Finek behält seinen 1-Punkt-Vorsprung
Die sechste Runde des Challenger-Turniers beim Prager Schachfestival endete mit einem Sieg und vier Remis. Trotz der vielen Remis bot die Runde einige dynamische Stellungen, in denen sich beiden Seiten Siegchancen boten.
Den einzigen Sieg des Tages errang der topgesetzte Benjamin Gledura, der einen Spielverlust von Jachym Nemec eiskalt ausnutzte. Durch diesen Sieg konnte Gledura in der Tabelle wieder Boden gutmachen und steht nun bei 3 von 6 Punkten (also 50 Prozent), nachdem er in den ersten drei Runden lediglich einen halben Punkt erzielen konnte.
In diesem Videokurs erkundet Großmeister Ivan Sokolov die faszinierende Welt der holländischen und Grünfeld-Strukturen mit vertauschten Farben.
In diesem Kurs widmet sich Ivan Sokolov einem der spannendsten und zugleich am wenigsten erforschten Bereiche des modernen Schachs: Eröffnungssystemen mit vertauschten Farben, mit besonderem Fokus auf den Grünfeld und Holländisch. Auf den ersten Blick scheinen diese beiden Systeme wenig miteinander zu tun zu haben. Tatsächlich verbindet sie jedoch eine gemeinsame strategische Fragestellung: der Wert von Tempi, Bauernstrukturen und psychologischen Faktoren, wenn vertraute Eröffnungen mit vertauschten Farben gespielt werden. Aus seiner langjährigen Turnierpraxis heraus erklärt Sokolov, warum diese Stellungen deutlich subtiler sind, als sie zunächst wirken, und weshalb klassische Engine-Bewertungen ihre wahre Komplexität oft nicht erfassen.
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Stepan Hrbek analysiert seine Stellung neben dem Brett stehend. Benjamin Gledura und Jachym Nemec kämpfen am Brett im Hintergrund. | Foto: Petr Vrabec / Prager Schachfestival
Der Führende des Turniers, der 16-jährige tschechische IM Vaclav Finek, spielte mit Schwarz gegen Zhu Jiner und hatte eine vielversprechende Chance, seinen Vorsprung an der Spitze weiter zu vergrößern. Der entscheidende Moment kam, als Zhu in Zeitnot den ungenauen Zug 28.g3 spielte. Sie hatte nur noch sechs Minuten auf der Uhr, aber zwölf Züge zu spielen. Finek hingegen hatte 26 Minuten Zeit und somit ausreichend Zeit zum Rechnen.
Finek verwarf den dynamischen Zug 28…Sxb2!. Nach 29.Dxb2 Le5 hätte er den Springer gefesselt und damit aktives Spiel gehabt, zum Beispiel: 30.Da3 Lxc3 31.Dxa6 Dc4 und die schwarzen Figuren arbeiten gut zusammen und behalten die Initiative.
Wird nicht jede Schachpartie durch Fehler entschieden? Absolut. Aber die meisten Spieler begreifen nie wirklich, dass sie immer wieder die gleichen Fehler machen.
Der alleinige Spitzenreiter spielte nach siebenminütigem Überlegen das vorsichtigere 28…Db7?!. Eine Entscheidung, die vermutlich seine Turniersituation berücksichtigt – immerhin hat er einen vollen Punkt Vorsprung und möglicherweise wollte er unnötige Risiken vermeiden.
Nach dem Textzug vereinfachte Zhu die Stellung rasch. Durch Abtauschen entstand schnell ein symmetrisches Endspiel mit Dame, Springer und sechs Bauern auf beiden Seiten, in dem keiner der Spieler realistischerweise noch mehr Druck ausüben konnte. Nach dem 49. Zug von Schwarz einigten sich die beiden Spieler auf Remis vereinbart.

Vaclav Finek | Foto: Petr Vrabec / Prager Schachfestival
Die übrigen Remispartien waren alles andere als ereignislos. Es gab unausgewogene Mittelspiele oder technisch anspruchsvolle Endspiele, in denen es immer wieder vielversprechende Chancen gab. Insbesondere Thomas Beerdsen und Stepan Hrbek vergaben mehrere Gelegenheiten, einen ganz Punkt zu erobern.
Nach sechs gespielten Runden führt Finek weiterhin allein das Challengers-Turnier an und hat nach wie vor einen vollen Punkt Vorsprung vor Beerdsen und Hrbek. In der siebten Runde tritt er mit Weiß gegen den wiedererstarkten Gledura an.
In diesem Kurs lernen wir, wie wir passiv Figuren in jeder Situation erkennen und wie wir Sie verbessern können, indem wir sie in aktive Felder bringen.

Jonas Buhl Bjerre liegt mit 3 von 6 Punkten eineinhalb Punkte hinter dem Führenden. | Foto: Petr Vrabec / Prager Schachfestival
Ergebnisse Runde 6
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