Play Magnus Challenge beim Spiegel: 12:0

von André Schulz
09.10.2018 – Gestern Abend war Schachweltmeister Magnus Carlsen wieder in Hamburg und spielte auf Einladung des Spiegels mit seiner "Play Magnus Challenge" ein Uhrensimultan gegen 12 Schachfreunde - Hobbyspieler, Anfänger und Vereinsspieler. Am Ende gewann er 12:0 und gab dann jedem der Spieler etwas Schachunterricht.| Fotos: André Schulz

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Magnus Carlsen ist Werbeträger der Firma Play Magnus, die neben verschiedenen anderen Produkten rund ums Schach eine Schachspiel- und Lern-App vertreibt. In regelmäßigen Abständen trifft sich der Weltmeister mit den Anwendern "seiner" App und gibt ihnen persönlich eine Lektion. Zunächst spielt er ein Uhrensimultan mit 30 Minuten Bedenkzeit für jeden, dann setzt er sich mit den Spielern zusammen, geht die Partie noch einmal durch, zeigt, welche Fehler gemacht wurden und gibt Tipps. Seine Simultangegner sind eine bunte Mischung aus Anfängern und fortgeschrittenen Spielern, gelegentlich sind auch Prominente der Veranstalter dabei. 

Am gestrigen Montag war der Spiegel Gastgeber dieser "Play Magnus Challenge", die nun zum vierten Mal ausgetragen wurde. Schach hat beim Spiegel eine große Tradition. In den 1980er Jahren wurde im Heft über den Aufstieg Robert Hübner zu Weltspitze berichtet, es erschien sogar ein Spiegel-Schachbuch und Garry Kasparov spielte beim Spiegel simultan. Auch die epischen Wettkämpfen um die Weltmeisterschaft zwischen Karpov und Kasparov wurden mit zahlreichen Artikeln und Interviews begleitet. Da Schach die ideale Sportart für das Internet ist, war es auch für Spiegel-online immer ein Thema. In jüngerer Zeit wurde die Berichterstattung mit Live-Tickern, Live-Kommentaren, Videoanalysen und Hintergrundberichten zu den großen Schachevents sogar noch ausgebaut. Schach und der Spiegel passen gut zusammen. Spiegel-online will das Thema Schach sogar noch umfassender angehen. 

Simultan im Spiegel-Haus

Ein Auftritt des Schachweltmeisters passt da gut ins Konzept. Das neue Spiegelhaus an der Ericusspitze gegenüber von der Speicherstadt besitzt ein luftiges Atrium, in dem regelmäßig Veranstaltungen stattfinden, zumeist Podiumsdiskussionen zu gesellschaftspolitischen Themen. Gleich neben dem Foyer wurde ein aufwändiges Technikstudio eingerichtet, in dem unter anderem Spiegel TV produziert wird. Die Spiegel-Gruppe produziert heute weit mehr als nur ein wöchentliches Nachrichten Magazin und ist vor allem im Digital-Bereich sehr aktiv. Aus diesem Grund konnte der Simultan-Auftritt es Schachweltmeisters auch mit Leichtigkeit live auf die Spiegelseiten im Internet gestreamt werden.

Natürlich hat der Weltmeister bei allen seinen Play Magnus Challenges bisher alle Partien gewonnen. Die schwierigste Aufgabe besteht für ihn vermutlich darin, die 12 Bretter im Auge zu behalten und nicht irgendwo aus Versehen die Zeit zu überschreiten.

Justus Poniewasz (9) aus Hamburg und Bennet Hagner (10) von den Bad Sodener Chesstigers waren die jüngsten Teilnehmer. Justus Poniewasz hat sich das Schach mit der Play Magnus App selber beigebracht und zuvor noch nie eine Turnierpartie gespielt. Sein erster Gegner war dann gleich der Weltmeister.

Justus Poniewasz spielt seine erste Partie mit Uhr

Die Vorbereitung auf diese spannende Herausforderung bestand vor allem darin, zu lernen, dass man nach jedem Zug die Uhr drücken muss. Constanze Wulf vom Hamburger SK und Antonia Ziegenfuß von der OSG Baden-Baden, amtierende Deutsche U14-Meisterin, waren da schon gefährlichere Gegnerinnen. 

Carlsens größter Gegner war aber mit Sicherheit Nils Ehlers. Der Hamburger Beachvolleyballer ist 2,10 Meter groß und wurde kürzlich bei den Deutschen Beachvolleyball Meisterschaften zusammen mit seinem Partner Lars Flüggen Dritter. Jullius Thole/Clemens Wickler gewann die Meisterschaft.

