Beim Norway Chess Turnier wird mit Armageddon gespielt: Endet die klassische Partie mit Remis, folgt eine Armageddon-Partie. Für einen Sieg in der klassischen Partie erhält man 3 Punkte, ein Remis in der klassischen Partie bringt einen Punkt, mit einem Sieg im Armageddon bekommt man noch einen weiteren halben Punkt dazu.
Ergebnisse der 1. Runde
| Weiß |
|
Schwarz |
| Alireza Firouzja |
3 - 0 |
Magnus Carlsen |
| Gukesh Dommaraju |
1½ - ½ |
Vincent Keymer |
| Praggnanandhaa R. |
1½ - ½ |
Wesley So |
Stand nach der 1. Runde
| Spieler |
Rating |
Land |
Punkte |
| Alireza Firouzja |
2759 |
France |
3 |
| Praggnanandhaa R. |
2733 |
India |
1½ |
| Gukesh Dommaraju |
2732 |
India |
1½ |
| Vincent Keymer |
2759 |
Germany |
1 |
| Wesley So |
2754 |
United States |
1 |
| Magnus Carlsen |
2840 |
Norway |
0 |
Firouzja war nach seinem Rückzug vom Superbet Chess Classic in Rumänien mit einer Knöchelverletzung nach Oslo gereist. Dort erklärte er, dass er in Bukarest von der Bühne gestürzt sei. Seine erste Partie in Norwegen spielte er mit ausgestrecktem verletztem Bein auf einem Stuhl.

Immer noch angeschlagen: Alireza Firouzja | Foto: Norway Chess / Michal Walusza
Carlsen hatte Schwarz und opferte im frühen Mittelspiel einen Bauern, für den er allerdings gute Kompensation erhielt. Doch Firouzja löste die praktischen Probleme präzise und setzte Carlsen unter Druck. Da es in Oslo in den klassischen Partien vor dem 41. Zug keinen Zeitbonus gibt — und danach lediglich zehn Sekunden pro Zug — spielte Zeitnot eine große Rolle. So übersah Carlsen im 33. Zug in Zeitnot eine versteckte Ressource und gab nur fünf Züge später auf.
Hier spielte Carlsen 33...Kg8? und gab nach 34.e4 Se3 35.Df3 Sc2 36.Tc1 37.Lg3 Sb5 38.e5 auf.
Statt 33...Kg8? hätte Schwarz 33...Sxe3 spielen sollen. Auf den ersten Blick scheint das nicht zu gehen, denn nach 34.Dg6+ Kg8 scheint Weiß mit dem taktischen Schlag 35.Ta7! eine Figur zu gewinnen. Zieht die schwarze Dame weg, setzt Weiß auf g7 Matt, und nach 35...Dxa7 gewinnt Weiß mit 36.Dxe8+ Kh7 37.Dxe3 eine Figur. Aber Schwarz hat eine versteckte Rettung: 35...Sd1!
Jetzt kann Weiß die Dame nicht nehmen, denn nach 36.Txd7? setzt Schwarz mit 36...Txe1# einzügig Matt. Die beste Fortsetzung ist 36.Ld2 Te1! 37.Lxe1 Dxa7, und in dieser Stellung hat Schwarz einen Bauern weniger, aber kann noch kämpfen.
Gukesh und Keymer spielten die längste klassische Partie des Tages und trennten sich erst nach 144 Zügen mit Remis. Vor der Zeitkontrolle stand Gukesh besser, aber Keymer verteidigte sich präzise und hatte im Turmendspiel sogar Gewinnchancen, als Gukesh zu lange und zu gewagt auf Gewinn spielte.
Doch Keymer nutzte seine Chancen nicht, aber kam immerhin zu einem Damenendspiel mit Mehrbauern. In permanenter Zeitnot schien diese Stellung für Gukesh fast unmöglich zu verteidigen zu sein. Tatsächlich verpasste Keymer mehrfach Gewinnmöglichkeiten und am Ende rettete Gukesh die 50-Züge-Regel.
Aber auch hier gab es Schwierigkeiten, denn in der Partie hatte Gukesh die Übersicht verloren, wieviele Züge gespielt worden waren, ohne dass ein Bauer gezogen oder eine Figur geschlagen worden war, und reklamierte deshalb nach 133 Zügen zu Unrecht auf Remis, was Keymer eine Zeitgutschrift von zwei Minuten einbrachte.
Aber trotz Zeitgutschrift fand Keymer keinen Weg zum Gewinn und nach 144 Zügen endete die Partie mit Remis.
Im Armageddon übersah Keymer dann kurz nach Eröffnung einen überraschenden taktischen Schlag und verlor schnell.
Nach 15.Lh6! steht Weiß auf Gewinn, denn nach 15...gxh6 16.Dd2 kann Schwarz den weißen Angriff nicht parieren. Im 22. Zug gab Keymer auf.

Beim WM-Kampf 2024 hat Keymer als Sekundant von Gukesh gearbeitet, aber in Oslo schenkten sie sich nichts. | Foto: Norway Chess / Michal Walusza

Erleichterung nach Runde 1 | Foto: Norway Chess / Michal Walusza
Praggnanandhaa und So trennten sich in ihrer klassischen Partie unspektakulär Remis. Praggnanandhaa kam in einer Englischen Eröffnung zwar leicht in Vorteil, aber verpasste 1im 18. Zug den richtigen Plan, und nach 32 Zügen einigten sich die Spieler auf Remis.
Im Armageddon griffen beide erneut zur Englischen Eröffnung. Diesmal nutzte Praggnanandhaa seine Chancen konsequenter. Er überspielte So und gewann nach 43 Zügen.

Praggnanandhaa gewann gegen Wesley So im Armageddon | Foto: Norway Chess / Michal Walusza
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