Start des European Club Cup in Budva

von André Schulz
16.10.2026 – Vom 17. bis 23. Oktober ist Budva in Montenegro Schauplatz des Europapokals der Vereine. Mit über 100 Mannschaften im offenen Wettbewerb und 22 Teams im Frauenturnier ist es ein gewaltiger Wettbewerb. Die Favoritenteams kommen aus der Türkei und aus Monaco.

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Ursprünglich sollte der European Club Cup in Herceg Novi stattfinden. Doch wegen plötzlich notwendig gewordenen Arbeiten am Hotel Medun, das eigentlich als Austragungsort vorgesehen war, wurde der Wettbewerb kurzfristig nach Budva, in eine Ferienanlage am Fluss Grdvica verlegt.

Der European Club Cup wächst und wächst. Bei der diesjährigen Ausgabe bewerben sich im offenen Turnier schon 108 Mannschaften um den virtuellen Pokal für Vereinsmannschaften, noch ein paar mehr als im letzten Jahr. Das Turnier erfreut sich insbesondere unter den Amateuren zunehmender Beliebtheit, denn hier treffen sie mit ihren Mannschaften mit etwas Glück auf starke Profiteams oder spielen zumindest in der Nähe der Spitzenspieler.

Das Turnier hat den Charakter einer Schacholympiade, aber wer mitspielen möchte, muss nicht Nationalspieler sein. Die Bedingungen der European Chess Union sind recht weich. Jeder Verband darf fünf Mannschaften anmelden, beziehungsweise vier, wenn in einem Verband keine nationale Meisterschaft durchgeführt wird. Auf Antrag können aber auch noch mehr Teams mitspielen. Die Verbände regeln selber, welche ihrer Vereine zur Teilnahme berechtigt sind. 

Im Unterschied zur Schacholympiade wird beim Club Cup an sechs Brettern gespielt, was das Turnier für die schachbegeisterten Amateure noch attraktiver macht, weil mehr Schachfreunde mitspielen können.

Anders als in anderen Sportarten, dürfen Schachspieler gleichzeitig in mehreren Ligen gemeldet sein und mitspielen. Davon machen die Profis auch reichlich Gebrauch. Das führt dazu, dass es bei den starken Proficlubs eine Art Bieterwettbewerb um die besten Spieler gibt. Im Club Cup können Sie ja nicht gleichzeitig für alle ihre Vereine spielen und müssen sich entscheiden - in der Regel für das beste finanzielle Angebot.

Die Favoriten-Teams

In früheren Jahren gehörten stark besetzte Mannschaften aus Russland mit zu den Favoriten, doch die Zeiten haben sich geändert. Russland ist wegen seines Angriffskrieges gegen das Nachbarland Ukraine suspendiert und hat als Konsequenz auch die European Chess Union verlassen und ist nach Asien gewechselt.

So hat sich der Eloschwerpunkt der Top-Mannschaften in andere Gebiete verlagert, geografisch gesehen in Richtung Südwesten des Kontinents.

Im offenen Turnier sind die Teams an der Spitze der Setzliste mehr oder weniger die gleichen wie im letzten Jahr. Titelverteidiger Super Chess Romania muss in diesem Jahr ohne Gukesh auskommen. Der Weltmeister hat demnächst einen wichtigen Termin. Nodirbek Abdusattorov übernimmt die Rolle des Spielführers an Brett eins.

Vor Super Chess liegen in der Setzliste der türkische Bayegan Pendik Chess Sports Club und das mazedonische Team Alkaloid, beide nach ihrem Sponsor benannt. Alkaloid ist ein Pharmaunternehmen, Bayegan operiert im Bereich der Petrochemie. Pendik ist ein Stadtteil Istanbuls auf der asiatischen Seite. Der türkische Spitzenclub war im letzten Jahr im Schlussklassement Dritter, Alkaloid Zweiter. 

Der Bayegan Pendik Chess Sports Club spielt mit Anish Giri am ersten Brett und hat unter anderem die beiden türkischen Supertalente Yagiz Kaan Erdogmus und Ediz Gürel im Team, ebenso den jungen Russen Volodar Murzin, der unter FIDE-Flagge antritt. Mit Tabatabaei, Mamedyarov und Rapport werden noch einige weitere 2700-Schwegewichte am Punktekampf teilnehmen.

Alkaloid hält mit vielen Spielern aus Indien und China dagegen, mit Arjun Erigaisi und Wei Yi an den Spitzenbrettern. 

