Heute vor 175 Jahren, am 11. Juni 1851, wurde in Cosel (poln.: Kozle), Oberschlesien, Theodor von Scheve geboren. Er lernte Schach erst im Alter von knapp 20 Jahren, erlangte aber dennoch Meisterstärke. Das sollte allen Mut geben, die sich wie er erst spät intensiver mit dem Schach beschäftigen. Auch dann kann man noch erfolgreich sein.
Theodor Adolf von Scheve entstammte einer alteingesessenen mecklenburgisch-pommerschen Adelsfamilie, deren männliche Familienmitglieder zumeist in verschiedenen Funktionen im preußischem Staatsdienst beschäftigt waren. Sein Vater Adolf Friedrich Karl von Scheve (1802 - 1878) war Major in der preußischen Armee und hatte mit seiner Frau Adolfine, geborene Benecke (1821–1880), neben seinem Sohn Theodor Adolf noch elf weitere Kinder. Theodor von Scheve schlug wie sein Vater eine Laufbahn beim Militär ein und kam während seiner Ausbildung zum Offizier mit dem Schach in Berührung. Er nahm am Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 teil, zog sich dort aber ein Lungenleiden zu und musste den Dienst im Rang eines Premierleutnants quittieren. Von Scheve lebte nun viele Jahre in Breslau, wo er mit einigen anderen Schachliebhabern den Breslauer Schachklub, benannt nach dem Breslauer Meister Adolf Anderssen, gründete.
Von Scheves älteste überlieferte Partien stammen aus den späten 1870er Jahren - drei freie Partien, die er gegen den jungen Siegbert Tarrasch spielte und alle drei verlor.
1881 nahm Von Scheve im Hauptturnier am 2. DSB-Kongress teil und wurde Dritter hinter Berthold Lasker und Siegbert Tarrasch. Theodor von Scheves erste überlieferten Turnierpartien in der Mega Database stammten aus dem Jahr 1883 als er im Alter von bereits 32 Jahren beim 3. DSB-Kongress in Nürnberg ebenfalls am Hauptturnier teilnahm. Das Hauptturnier wurde in drei Gruppen im Modus jeder gegen jeden gespielt. Die ersten beiden qualifizierten sich für das Finale der Hauptgruppe. Von Scheve erreichte als Sieger der B-Gruppe das Finale, das er als geteilter Zweiter bis Vierter (3 Punkte) abschloss. Sieger wurde der damals 21-jährige Siegbert Tarrasch (3,5 Punkte).
Theodor Scheve nahm in den folgenden Jahren mit einigem Erfolg an einer Anzahl von bedeutenden Turnieren teil. 1884 gewann er zusammen mit Johann Löwenthal in Frankfurt beim Südwestdeutschen Schachkongress.
Im Juli 1887 spielte er im Meisterturnier des 5. DSB-Kongresses in Berlin mit, wurde aber nur 17ter bei 21 Teilnehmern. Das Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft im August 1887 zum 60sten Jahrestag der Gründung des Klubs beendet Von Scheve als Zweiter hinter Max Harmonist. Ein anderes Jubiläumsturnier in Leipzig 1888 schließt Von Scheve im Mittelfeld ab und schlägt dort auch Siegbert Tarrasch, der überraschend nur Vorletzter bei acht Teilnehmern wird.
1889 gewann Theodor von Scheve in Berlin ein fünfrundiges Vierergedenkturnier Gedenkturnier zu Ehren von Tassilo von Heydebrand und der Lasa. Im Juli 1890 spielt Von Scheve ein gut besetztes Turnier in Berlin mit und wird hinter Emanuel und Berthold Lasker und Horatio Caro Vierter.
Im August 1890 reist Von Scheve nach England, vermutlich zusammen mit Tarrasch und Emil Schallopp, und spielt den Britischen Chess Congress in Manchester mit. Tarrasch gewann das Meisterturnier überlegen und Von Scheve wurde Siebter bei 20 Teilnehmern. 1892 spielten Tarrasch und Von Schevé auch gemeinsam das Meisterturnier beim 7. DSB-Kongress in Dresden mit. Tarrasch gewann auch hier. Von Scheve teilte den 11. bis 13. Platz bei 17 Teilnehmern. Auch der Sieg beim Meisterturnier des 9. DSB-Kongresses 1894 in Leipzig ging an Tarrasch. Theodor von Scheve war ebenfalls wieder mit von der Partie, wurde aber bei 18 Teilnehmern nur Letzter. Er legte nun eine längere Turnierpause ein - zumindest sind keine Partien überliefert -, die vielleicht familiäre Gründe hatte. 1890 hatte Von Scheve Gertrud Hartwice geheiratet, mit der er zwei Söhne und eine Tochter hatte. Die Ehe wurde später geschieden.
Seine wohl beste Turnierleistung erzielte Von Scheve dann 1901 beim Internationalen Turnier in Monte Carlo. In einem Weltklassefeld teilte der Rückkehrer mit 9 aus 13 mit den Weltklassespielern Mikhail Tschigorin und Carl Schlechter den zweiten bis vierten Platz. Turniersieger wurde Dawid Janowski mit einem Punkt mehr.

