveränen Sieg von Ian Nepomniachtchi, der 9,5 von 14 Punkten errang.

Nepomniachtchi ging früh in Führung und verteidigte diese souverän bis zum Schluss. Er stand bereits eine Runde vor Ende als Sieger fest, wie 2021 in Jekaterinburg. Hikaru Nakamura verpasste den zweiten Platz nur knapp. Ding Liren, der das Turnier mit einer vernichtenden Niederlage gegen Nepomniachtchi begonnen und anschließend sieben Remis in Folge gespielt hatte, bevor er sich in der zweiten Hälfte wieder fing, sicherte sich den zweiten Platz. Diese Leistung brachte ihn schließlich ins Finale um die Schachweltmeisterschaft.

Im Match zwischen Nepomniachtchi und Ding im Jahr 2023 ging der chinesische Spieler als Sieger hervor.

Toronto 2024 – Triumphe von Gukesh Dommaraju und Tan Zhongyi

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Foto: Michal Walusza

Toronto war Schauplatz eines historischen Doppelereignisses: Zum ersten Mal fanden das FIDE-Kandidatenturnier und das FIDE-Kandidatenturnier der Frauen gleichzeitig statt, und es war das erste Kandidatenturnier auf nordamerikanischem Boden.

Das offene Turnier blieb bis zur letzten Runde hart umkämpft. Vor der 14. Runde führte Gukesh Dommaraju mit 8,5 von 13 Punkten – einen halben Punkt vor den Turnierfavoriten Fabiano Caruana, Hikaru Nakamura und Ian Nepomniachtchi, die punktgleich auf dem zweiten Platz lagen. Nakamura und Gukesh trennten sich in einer spannenden Partie remis, während Caruana trotz einer Gewinnstellung gegen Nepomniachtchi aufgrund dessen hartnäckiger Verteidigung nur ein Remis erreichte. Mit diesen Ergebnissen wurde Gukesh der jüngste Gewinner des Kandidatenturniers aller Zeiten und später der jüngste Weltmeister in der Geschichte des Schachs.

Tan Zhongyi gewann das Kandidatenturnier der Frauen mit hervorragenden 9,5 von 14 Punkten überzeugend und lag damit 1,5 Punkte vor der Zweitplatzierten Humpy Koneru. Sie sicherte sich das Recht, die amtierende Weltmeisterin der Frauen, Ju Wenjun, herauszufordern.

Zypern 2026 – Ein neues Kapitel

Nach der Premiere in Nordamerika im Jahr 2024 kehren die Kandidatenturniere nach Europa zurück: Sie werden im luxuriösen Cap St. Georges Hotel & Resort in der Nähe von Paphos an der Südwestküste Zyperns ausgetragen.

Zum zweiten Mal in Folge finden das FIDE-Kandidatenturnier und das FIDE-Kandidatenturnier der Frauen parallel statt. Sechzehn Spitzenschachspielerinnen und -spieler, jeweils acht in jedem Wettbewerb, treten gegeneinander an. In vierzehn Runden klassischen Schachs wird ein Spieler pro Turnier als Herausforderer ermittelt. 

Offizielle Website des FIDE-Kandidatenturniers 2026: candidates2026.fide.com




Die ChessBase GmbH, mit Sitz in Hamburg, wurde 1987 gegründet und produziert Schachdatenbanken sowie Lehr- und Trainingskurse für Schachspieler. Seit 1997 veröffentlich ChessBase auf seiner Webseite aktuelle Nachrichten aus der Schachwelt. ChessBase News erscheint inzwischen in vier Sprachen und gilt weltweit als wichtigste Schachnachrichtenseite.
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