Nils Ehlers, Beachvolleyballspieler

Nils Ehlers hatte gerade eine Meniskus-OP hinter sich, war also verletzt und kam auf Krücken. Mit Arthur Abraham wollte eigentlich noch ein weitere Nichtschachsportler teilnehmen, doch er bleib im Hamburger Feierabendverkehr stecken und schaffte es nicht rechtzeitig zum Beginn des Simultans. Für ihn sprang der US-Hedgefond-Manager Nitish Maini ein. Pedro Luis Encinas Martin aus Spanien, Eric Colin aus Frankreich und Joe Kempsey aus den USA sorgten für weiteres internationales Flair. Anna Sylvi Björkedal und Robert Ellingsen aus Norwegen vermittelten Magnus Carlsen heimatliche Nähe und Christoph Rottwilm, Redakteur des Manager Magazins vertrat die schreibende Zunft. 

Vor dem Simultan wurden die 12 Schachfreunde von Lawrence Trent auf ihre Aufgabe in einem einstündigen Blitztraining vorbereitet. Der Internationale Meister erklärte einige Grundregeln bei der Führung einer Schachpartie. Ja, und dann ging es schon gegen den Weltmeister. Der englische Großmeister und bekannte Autor Daniel King moderierte das Geschehen.

Magnus Carlsen pflügte recht problemlos durch das Feld. Christoph Rottwilm und Constanze Wulf leisteten dabei den längsten Widerstand.

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Für die letzte noch laufende Partie gegen Chrsitoph Rottwilm, jedenfalls glaubte Magnus Carlsen das, holte sich der Norweger einen Stuhl und setzte sich. Als er die Partie gewonnen hatte, stellte er jedoch fest, dass Constanze Wulf noch 4 Sekunden auf der Uhr hatte. Die Partie war also noch gar nicht zu Ende. Die vier Sekunden waren dann aber doch schnell verbraucht und das 12:0 in der Tasche.

Magnus Carlsen dreht seine Runde

Hinterher besprach der Weltmeister mit jedem Spieler die Partie. Nils Ehlers war der Erste der die Waffen hat strecken müssen. Er wurde mit einer kleinen Kombination aus dem Anfänger-Lehrbuch schnell zerlegt. Kein Wunder: Er war ja auch verletzt. Im Interview bemerkte der Hobbyschachspieler, dass der Spielstärkeunterschied im Schach zwischen ihm und Carlsen ungefähr so groß sei wie im Beachvolley, dort aber mit umgekehrten Vorzeichen. Magnus Carlsen räumte das ein, erzählte aber, dass er früher auch schon gegen norwegische Auswahlvolleyballer gespielt hätte. Auf Vorschlag von Daniel King wurde eine Revanche im Beachvolleyball vereinbart. Was für ein Glück für Magnus Carlsen, dass der Boxer Arthur Abraham es nicht rechtzeitig zum Simultan geschafft hatte. Vielleicht hätte der vorlaute Daniel King hier am Ende auch noch eine Revanche vorgeschlagen. Als Abraham den Spielsaal erreichte, war das Simultan schon beendet. Er fegte dann aber noch ein paar Partien gegen Lawrence Trent.

Die Partien des Simultans zum Nachspielen

 

 

Live-Ticker beim Spiegel...

 

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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RevTiberius RevTiberius 11.10.2018 12:08
In der Tat. Eine Herausforderung waere das nur, wenn die Gegner 2200+ haetten, damit Carlsen nicht einfach nur in jeder Partie das eingestellte Material einsammeln muss.
horchi horchi 10.10.2018 10:08
Nachdem Caruana nur 7 Punkte aus 10 Partien bei der Olympiade geholt hat, spricht die aktuelle Formkurve nach dem grandiosen 12:0 klar für den amtierenden Weltmeister.
Germinator389 Germinator389 10.10.2018 04:07
12 Gegner, größtenteils Spielstärken unter 1600.
Nein, das war keine Herausforderung.
Rainbow66 Rainbow66 09.10.2018 11:39
Meines Erachtens ist Simultanspiel immer eine Herausforderung, auch für einen Groß- oder Weltmeister.
Blitz2010 Blitz2010 09.10.2018 08:52
Fragt sich nur: Wo war da die Challenge?
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