Ursprünglich sollte der European Club Cup in Herceg Novi stattfinden. Doch wegen plötzlich notwendig gewordenen Arbeiten am Hotel Medun, das eigentlich als Austragungsort vorgesehen war, wurde der Wettbewerb kurzfristig nach Budva, in eine Ferienanlage am Fluss Grdvica verlegt.

Der European Club Cup wächst und wächst. Bei der diesjährigen Ausgabe bewerben sich im offenen Turnier schon 108 Mannschaften um den virtuellen Pokal für Vereinsmannschaften, noch ein paar mehr als im letzten Jahr. Das Turnier erfreut sich insbesondere unter den Amateuren zunehmender Beliebtheit, denn hier treffen sie mit ihren Mannschaften mit etwas Glück auf starke Profiteams oder spielen zumindest in der Nähe der Spitzenspieler.
Das Turnier hat den Charakter einer Schacholympiade, aber wer mitspielen möchte, muss nicht Nationalspieler sein. Die Bedingungen der European Chess Union sind recht weich. Jeder Verband darf fünf Mannschaften anmelden, beziehungsweise vier, wenn in einem Verband keine nationale Meisterschaft durchgeführt wird. Auf Antrag können aber auch noch mehr Teams mitspielen. Die Verbände regeln selber, welche ihrer Vereine zur Teilnahme berechtigt sind.
Im Unterschied zur Schacholympiade wird beim Club Cup an sechs Brettern gespielt, was das Turnier für die schachbegeisterten Amateure noch attraktiver macht, weil mehr Schachfreunde mitspielen können.
Anders als in anderen Sportarten, dürfen Schachspieler gleichzeitig in mehreren Ligen gemeldet sein und mitspielen. Davon machen die Profis auch reichlich Gebrauch. Das führt dazu, dass es bei den starken Proficlubs eine Art Bieterwettbewerb um die besten Spieler gibt. Im Club Cup können Sie ja nicht gleichzeitig für alle ihre Vereine spielen und müssen sich entscheiden - in der Regel für das beste finanzielle Angebot.
In früheren Jahren gehörten stark besetzte Mannschaften aus Russland mit zu den Favoriten, doch die Zeiten haben sich geändert. Russland ist wegen seines Angriffskrieges gegen das Nachbarland Ukraine suspendiert und hat als Konsequenz auch die European Chess Union verlassen und ist nach Asien gewechselt.
So hat sich der Eloschwerpunkt der Top-Mannschaften in andere Gebiete verlagert, geografisch gesehen in Richtung Südwesten des Kontinents.
Im offenen Turnier sind die Teams an der Spitze der Setzliste mehr oder weniger die gleichen wie im letzten Jahr. Titelverteidiger Super Chess Romania muss in diesem Jahr ohne Gukesh auskommen. Der Weltmeister hat demnächst einen wichtigen Termin. Nodirbek Abdusattorov übernimmt die Rolle des Spielführers an Brett eins.
Vor Super Chess liegen in der Setzliste der türkische Bayegan Pendik Chess Sports Club und das mazedonische Team Alkaloid, beide nach ihrem Sponsor benannt. Alkaloid ist ein Pharmaunternehmen, Bayegan operiert im Bereich der Petrochemie. Pendik ist ein Stadtteil Istanbuls auf der asiatischen Seite. Der türkische Spitzenclub war im letzten Jahr im Schlussklassement Dritter, Alkaloid Zweiter.
Der Bayegan Pendik Chess Sports Club spielt mit Anish Giri am ersten Brett und hat unter anderem die beiden türkischen Supertalente Yagiz Kaan Erdogmus und Ediz Gürel im Team, ebenso den jungen Russen Volodar Murzin, der unter FIDE-Flagge antritt. Mit Tabatabaei, Mamedyarov und Rapport werden noch einige weitere 2700-Schwegewichte am Punktekampf teilnehmen.
Alkaloid hält mit vielen Spielern aus Indien und China dagegen, mit Arjun Erigaisi und Wei Yi an den Spitzenbrettern.
Immer zu den Favoriten gehört auch die Mannschaft von Novy Bor, die den Cup schon dreimal gewinnen konnte. Im letzten Jahr hatten die Tschechen mit Vincent Keymer einen ihrer besten Punktesammler. Er holte fünf Punkte in sechs Runden. Novy Bor gewann Bronze. Keymer fehlt jedoch in der diesjährigen Ausgabe. Vielleicht hat er anderes zu tun. Nihal Sarin und Harikrishna werden das Team anführen.
Deutschland ist mit sechs Klubs vertreten, aber nur mit zwei Bundesligisten, den Schachfreunden Berlin und St. Pauli, die beide ohne Profis antreten. Außerdem spielen noch der SC Erlangen, der frühere Bundesligist SV Mülheim-Nord, der TSV Schönaich und der SK Weiß Dame Hamburg.
