Sportlicher Wettkampf und siegreiche Athleten

von Olaf Steffens
04.08.2026 – Mit Leonardo Costa und Jana Schneider wurden beim Schachgipfel in Dresden die neuen Deutschen Meister gekürt. In den Kandidatenturnieren qualifizierten sich John Heinrich und Paula Czäczine für das nächste Meisterturnier. In seinem Beitrag zum Schachgipfel schlägt Olaf Steffens eine etwas höhere Durchlässigkeit vom Kandidatenturnier zum Meisterturnier vor. | Foto: Geheimnisvolles Dresden (1) (Fotos: Olaf Steffens)

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Dieser Beitrag erschien auf Olaf Steffens Blog "Vegane Schachkatzen". Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.

Sportlicher Wettkampf und siegreiche Athleten

Das war‘ s! Für viele Tage und mehr tummelten sich die Schachspieler und Schachspielerinnen des Landes im schönen Dresden an der Elbe. In allerlei Disziplinen maßen sie miteinander ihre Kräfte, Meisterklasse, Kandidaten, Männer, Frauen, Amateure, Senioren, sowie die Pokalhelden und schnellsten Blitzhände der Bundesrepublik.

Was für ein großartiges Treffen unserer … Familie! Ein großer Dank dafür gebührt dem Deutschen Schachbund und allen, allen ehrenamtlichen HelferInnen, die an den vollgepackten Turniertagen und davor alles gegeben haben für einen perfekt reibungslosen Ablauf.

Und … die Schachfamilie, was treibt sie so?

Niclas Huschenbeth und Dmitrij Kollars: Die Meisterklasse misst sich am Schachbrett

Viele kennen sich seit Jahrzehnten und – Senioren Ü50, Senioren Ü65 – spielten bereits in den späten Sechzigern des letzten Jahrtausends ihre Meisterschaften und Ligen. Das ist mehr als ein halbes Jahrhundert her, und schnell wird die Zeit seitdem vergangen sein. Und immer noch zieht es sie, zieht es uns zurück an die Bretter, um zu probieren, um zu kreieren, um zu kämpfen, zu zocken, zu gewinnen, was für ein Spaß!

Neben den älteren Schachsemestern war auch die heutige Jugend zahlreich vertreten, vornehmlich bei der Deutschen Amateurmeisterschaft (DSAM) im großen Saal des Dresdner Kongresszentrums. Hier spielten die Qualifizierten 5 Partien an drei Tagen, entschieden ihre Gruppen für sich, und die Nummer 1, der Beste der A-Gruppe, wird im kommenden Jahr bei den Kandidaten dabei sein.

Kandidaten? Ja, die Kandidaten, das zweitstärkste amtliche deutsche Turnier! Männer und Frauen getrennt, wird hier das Rennen ausgetragen um die vorderen Ränge, denn die Sieger qualifizieren sich für ein Stelldichein mit der –> Meisterklasse im nächsten Jahr in Stuttgart.

Geheimnisvolles Dresden

Einmal mit Niclas Huschenbeth, Rasmus Svane und Alexander Donchenko, Jana Schneider, Elisabeth Pähtz einen Umlauf spielen – wer möchte das nicht? Doch dafür müsste man die Kandidaten gewinnen, denn anders als in den letzten Jahren kommt mittlerweile nur noch der beste Kandidat hinauf in den Olymp der Meister.

Im vergangenen Jahr noch waren es derer zweie, die beiden IMs Tobias Kügel und Dr. Georg Braun, und so sah man sie jetzt in Dresden im Masters zusammen mit den acht anderen weltbesten Deutschen.

Wir sagen da mal: leider, leider gibt es von nun an nur noch einen versprengten Aufrücker zu den Meistern, und wir finden das eigentlich sehr langweilig!

Isch kandidiere

In diesem Jahr ist es der Dresdener FIDE-Meister John Heinrich (Gratulation!), doch zugleich hat der Lippstädter IM Hussain Besou von seinem zweiten Platz nicht viel (abgesehen natürlich von einem prima Preisgeld!). Ähnlich ist es bei den Kandidatinnen – anders als im Vorjahr qualifiziert sich diesmal allein die Siegerin Paula Czäczine aus Chemnitz für die Meisterrunde 2027.

