Samarkand: Zur Halbzeit ein paar Zahlen

von Johannes Fischer
23.09.2026 – Sechs von elf Runden sind bei der Schacholympiade in Samarkand gespielt. Gastgeber Usbekistan führt mit 12:0 Mannschaftspunkten, drei Teams haben noch keine einzige Partie verloren, und ein rumänischer IM kommt auf eine Performance von über 3000. Die erste Hälfte der Olympiade hat zu interessanten Ergebnissen geführt. | Foto: Frederik Svane | Foto: Steffen Rätzke von Stoyentin / ChessBase

Ihr persönlicher Schachtrainer - Egal, ob Sie Ihre ersten Schritte in die Welt des Vereinsschachs machen oder bereits auf Turnierniveau spielen: Mit FRITZ trainieren Sie effizienter, intelligenter und individueller als je zuvor.
FRITZ ist mehr als nur eine Schach-Engine – es ist eine Trainingsrevolution! Egal, ob Sie Ihre ersten Schritte in die Welt des Vereinsschachs machen oder bereits auf Turnierniveau spielen: Mit FRITZ trainieren Sie effizienter, intelligenter und individueller als je zuvor.

Ist Heimvorteil im Schach wirklich ein Vorteil? Die Usbeken, die als Nummer drei der Setzliste hinter den USA und Indien gestartet sind, scheint es zu beflügeln, vor heimischer Kulisse zu spielen. Als einzige Mannschaft konnten sie bislang alle ihre Kämpfe gewinnen und liegen zur Halbzeit mit 12:0 Mannschaftspunkten alleine an der Spitze. China und Armenien teilen sich die Plätze zwei und drei mit jeweils 11:1 Mannschaftspunkten, wobei China allerdings in der Zweit- und Drittwertung vor Armenien liegt. Hinter den drei Spitzenreitern folgt eine große Verfolgergruppe mit 10:2 Mannschaftspunkten. Mit fünf Siegen zum Auftakt und der 1:3-Niederlage gegen China in Runde 6 gehört auch Deutschland zu dieser Gruppe.

Tabelle nach Runde 6  

Rg. SNr Land Team + = - TB1 TB2 TB3 TB4
1 3 UZB
Uzbekistan 6 0 0 12 141 19,5 46
2 4 CHN
China 5 1 0 11 138 18,5 48
3 10 ARM
Armenia 5 1 0 11 108 17 43
4 9 FRA
France 4 2 0 10 116,5 17,5 44
5 6 NED
Netherlands 5 0 1 10 114,5 16 45
6 14 TUR
Turkiye 5 0 1 10 114 17,5 44
7 2 IND
India 5 0 1 10 113 16 45
8 19 GRE
Greece 5 0 1 10 111 18 40
9 5 GER
Germany 5 0 1 10 108 16 47
10 11 ENG
England 4 2 0 10 106 16,5 43
11 28 BUL
Bulgaria 5 0 1 10 105,5 16,5 43
12 7 AZE
Azerbaijan 4 2 0 10 104 16,5 42
13 30 UZB
Uzbekistan 2 5 0 1 10 99 16 40
14 1 USA
United States of America 5 0 1 10 99 16 38
15 18 IRI
Iran 4 1 1 9 116 18 43
16 23 ROU
Romania 3 3 0 9 114 17,5 43
17 20 CZE
Czech Republic 4 1 1 9 104,5 16,5 43
18 16 POL
Poland 4 1 1 9 101 17 41
19 38 SVK
Slovakia 4 1 1 9 100 17,5 38
20 39 BLR
Belarus 4 1 1 9 97 17,5 37
21 15 SRB
Serbia 4 1 1 9 97 15 44
22 27 AUT
Austria 4 1 1 9 96 16 40
23 37 LTU
Lithuania 4 1 1 9 95 17 39
24 36 SWE
Sweden 4 1 1 9 95 16,5 40
25 65 TKM
Turkmenistan 4 1 1 9 93 18 36
26 35 KAZ
Kazakhstan 4 1 1 9 92,5 17 38
27 32 AUS
Australia 4 1 1 9 76,5 15 36
28 8 HUN
Hungary 4 1 1 9 70,5 12 42
29 57 PHI
Philippines 4 0 2 8 102 18 40
30 13 ESP
Spain 4 0 2 8 101 16 43

...206 Teams

Die Mannschaft von Usbekistan, die von Rustam Kasimdzhanov als Teamkapitän betreut wird, hat noch keine einzige Partie verloren und kommt in 24 Partien auf 17 Siege und sieben Remis. Kein anderes Team punktet so gut, auch wenn China und Armenien ebenfalls noch keine Einzelniederlage hinnehmen mussten.

