Sargissian gewinnt London Chess Classic Open

von André Schulz
19.12.2017 – Zum umfangreichen Rahmenprogramm der London Chess Classic gehörte auch ein FIDE Open. Dieses war mit vielen Großmeistern qualitativ und mit knapp 300 Spielern auch quantitativ gut besetzt. Im Fotofinish gewann Gabriel Sargissian. Überrschend stark: Vo Thi Kim Phung. (Foto: Lennart Ootes)

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Schachfestival London

Zu einem Spitzenschachturnier gehört ein Open einfach dazu. Ein Open lockt viele Schachfreunde an und sorgt für Atmosphäre. Ein Top-Turnier und eine Open sind zusammen ist fast schon ein Schachfestival. In Wijk aan Zee hat man vor vielen Jahren schon vorgemacht, wie es geht. Die London Chess Classic folgten diesem Vorbild und haben es noch mit vielen zusätzlichen Events rund um das Weltklasse-Turnier sogar noch deutlich erweitert. Mit ihrer Live-Berichterstattung setzten die London Chess Classic in dieser Hinsicht neue Maßstäbe.

Während die Spitzencracks im Theatersaal auf der Bühne saßen, betätigte sich das "Fußvolk" im Open. Allerdings waren auch hier zahlreiche prominenten und starke Spieler unterwegs. Die meisten der knapp 300 Spieler kamen naturgemäß aus England - über 100. Von den aus anderen Ländern angereisten Spielern stellte - man kann es sich fast denken - Indien das größte Kontingent. Aus der einstmals britischen Kolonie waren 23 Spieler zum Open der London Chess Classic angereist. Angeführt wurde die indische Reisgruppe nach Wertungszahl von Großmeister Sethuraman Sp. (2646). Mit seiner Elozahl war Sethuruman Siebter der Setzliste in London. Von den übrigen Indern führten nur noch Vishnu Prasanna V (2536) und Sundararajan Kidambi (2419) den Großmeistertitel.

Der 13-jährige Nihal Sarin, bislang Internationaler Meister, war mit seiner Elozahl von 2507 schon Elo-Dritter der inoffiziellen indischen Rangliste beim Open der London Chess Classic. Das indische Wunderkind war in London auf Normenjagd. Eine GM-Norm hat er schon gesammelt, zwei braucht er noch zum Titel. Thorsten Cmiel hat Nihal Sarins Partien in London in einem Extra-Artikel beleuchtet. Am Ende hat der junge Inder die Norm knapp verfehlt, obwohl er mit 6,5 Punkten nur einen Punkt hinter der Spitze als 22ter ins Ziel kam. 

Hinter Indien stellten Frankreich und Deutschland die größten Teilnehmergruppen mit je 15 Spielern am Start. Die Franzosen brachten dabei aber fünf Großmeistern mit, die Deutschen Alexander Donchenko und Florian Handke nur zwei.

Nach vier Runden lagen mit Hrant Melkumyan, Großmeister aus Armenien, Nihal Sarin und dem 22-jährigen Usbeken Jahongir Vakhidov noch drei Spieler mit maximaler Punktzahl in Führung. Melkumyan gewann das Spitzenspiel gegen Sarin. 

Hrant Melkumyan (Foto: Lennart Ootes)

Vakhidov hielt Gawain Jones auf Distanz. In der 6. Runden trennten sich die beiden verbliebenen 100%igen mit einem Remis und erlaubten dadurch dem englischen Großmeister Jonathan Hawkins, gleichzuziehen. Die beiden deutschen Großmeister Alexander Donchenko und Florian Handke lagen mit 5 Punkten nicht schlecht im Rennen.

Florian Handke (Foto: Lennart Ootes)

Hawkins unterlag in der 7. Runde Melkumyan und Vakhidov kassierte gegen den 26-jährigen Israeli Tamir Nabaty seine erste Niederlage. Melkumyain lag damit mit 6,5 aus 7 alleine in Führung. Nabaty kam als einziger Spieler auf 6 Punkte. Dahinter folgte eine Gruppe mit 18 Spielern mit 5,5 Punkten, in der sich auch Handke und Donchenko befanden. 

In Runde acht teilten Melkumyan und Nabaty nach langem Kampf im 79. Zug den Punkt. Handke verlor seine Partie gegen Gabriel Sargissian, während Donchenko sich gegen den Kanadier Aman Hambleton durchsetzten konnte. Zu den Siegern der Verfolgerduelle gehörte unter anderem auch der Franzose Sebastian Maze, der gegen den Inder Stany G.A. gewann. 