Kandidatenturnier also – ja gut, aber wenn nur eine(r) von beinahe vierzig weiterkommt, dann ist es doch eher ein Kandidatchenturnier.

Was soll diese Reform – warum wurde dieses phantastische Sprungbrett ins Meisterland gekappt?

Georg Braun biegt Alexander Donchenko um – historisch, und wunderschön gespielt!

Eine ähnlich höhere Durchlässigkeit nach oben könnte man gerne auch für den Dähnepokal und die DSAM erwägen. Sehr schön ist es natürlich, dass hier aktuell bereits die oder der jeweilige Sieger im nächsten Jahr bei den knapp 40 Kandidaten spielen dürfen. Wie anregend, und – wie aufregend! Ein steter Fluss von frischen Ideen, und Spielern, die sich verdientermaßen nach langen Anstrengungen qualifizierten.

Indes.

Wäre es nicht noch viel aufregender, würden auch hier die besten Drei durchrücken zum Kandidatenturnier, die drei Pokalfinalisten und die drei besten DSAM-Spieler?

Was wäre das ein Kribbeln, wüsste man, dass die erste Pokalpartie im eigenen Schachbezirk ein Weg sein könnte, am Ende bis zu den Kandidaten zu kommen? Das bewiese doch basisdemokratisches Flair.

Und es zeigte ein schönes Signal der Transparenz in diesen schwierigen Zeiten – mit einem durchlässigen Spielsystem, durch das auch die DSAM und der großartige, doch mittlerweile vom Elo-Niveau etwas ausbaufähige Dähne-Pokal deutlich aufgewertet würden.

Geheimnisvolles Dresden (2)

Der Modus der Kandidaten aktuell ist so:

Zwanzig Plätze werden an die Landesverbände vergeben, weitere 8 Plätze unter anderem an die Schachjugend, an den Deutschen Blinden-und Sehbehinderten Schachbund und weitere. Es summiert sich so auf gut 28 Teilnehmer – damit sind rund 10 der diesjährigen Kandidaten durch nicht näher definierte (und wer diese eigentlich vergibt) Freiplätze ins Turnier gekommen.

Schön und gut, auch das ist ein tragbares Verfahren. Aufregender nur wäre es, wenn die große Gruppe der regulären Schachfreunde, die Basis von allem, was sich im Deutschen Schachsport bewegt – wenn sich einige mehr von ihnen auf dem Weg durch zwei enorm renommierte Turnierformate ganz regulär qualifizieren könnten!

Zwei mehr aus dem Dähnepokal, zweie mehr aus der DSAM A-Gruppe. Transparenter. Inspirierender. Die sportliche Lösung, und – was für ein Ansporn für alle SpielerInnen! Für (kaum näher definierte) Freiplätze wären selbst dann immer noch 6 Sitze frei. Genügt doch, eigentlich.

Sicher kann man diesen Vorschlag für eine minimale Qualifikationsreform irgendwo anbahnen, einbringen, anregen – nur wo? Das wissen die Insider besser. Ich frage mal, ganz initiativ, beim Bremer Landesschachbund.

Abgesehen davon aber – es war eine wundervolle, eine intensive Zeit mit so, so, so viel Schach an den Ufern der Elbe. (Sowie abends mit Getränken am Alten Markt.)

Und wer wurde eigentlich Deutscher Meister? Bei den Frauen schaffte es Jana Schneider aus Regensburg, wir gratulieren! Und bei den Männern holte der unglaubliche Leonardo Costa aus München den Titel!

Geheimnisvolles Dresden (3)

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Kandidatinnen, Meister, C-Gruppe oder Pokal – wir sind doch eigentlich gut genug

Links:

Schachgipfel: Die Ergebnisse der Amateurmeisterschaft
Alles über die KandidatInnen!
Neuer Deutscher Meister: Leonardo Costa!
Neue Deutsche Meisterin: Jana Schneider!


Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919, den MTV Leck, den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Von 2012 bis 2021 Manager des Schachbundesliga-Teams des SV Werder Bremen. Bloggt seit 10 Jahren auf www.schach-welt.de und VeganeSchachkatzen.de.
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