1901/1902 spielte Von Scheve Schaukämpfe in St. Petersburg und kehrte im Februar 1902 nach Monte Carlo zurück, wo am zweiten großen Turnier von Monaco teilnahm. Zuvor hatte er in Wien noch ein Vorbereitungsturnier gespielt. In Monaco konnte Theodor von Scheve an seine Leistung aus dem Vorjahr nicht anknüpfen und landete diesmal nur im hinteren Mittelfeld. Das Turnier war sogar noch besser besetzt als im Jahr zuvor. Geza Maroczy gewann vor Henry Nelson Pillsbury und Dawid Janowsky.

Stehend: Mason, Wolf, Marshall, Mortimer, Pillsbury, Albin, Eisenberg
Sitzend; Tarrasch, Napier, Maroczy, Gunsberg, Albin, Von Scheve
Im September 1902 hielt Von Scheve sich in Paris auf und spielte hier im Café de la Régence ein doppelrundiges Viererturnier mit. Dawid Janowsky gewann überlegen mit 4,5 aus 6. Von Scheve teilt mit Jean Taubenhaus den zweiten Platz. Im Februar 1904 reiste Von Scheve erneut nach Monte Carlo und nahm an einem Thema-Turnier zum Königsgambit teil, schnitt aber als Vorletzter nicht besonders gut ab. Rudolf Swiderski und Frank Marshall teilten den ersten Platz. Der hochtalentierte Leipziger Fabrikantensohn Swiderski schied wenige Jahre später, 1909, aus ungeklärten Umständen freiwillig aus dem Leben.
1905 spielte Von Scheve ein kleineres Turnier in Barmen. Im Mai 1907 mutete sich der inzwischen 55-Jährige ein Mammut-Turnier in Ostende zu. 29 Spieler traten hier im Modus jeder gegen jeden an. Ossip Bernstein und Akiba Rubinstein teilten mit 19,5 Punkten den ersten Platz. Mit 11 Punkten kam Von Scheve im unteren Tabellenviertel ins Ziel.

Wer auf dem Titelbild nicht alle Spieler erraten hat, findet hier die fehlenden Namen.


Im Oktober 1907 war Von Scheve erneut Teilnehmer am Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft, diesmal zum 80sten Geburtstag des Klubs. Dieses Turnier war eines seiner letzten bedeutsamen Turniere, zumindest nach Lage der überlieferten Partien. Im Februar 1911 wurde allerdings im Casino Municipale in San Remo ein Jubiläumsturnier anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Königreichs Italien organisiert. Die Organisation des Turniers wurde Theodor von Scheve übertragen.
Es wurden 24 bekannte Meister zum Turnier eingeladen, doch da sich das Turnier von San Remo mit dem Turnier in San Sebastian überschnitt, kam es zu vielen Absagen. Nur elf Spieler erschienen. Ursprünglich was das Turnier auch als Gambitturnier geplant, doch die Spieler lehnten das ab. Das Turnier war ein ziemliches Fiasko und erhielt eine schlechte Presse. Es sind nur einige wenige Partien überliefert.
Nach Ende seiner Schachkarriere veröffentlichte Von Scheve 1919 im Verlag von Bernhard Kagan ein schach-philosophisches Essay unter dem Titel: Der Geist des Schachspiels.
Theodor Adolf von Scheve starb am 19. April 1922 in Patschkau, Oberschlesien.