Hrant Melkumyan ging mit 7 Punkten und einem halben Punkt Vorsprung vor einer siebenköpfigen Spielergruppe in die Schlussrunde, in der er mit den weißen Steinen auf Alexander Motylev traf. Die Partie endete schon nach neun Zügen remis. Am Nebenbrett bezwang jedoch Sargissian Hawkins in einer interessanten Katalanischen Partie.

 

Sebastian Maze kam gegen die überraschend starke Vietnamesin Vo Thi Kim Phung zu einem Sieg und so lagen Sargissian, Melkumyan und Maze am Ende mit 7,5 Punkten gleichauf. Die Zweitwertung entschied zugunsten von Sargissian.

Der junge Usbeke Vakidov zeigte in der Schlussrunde noch einmal gegen Neil McDonald, welchen kräftigen Aufschlag er hat:

 

Alexander Donchenko spielte die Schlussrundenpartie gegen Nabaty remis. Der junge deutsche Großmeister wurde damit Achter mit einem halben Punkt weniger als das Führungstrio. Donchenko erzielte damit eine Eloperfomance von 2646 und gewinnt 10 Elopunkte. Florian Handke holte durch einen Sieg über Jovanka Houska wieder auf und beendete das Turnier mit 6,5 Punkten als 13ter, einen Platz vor Nihal Sarin. Handkes Performance von 2568 verspricht einen Elozugewinn von 7 Punkten.

Die 24-jährige vietnamesische Frauen-Großmeisterin Vo Thi Kim Phung startete mit ihrer Elozahl von 2380 als 61ste der Setzliste in das Turnier und kam am Ende mit 6,5 Punkten auf dem 22. Rang ins Ziel.

Vo Thi Kim Phung (Quelle: http://us.24h.com.vn/)

Dabei spielte sie eine Eloleistung von 2550 und wird damit über 40 Elopunkte hinzugewinnen. Die zweifache asiatische Mädchenmeisterin und amtierende asiatische Kontinentalmeisterin ist sicher eine der positiven Überraschungen des Turniers. Sie spielte im Verlauf des Turniers gegen sechs Großmeister, besiegte mit Daniel Gormally und Jules Moussard zwei davon, und ließ sich überhaupt nur von Sebastian Maze besiegen, und das auch erst nach 115 Zügen.

 

 

Endstand

Rk. Name Pts.
1 Sargissian Gabriel 7,5
  Melkumyan Hrant 7,5
  Maze Sebastien 7,5
4 Motylev Alexander 7,0
  Nabaty Tamir 7,0
  Grandelius Nils 7,0
  Cornette Matthieu 7,0
  Donchenko Alexander 7,0
  Kotronias Vasilios 7,0
10 Jones Gawain 6,5
  Hawkins Jonathan 6,5
  Vishnu Prasanna V 6,5
  Handke Florian 6,5
  Nihal Sarin 6,5
  Stany G.A. 6,5
  Vakhidov Jahongir 6,5
  Gormally Daniel W 6,5
  Hambleton Aman 6,5
  Bartholomew John 6,5
  Wells Peter K 6,5
  Cherniaev Alexander 6,5
  Vo Thi Kim Phung 6,5
  Gumularz Szymon 6,5
24 Moussard Jules 6,0
  Le Roux Jean-Pierre 6,0
  Mikhalevski Victor 6,0
  Fernandez Daniel H 6,0
  Fodor Tamas Jr 6,0
  Hector Jonny 6,0
  Elsness Frode 6,0
  Bilguun Sumiya 6,0
  Williams Simon K 6,0
  Cawdery Daniel 6,0
  Das Sayantan 6,0
  Ladron De Guevara Pinto Paolo 6,0
  Henderson De La Fuente Lance 6,0
  Arkell Keith C 6,0
  Hansen Torbjorn R 6,0
  Baenziger Fabian 6,0
  Munguntuul Batkhuyag 6,0
  Zujev Oleg 6,0
  Krishna Teja N 6,0
  Paterek Michal 6,0
  Merriman John 6,0

287 Spieler

Partien

 

Links:

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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André André 20.12.2017 01:25
@pheromonik Danke für den freundlichen Kommentar. Die Darstellung der Platzierungen in der Tabelle ist in der Tat etwas unübersichtlich. Die entsprechende Passage wurde korrigiert.
Pheromonik Pheromonik 20.12.2017 11:36
Also, die Platzierungen von Donchenko und Handke im Artikel stimmen ja überhaupt nicht. Platzierung und Setzlistennummer zu verwechseln ist schon ein starkes Stück.
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