05.12.2025 – Letzte Woche überraschte der Schachbund mit der Meldung, dass DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach ihr Amt spätestens im kommenden August aufgeben wird. Im Hintergrund hatte es innerhalb des Schachbundes eine intensive Diskussion über Amtsführung und Kommunikationskultur gegeben. Michael S. Langer gibt in einem Interview Einblick in die Entscheidungswege.
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Schon auf dem vergangenen DSB-Kongress im Mai 2025 in Paderborn deutete sich eine gewisse Unzufriedenheit in den Landesverbänden mit der Amtsführung der Präsidentin an. Nach einer durchaus kontroversen Diskussion über aktuelle Themen wurde Ingrid Lauterbach nur mit äußerst knapper Mehrheit gegenüber ihrem Gegenkandidaten Paul Meyer-Dunker wiedergewählt.
Auch danach kam der Schachbund nicht zur Ruhe. Auf der Sitzung des Hauptausschusses im Oktober kochten die Emotionen erneut hoch. Auslöser war eine Kontroverse über die Entlassung der Geschäftsführerin der Berliner Geschäftsstelle des DSB. Anja Gering hatte seit 19 Jahren in verschiedenen Positionen in der Geschäftsstelle gearbeitet. Die letzten drei Jahre hatte sie die Geschäftsstelle geleitet. Da die Geschäfte nicht zur vollen Zufriedenheit des Präsidiums erledigt wurden, sollte eine personelle Veränderung an der Spitze der Geschäftsstelle herbeigeführt werden. Die Kontroverse entzündete sich nicht so sehr an der Tatsache als solcher, sondern an der Art und Weise, wie sie durchgeführt wurde – auch, weil es schon zu Beginn der Amtszeit von Ingrid Lauterbach einige personelle Veränderungen gegeben hatte.
Auf dem Hauptausschuss in Hofgeismar diskutierten die Vertreter des Präsidiums und die Delegierten der Landesverbände darüber, ob es nicht sinnvoll wäre, eine informelle Abstimmung durchzuführen, eine Art Vertrauensfrage, um festzustellen, wie groß der Rückhalt des Präsidiums bei den Mitgliedsverbänden noch ist. Diese Abstimmung wurde jedoch aus formalen Gründen nicht zugelassen. Daraufhin fanden sich fünf Landesverbände, die einen Antrag auf Durchführung eines außerordentlichen Bundeskongresses stellten, um dort über eine Abwahl des Präsidiums zu entscheiden.
Dieser Antrag schwebte nun als Damoklesschwert über dem Präsidium – eigentlich über dem ganzen Schachbund –, denn in der Außenwirkung würde eine Abwahl des Präsidiums kein gutes Licht auf den Deutschen Schachbund als Ganzes werfen. Aus diesem Grund trafen sich letzte Woche Vertreter der opponierenden Landesverbände mit dem Präsidium, um über eine für alle tragfähige Lösung zu beraten. Am Ende des Gesprächs war Ingrid Lauterbach bereit, den Weg für eine Neuwahl des Präsidiums freizumachen. Spätestens im August soll diese auf einem außerordentlichen Bundeskongress durchgeführt werden.
Michael S. Langer ist Präsident des Niedersächsischen Landesverbandes und gehörte zu den fünf Vertretern der Landesverbände, die eine Abwahl des Präsidiums, insbesondere der Präsidentin, herbeiführen wollten. Im Gespräch mit André Schulz erklärt er die Gründe für das Missverhältnis zwischen der Präsidentin und einigen Landesverbänden und berichtet, wie es zur Aussprache und schließlich zur Rücktrittsankündigung kam. Außerdem spricht er über die Anforderungen des Amtes und beleuchtet die Herausforderungen beim Zusammenspiel von Landesverbänden, Präsidium und Geschäftsstelle im Deutschen Schachbund.
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