Polen geht mit Vorsprung in die Finalrunde der Olympiade für Menschen mit Behinderung

von Stefan Liebig
17.09.2026 – Polen führt mit einem Punkt Vorsprung vor der letzten Runde der 3. FIDE-Schach-Olympiade für Menschen mit Behinderung. Nach dem etwas holprigen Start ins Turnier, dem 2:2 gegen die Mongolei, lässt Polen seither nichts mehr anbrennen: Fünf Siege folgten und damit geht das an 1 gesetzte Team als klarer Favorit in die letzte Runde. Der Tabellenführer spielt gegen Außenseiter Philippinen, während die Verfolger in direkten Duellen aufeinandertreffen: Kuba gegen Tschechien und Usbekistan gegen Israel. Das deutsche Team ist nach zuletzt zwei Niederlagen auf Rang 17 abgerutscht und spielt zum Abschluss gegen Venezuela. | Titelbild: Das Team aus Vietnam ist zum ersten Mal dabei. | Fotos: Mark Livshitz und Rafal Oleksiewicz, FIDE

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Polen geht als alleiniger Spitzenreiter in die Schlussrunde

Nach sechs Runden der 3. FIDE-Schacholympiade für Menschen mit Behinderung in Samarkand steht Polen mit einem Punkt Vorsprung an der Spitze. Die Topgeetzten schlugen Tschechien unerwartet deutlich mit 4:0. Beide Teams hatten zuvor erst einen Mannschaftspunkt abgegeben – Polen gegen die Mongolei und Tschechien gegen Deutschland. Als Verfolger gehen Kuba mit zehn sowie die Philippinen, Tschechien und Usbekistan 1 mit jeweils neun Punkten in die letzte Runde. Alle können theoretisch noch mit Polen gleichziehen. Deutschland hingegen liegt nach zuletzt zwei Niederlagen mit sechs Mannschaftspunkten auf Rang 17.

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Polen nutzt die große Chance

Das Duell der beiden bis dahin führenden Mannschaften Polen und Tschechien war der Höhepunkt der sechsten Runde. Polen ließ dabei nichts anbrennen und gewann den Spitzenkampf mit 4:0. Damit steht die Mannschaft nach sechs Runden bei fünf Siegen und einem Unentschieden und ist als einziges Team noch ungeschlagen.

Handshake vor dem wichtigen Duell zwischen Tschechien und Polen. | Foto: FIDE

Für Julia Salamon war der Weg dorthin allerdings keineswegs geradlinig. Die Polin hatte zu Beginn des Turniers drei Niederlagen in Folge kassiert, sich anschließend aber zurückgekämpft. „Jetzt, wo wir führen, ist es viel einfacher zu spielen … aber wir wollen trotzdem gewinnen“, sagte Salamon nach dem Erfolg.

Hinter Polen bleibt Kuba in Schlagdistanz. Die Mannschaft gewann fünf ihrer sechs Begegnungen und musste lediglich in der Runde zuvor gegen Polen eine 1,5:2,5-Niederlage hinnehmen. Mit zehn Mannschaftspunkten kann Kuba in der letzten Runde gegen Tschechien noch an die Spitze herankommen – gleiches gilt für Tschechien. Auf neun Punkte kommen die Philippinen, Tschechien und Usbekistan 1. Auch dahinter ist die Spitzengruppe dicht gedrängt: Israel, die USA, die Mongolei, die IBCA, die Ukraine und Ungarn folgen mit jeweils acht Mannschaftspunkten.

Nigel Short eröffnet das Spitzenspiel der Runde 6. | Foto: FIDE

Damit ist vor der letzten Runde noch vieles offen – sowohl im Kampf um den Olympiasieg als auch um die weiteren Medaillenplätze. Doch Polen hat nicht nur einen Punkt Vorsprung, sondern mit den Philippinen auch einen vermeintlich leichteren Gegner als die Konkurrenz.

Deutschland nach dem vorletzten Spieltag auf Rang 17

Die deutsche Mannschaft hatte nach ihrem starken Auftakt mit zwei Siegen und einem Unentschieden zuletzt etwas an Boden verloren. Nach sechs Runden stehen für Deutschland zwei Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen zu Buche. Mit sechs Mannschaftspunkten und 14 Brettpunkten belegt das Team aktuell Rang 17.

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Die deutsche Mannschaft war als Nummer sechs der Setzliste in das Turnier gegangen. Artur Kevorkov, Sergej Salov, David-Andrei Valean, Manuela Mekus und Günter Michalke werden von Trainer und Kapitän Vinzent Spitzl betreut. Zum Auftakt hatte Deutschland Myanmar mit 4:0 bezwungen, anschließend Kasachstan mit 3:1 geschlagen. Gegen Indien folgte ein 2:2, ehe Deutschland auch gegen Tschechien 2:2 spielte. In der fünften Runde unterlag die Mannschaft der IBCA (Blindschachverband) knapp mit 1½:2½.