Immer zu den Favoriten gehört auch die Mannschaft von Novy Bor, die den Cup schon dreimal gewinnen konnte. Im letzten Jahr hatten die Tschechen mit Vincent Keymer einen ihrer besten Punktesammler. Er holte fünf Punkte in sechs Runden. Novy Bor gewann Bronze. Keymer fehlt jedoch in der diesjährigen Ausgabe. Vielleicht hat er anderes zu tun. Nihal Sarin und Harikrishna werden das Team anführen.

Deutschland ist mit sechs Klubs vertreten, aber nur mit zwei Bundesligisten, den Schachfreunden Berlin und St. Pauli, die beide ohne Profis antreten. Außerdem spielen noch der SC Erlangen, der frühere Bundesligist SV Mülheim-Nord, der TSV Schönaich und der SK Weiß Dame Hamburg.

Da Vincent Keymer fehlt, ist Matthias Blübaum der beste deutsche Spieler im Turnier. Er spielt an Brett zwei für das ungarische Team Tuxera Aquaprofit Nagykanizsai.

Top-Teams

Nr. Team EloDS
1
Bayegan Pendik Chess Sports Club 2715
2
Alkaloid 2686
3
SuperChess Romania 2682
4
Novy Bor Chess Club 2659
5
Tuxera Aquaprofit Nagykanizsai 2633
6
Vugar Gashimov 2573
7
Elektroprivreda 2573
8
Ashdod chess club 2554
9
Rishon LeZion A 2541
10
Beer Sheva Chess Club 2467
11
Aix-en-Provence 2451
12
SK K CERO INVEST Nitra 2438
13
Riehen 2433
14
Sigil Fund Pardubice 2425
15
Schachfreunde Berlin 1903 2421
16
Cheddleton Savills Caterling 2410
17
TJ Slavia CAISSA Cadca 2407
18
MTK Budapest 1 2393
19
C.A Silla Integrant Col-lectius 2389
20
SK Rockaden team 1 2388

108 Mannschaften

Alle Mannschaften bei chess-results...

Frauen-Cup

Etwas übersichtlicher gestaltet sich das Bild im Frauenturnier, bei dem die Kämpfe nur an vier Brettern ausgespielt werden. Top-Favorit ist wie immer das Profiteam Cercle d'échecs de Monte-Carlo. Neunmal konnte Monte-Carlo schon den Frauen Cup gewinnen, auch im letzten Jahr, und ist damit der Rekordsieger. Elisabeth Pähtz gehört seit vielen Jahren zum Team und spielt auch in Budva wieder mit.

Die Teams von Sirmium Sremska Mitrovica und Super Chess sind die engsten Konkurrenten um den Turniersieg.

Mit der SG Löberitz und dem Klub Kölner Schachfreunde spielen auch zwei Vereine aus Deutschland mit. Für Löberitz spielt seit vielen Jahren Dana Reicnieze-Ozola. Sie war zeitweise Ministerin in ihrem Heimatland Lettland und arbeitet inzwischen für die FIDE. Dana Reizniece-Ozola spielt mit vier weiteren lettischen Spielerinnen an ihrer Seite. Rebekka Schuster, Vizepräsidentin der SG Löberitz, vertritt die deutschen Farben und fungiert vermutlich auch als Kapitänin.

Der Klub Kölner Schachfreunde schickt eine interessante Besetzung ins Rennen, mit den Streamerinnen Katharina Reinicke und Hannah Sayce, der Niederländerin Anna Maia Kazarian und der Polin Anna Kantane.

Alle Teams

Nr. Team EloDS
1
Cercle d'Echecs de Monte-Carlo 2477
2
Sirmium Sremska Mitrovica 2440
3
SuperChess Romania 2400
4
CE Gambit Bonnevoie 2387
5
Odlar Yurdu 2373
6
Gambit ASEE 2328
7
Crvena Zvezda 2224
8
Club Ajedrez Linares 2183
9
SG 1871 Loeberitz 2180
10
GASCO Pardubice 2177
11
Zenski sahovski klub NAPREDAK Zenica 2128
12
She Plays To Win Lionesses A 2126
13
Klub Kolner Schachfreunde 2082
14
Gostivar 2060
15
Davit Jojua's chess club 2055
16
Wasa SK 2007
17
SK Radnicki 2006
18
Velikova Chess Club 2001
19
Oslo Schakselskap 1904
20
She Plays To Win Lionesses B 1849
21
Accademia Scacchistica Romana 1808
22
Klaipeda 1703

Der Club Cup wird seit vielen Jahren über sieben Runden nach Schweizer System gespielt, was bei über 100 Teilnehmer-Mannschaften im offenen Wettbewerb nicht gerade viel ist. 

Preisgelder:

Zeitplan:

Offizielle Turnierseite...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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