206 Mannschaften und über 1.000 Spieler starten in Samarkand im Open, aber nur noch drei von ihnen haben mindestens vier Partien gespielt und weiterhin eine ganz weiße Weste – keine Niederlage, kein Remis.

Spieler mit 100 % nach Runde 6

Spieler

Land

Elo

Punkte

Partien

Gegnerschnitt

Performance

Filip Magold

Rumänien

2494

4

4

2254

3054

Vladimir Hamitevici

Moldau

2446

4

4

2198

2998

Matias Haziel Lizano Quiros

Costa Rica

2169

4

4

2030

2830

Bei einem 100%-Ergebnis ist die Performance-Zahl allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn sie sagt nicht aus, dass Magold bislang besser gespielt hat als jemand, der "nur" auf 5,5 aus 6 oder 4,5 aus 5 kommt. Schaut man sich die Performances solcher Spieler an, fällt vor allem der erst 15-jährige Türke Yagiz Kaan Erdogmus auf. Er hat 4½ Punkte aus fünf Partien und kommt auf eine Performance von 2924. Er hat viermal gewonnen und gegen Nodirbek Abdusattorov Remis gespielt.

Yagiz Kaan Erdogmus | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE

Aber auch hier beeindrucken die Usbeken. Nodirbek Yakubboev kommt mit 4½ aus 5 auf eine Performance von 2862, Javokhir Sindarov hat 4 aus 5 und eine Performance von 2844. Wei Yi kommt für China auf 4 aus 5 bei einer Performance von 2819. Weniger bekannt als diese Spieler ist Meylis Annaberdiyev aus Turkmenistan. Er hat eine Elo-Zahl von 2384, kommt in Samarkand aber mit 4½ aus 5 auf eine Performance von 2788.

Fernduell Gukesh gegen Sindarov

Reizvoll ist in Samarkand natürlich auch das Fernduell zwischen Weltmeister Gukesh und Herausforderer Javokhir Sindarov, die im November in Genf um die Weltmeisterschaft spielen werden.

Gukesh spielt für Indien am vierten Brett und kommt mit vier Siegen und zwei Remis auf 5 Punkte aus 6 Partien. Das entspricht einer Performance von 2725, allerdings kommen seine sechs Gegner nur auf einen Elo-Schnitt von 2452. Sindarov spielt für Usbekistan am zweiten Brett und kommt mit drei Siegen und zwei Remis auf 4 Punkte aus 5 Partien. Diese 4 Punkte hat er allerdings gegen einen Gegnerschnitt von 2604 geholt, das entspricht einer Performance von 2844.

Nach Punkten liegt also Gukesh vorne, nach Qualität der Gegnerschaft und Performance Sindarov.

Javokhir Sindarov | Foto: Michal Walusza / FIDE

Erst Budapest, dann Samarkand: Frederik Svane punktet weiter

Deutschland startete mit fünf Siegen sehr gut in die Olympiade, verlor dann aber in Runde sechs 1:3 gegen China. Erfolgreichster deutscher Punktesammler ist bislang Frederik Svane, der mit 4½ aus 6 auf eine Performance von 2730 kommt und so da weitermacht, wo er bei der Schacholympiade in Budapest 2024 aufgehört hat. Dort holte er bei seiner ersten Olympiade am Reservebrett 8 Punkte aus 9 Partien und gewann Gold für das beste Einzelergebnis an diesem Brett.

Viel mehr als eine Momentaufnahme sind diese Zahlen allerdings nicht. Die zweite Halbzeit, die am Mittwoch beginnt, wird zeigen, ob Usbekistan weiter so überzeugend punktet, ob Erdoğmuş seine Form konserviert, ob Deutschland als Mannschaft seine Medaillenchancen wahrt und ob Frederik Svane – oder ein anderer deutscher Spieler – eine Einzelmedaille gewinnen kann.

Diese DVD bietet Ihnen alles, was Sie wissen müssen, um eine der zuverlässigsten und populärsten Eröffnungen mit Schwarz zu spielen: den Nimzo-Inder (1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4).

Links


Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
Diskussion und Feedback Senden Sie Ihr Feedback an die Redakteure