TePe Sigeman: Carlsen schlägt erst Erdogmus und dann Erigaisi

von Stefan Liebig
08.05.2026 – Was für eine Dramatik beim TePe Sigeman & Co Chess Tournament in Malmö: Lange sah es nach einem Dreier-Tiebreak aus: Überraschenderweise stand Arjun Erigaisi gegen Andy Woodward mit dem Rücken zur Wand, während die Partie zwischen dem jahrelangen Dominator Magnus Carlsen und Jungstar Yagiz Kaan Erdogmus unentschieden stand. Doch dann rettete sich Erigaisi in ein Remis und Carlsen gewann in seiner unnachahmlichen Marnier. Also gab es ein Stechen zwischen diesen beiden – und Carlsen gewann. | Foto: Peter Doggers / Official website

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Der nervenstarke Carlsen 

Es war wie so oft: Magnus Carlsen steht am Ende auf dem obersten Treppchen. Nach seinem Auftakt mit zwei aus vier und der Viertrundenniederlage gegen Jorden van Foreest sah es nach einem misslungenen Comeback im klassischen Schach für den Norweger aus. Doch es kam – wie so oft – anders. Und das, obwohl Arjun Erigaisi als klarer Favorit auf den Turniersieg in die letzte Runde ging. Der Inder war ungeschlagen, hatte die beiden letzten Runden gewonnen und mit Andy Woodward den vermeintlich leichteren Letztrundengegner. Wie Carlsen gegen wieder stark spielenden Yagiz Kaan Erdogmus, hatte auch Erigaisi Weiß und damit alle Trümpfe in der Hand. Doch es sollte sich zeigen, dass die allzu aktive Herangehensweise des Inders ihn in eine verlorene Stellung bringen sollte, die er aber wie durch ein Wunder noch in ein Remis retten konnte.

Erigaisi machte schnell klar, dass er sich mit einer Gewinnpartie den Turniersieg sichern will – doch Andy Woodward wollte da nicht mitspielen ... | Foto: Peter Doggers 

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Während Erigaisi auf der Verliererstraße schien, tat sich in der Partie zwischen Carlsen und Erdogmus wenig. Nach den für Carlsen offenbar überraschenden Eröffnungszügen (1.d4 d5 2.c4 c5), wurden schnell die Damen getauscht und der junge Türke fand den nicht einfachen Weg, die Stellung dauerhaft ausgeglichen zu halten. Doch Carlsen ist eben genau dafür bekannt, solche Stellungen so lange zu kneten, bis der Gegner patzt – und genau das passierte einmal mehr:

Das erste Aufeinandertreffen in einer klassischen Partie: Kampf der Generationen. | Foto: Peter Doggers 

Hier die aufregende Partie zwischen Erigaisi und Woodward:

Es sah also lange nach einem Gleichstand von Erigaisi, Carlsen und Erdogmus aus. Mit der Niederlage des Inders und einem Remis bei den Verfolgern hätten alle 4,5 Punkte gehabt. Durch die beiden Wendungen in den Partien standen aber schließlich nur Erigaisi und Carlsen mit jeweils 5 Punkten an der Spitze.

Sehen Sie, welche Eröffnungen Carlsen wählt, um seinen Gegner im Mittelspiel strategisch zu überspielen oder ein vorteilhaftes Endspiel zu erhalten.

Tiebreak

Typische Carlsen-Mimik: Partie 2 des Stichkampfs lief nicht nach seinem Geschmack. | Foto: Peter Doggers

Magnus Carlsen und Arjun Erigaisi hatten beide gerade lange, hart umkämpfte klassische Partien gespielt und erhielten anschließend etwa dreißig Minuten Zeit, sich an einen anderen Rhythmus zu gewöhnen. Die Regeln in Malmö sahen vor, dass bei Punktgleichheit um den ersten Platz ein Blitzmatch mit zwei Partien und einer Bedenkzeit von 3½ Minuten plus 2 Minuten entschieden werden sollte. Sollte es weiterhin unentschieden stehen, würde es kein Armageddon-Match geben – stattdessen würden die Spieler Blitzpartien mit jeweils 2½ Minuten Bedenkzeit für Weiß und 3 Minuten für Schwarz spielen, wobei der erste Sieg den Wettkampf entscheiden würde.

Erigaisi spielte die erste Blitzpartie mit Weiß, die mit einer Nimzoindischen Verteidigung begann. Die Spieler erreichten ein Endspiel mit Läufer und Springer gegen das Läuferpaar, wobei jeder vier Bauern hatte. Die Stellung war objektiv betrachtet nahezu ausgeglichen, obwohl Carlsen mit Schwarz einen minimalen Vorteil hatte. Die Partie wurde durch einen einzigen Fehler entschieden.

Erigaisi spielte 41.Sa6?, was 41…Ld6 ermöglichte und den Springer einkesselte, indem er ihm die Fluchtfelder raubte. Die korrekte Fortsetzung war 41.Lc4+ Kf6 42.Sd5, wodurch der Springer wieder ins Spiel kam. Nach diesem Fehler benötigte Carlsen nur noch fünf Züge, um Erigaisis Aufgabe zu erzwingen und die Führung im Match zu übernehmen.

Erigaisi geriet dadurch in der zweiten Blitzpartie unter Zugzwang und wählte verständlicherweise die Pirc-Verteidigung. Carlsen hielt die Stellung eine Zeit lang unter Kontrolle, beging dann aber mit dem überambitionierten Zug 21. f4?! einen Fehler.

Stattdessen war 21.Ta3 die bessere Wahl, nicht nur objektiv, sondern auch aus praktischer Sicht angesichts der Spielsituation. Erigaisi übernahm daraufhin das Zepter und verwandelte den Aufschlag sauber, glich den Spielstand aus und erzwang die nächste Tiebreak-Phase.

Die dritte Partie wurde im Blitzschach mit Sudden Death gespielt. Carlsen nahm Schwarz und erhielt 30 Sekunden Bedenkzeit. Erigaisi spielte die Eröffnung schneller, und Carlsens anfänglicher Zeitvorteil schmolz rasch dahin. In der entscheidenden Phase behielt Carlsen jedoch die Nerven besser. Der letzte Fehler war 34.Ta1??.

Der Turmrückzug, der 34…De3+ 35.Kh2 Sxd4 ermöglichte, griff den Springer auf e5 an und bereitete einen möglichen Abzugsangriff gegen die Dame auf b6 vor.

Nach 36.Sg4 Sxf3+ gab Erigaisi auf, da die Dame auf b6 ungedeckt war. Carlsen gewann somit das Blitz-Playoff nach drei Partien und sicherte sich den TePe-Sigeman-Titel.

Das gewohnte Bild: Carlsen sichert sich den Siegerscheck. | Foto: Peter Doggers

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Weitere Platzierungen

Im Kampf gegen den letzten Platz reichte Zhu Jiner ein Remis. Nils Grandelius behielt die rote Laterne. | Foto: Peter Doggers

Durch seine Niederlage gegen den Ex-Weltmeister rutschte Erdogmus sogar noch auf Rang 4 hinter Nodirbek Abdusattorov, der in der letzten Runde gegen Jorden van Foreest remisierte. Der Niederländer wurde damit Fünfter. Andy Woodward landete durch den verpassten Sieg gegen Erigaisi einen halben Punkt hinter van Foreest, hatte aber einen Punkt Vorsprung auf Zhu Jiner, die in der letzten Runde gegen Schlusslicht Nils Grandelius remisierte.

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Ergebnisse Runde 7 

Tabelle nach Runde 7

Partien

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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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