Die sechste Runde brachte nun vor allem an der Spitze eine klare Verschiebung. Deutschland selbst gehört nach dem Zwischenstand nicht mehr zur unmittelbaren Spitzengruppe, kann das Turnier mit einer erfolgreichen Schlussrunde aber noch mit einer positiven Bilanz beenden.

Der Spielsaal in Runde 6. | Foto: FIDE

Tabellenspitze nach der 6. Runde

Rg. Team  Wtg1 
1 Poland 11
2 Cuba 10
3 Philippines 9
4 Czech Republic 9
5 Uzbekistan 1 9
6 Israel 8
7 USA 8
8 Mongolia 8
9 IBCA 8
10 Ukraine 8
11 Hungary 8
12 Serbia 7
13 Turkiye 7
14 Belarus 7
15 India 7
16 Croatia 6
17 Germany 6
18 Argentina 6
19 Brazil 6
20 Vietnam 6

Heute fällt die Entscheidung

Nach sechs von sieben Runden führt Polen mit elf Mannschaftspunkten vor Kuba mit zehn. Drei Mannschaften – Philippinen, Tschechien und Usbekistan 1 – folgen mit neun Punkten. Dahinter ist das Feld ebenfalls eng zusammengerückt.

Damit verspricht die siebte Runde einen offenen Kampf um die Medaillen. Polen hat sich durch den klaren Erfolg gegen Tschechien die beste Ausgangsposition verschafft, doch Kuba bleibt in Reichweite. Auch die drei Mannschaften mit neun Punkten können bei einem weiteren Sieg noch entscheidend in den Kampf um die Spitzenplätze eingreifen.

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Die letzte Runde beginnt heute bereits um 11 Uhr Ortszeit in Samarkand, also um 8 Uhr deutscher Zeit. Danach steht fest, wer die dritte FIDE-Schacholympiade für Menschen mit Behinderung gewinnt. Die Veranstaltung endet am Abend mit der Schlusszeremonie.

Unabhängig vom Ausgang der Schlussrunde hat das Turnier in Samarkand bereits einen besonderen Stellenwert erreicht: 41 Mannschaften nehmen teil – so viele wie noch bei keiner vorherigen Austragung. Erstmals findet der Wettbewerb parallel zur großen Schacholympiade statt. Die letzte Runde entscheidet nun über die Medaillen, zugleich bildet sie den Abschluss eines Turniers, bei dem sportlicher Wettbewerb, Zugänglichkeit und die Begegnung von Schachspielern aus aller Welt eng miteinander verbunden waren.

Zwei Olympiaden, eine Schachwelt

Mit dem Beginn der 46. FIDE-Schacholympiade am 16. September hat sich die Atmosphäre in Samarkand noch einmal verändert. Zum ersten Mal findet die Olympiade für Menschen mit Behinderung zeitgleich und am selben Ort wie die Open- und Frauenolympiade statt. Für die Teilnehmer ergeben sich dadurch Begegnungen mit zahlreichen Spitzenspielern und ein unmittelbarer Einblick in das Geschehen der beiden großen Olympiadeturniere.

FIDE Fair-Play-Officer Klüners beschreibt diesen Aspekt als einen wichtigen Bestandteil des Erlebnisses: „Wir haben mehr oder weniger dieselben Spielbedingungen. Man sieht die Bildschirme mit den Ergebnissen, sie spielen mit DGT-Brettern und normalen Uhren. Es gibt Pressevertreter, die Interviews führen. Ich glaube, die Spieler wissen das wirklich zu schätzen.“

Auch organisatorisch blickt man bereits über das aktuelle Turnier hinaus. Eine Delegation aus Abu Dhabi besuchte die Veranstaltung, um Erfahrungen für die kommenden Olympiaden 2028 zu sammeln. Abu Dhabi soll sowohl die nächste reguläre Schacholympiade als auch die vierte FIDE-Schacholympiade für Menschen mit Behinderung ausrichten.

Partien

Paarungen in Runde 7

Erg. Erg.

Team Pkt. MP : MP Pkt. Team
Poland 17½ 11 : 9 16½ Philippines
Czech Republic 13 9 : 10 16½ Cuba
Israel 16 8 : 9 15½ Uzbekistan 1
IBCA 14 8 : 8 14 Hungary
USA 15 8 : 8 15 Ukraine
India 12½ 7 : 8 13½ Mongolia
Myanmar *) 9 4 : 4 9 Kenya
Turkiye 14½ 7 : 7 14 Serbia
Croatia 12 6 : 7 12½ Belarus
Venezuela 14 6 : 6 14 Germany

Links

Offizielle Turnierseite
Ergebnisse bei Chess-Results
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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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