Da Vincent Keymer fehlt, ist Matthias Blübaum der beste deutsche Spieler im Turnier. Er spielt an Brett zwei für das ungarische Team Tuxera Aquaprofit Nagykanizsai.
Top-Teams
| Nr. | Team | EloDS | |
|---|---|---|---|
| 1 | Bayegan Pendik Chess Sports Club | 2715 | |
| 2 | Alkaloid | 2686 | |
| 3 | SuperChess Romania | 2682 | |
| 4 | Novy Bor Chess Club | 2659 | |
| 5 | Tuxera Aquaprofit Nagykanizsai | 2633 | |
| 6 | Vugar Gashimov | 2573 | |
| 7 | Elektroprivreda | 2573 | |
| 8 | Ashdod chess club | 2554 | |
| 9 | Rishon LeZion A | 2541 | |
| 10 | Beer Sheva Chess Club | 2467 | |
| 11 | Aix-en-Provence | 2451 | |
| 12 | SK K CERO INVEST Nitra | 2438 | |
| 13 | Riehen | 2433 | |
| 14 | Sigil Fund Pardubice | 2425 | |
| 15 | Schachfreunde Berlin 1903 | 2421 | |
| 16 | Cheddleton Savills Caterling | 2410 | |
| 17 | TJ Slavia CAISSA Cadca | 2407 | |
| 18 | MTK Budapest 1 | 2393 | |
| 19 | C.A Silla Integrant Col-lectius | 2389 | |
| 20 | SK Rockaden team 1 | 2388 |
108 Mannschaften
Alle Mannschaften bei chess-results...
Etwas übersichtlicher gestaltet sich das Bild im Frauenturnier, bei dem die Kämpfe nur an vier Brettern ausgespielt werden. Top-Favorit ist wie immer das Profiteam Cercle d'échecs de Monte-Carlo. Neunmal konnte Monte-Carlo schon den Frauen Cup gewinnen, auch im letzten Jahr, und ist damit der Rekordsieger. Elisabeth Pähtz gehört seit vielen Jahren zum Team und spielt auch in Budva wieder mit.
Die Teams von Sirmium Sremska Mitrovica und Super Chess sind die engsten Konkurrenten um den Turniersieg.
Mit der SG Löberitz und dem Klub Kölner Schachfreunde spielen auch zwei Vereine aus Deutschland mit. Für Löberitz spielt seit vielen Jahren Dana Reicnieze-Ozola. Sie war zeitweise Ministerin in ihrem Heimatland Lettland und arbeitet inzwischen für die FIDE. Dana Reizniece-Ozola spielt mit vier weiteren lettischen Spielerinnen an ihrer Seite. Rebekka Schuster, Vizepräsidentin der SG Löberitz, vertritt die deutschen Farben und fungiert vermutlich auch als Kapitänin.
Der Klub Kölner Schachfreunde schickt eine interessante Besetzung ins Rennen, mit den Streamerinnen Katharina Reinicke und Hannah Sayce, der Niederländerin Anna Maia Kazarian und der Polin Anna Kantane.
Alle Teams
| Nr. | Team | EloDS | |
|---|---|---|---|
| 1 | Cercle d'Echecs de Monte-Carlo | 2477 | |
| 2 | Sirmium Sremska Mitrovica | 2440 | |
| 3 | SuperChess Romania | 2400 | |
| 4 | CE Gambit Bonnevoie | 2387 | |
| 5 | Odlar Yurdu | 2373 | |
| 6 | Gambit ASEE | 2328 | |
| 7 | Crvena Zvezda | 2224 | |
| 8 | Club Ajedrez Linares | 2183 | |
| 9 | SG 1871 Loeberitz | 2180 | |
| 10 | GASCO Pardubice | 2177 | |
| 11 | Zenski sahovski klub NAPREDAK Zenica | 2128 | |
| 12 | She Plays To Win Lionesses A | 2126 | |
| 13 | Klub Kolner Schachfreunde | 2082 | |
| 14 | Gostivar | 2060 | |
| 15 | Davit Jojua's chess club | 2055 | |
| 16 | Wasa SK | 2007 | |
| 17 | SK Radnicki | 2006 | |
| 18 | Velikova Chess Club | 2001 | |
| 19 | Oslo Schakselskap | 1904 | |
| 20 | She Plays To Win Lionesses B | 1849 | |
| 21 | Accademia Scacchistica Romana | 1808 | |
| 22 | Klaipeda | 1703 |
Der Club Cup wird seit vielen Jahren über sieben Runden nach Schweizer System gespielt, was bei über 100 Teilnehmer-Mannschaften im offenen Wettbewerb nicht gerade viel ist.
Preisgelder:

Zeitplan:
