Zwei Partien in der achten Runde der offenen Sektion der US Championships endeten mit einem Weißsieg, alle weiteren Partien gingen Remis aus. Wesley So besiegte Andy Woodward und Sam Shankland besiegte Hans Niemann. Maurice Ashley witzelte mit Wesley So: "Man muss sie besiegen, solange sie jung sind".
Hans Niemann befindet sich momentan in einer schwierigen Phase. Im Liverating hat er zehn Plätze verloren und steht bei einem Elominus von 14,7 Punkten. Sein Liverating liegt am Ruhetag vor der neunten Runde bei einer Elo von 2702 Punkten. Eine weitere Niederlage (oder ein Remis gegen den falschen Gegner) würde ihm die Mitgliedschaft im 2700er Club kosten. In Runde 9 tritt er gegen Sam Sevian (2708) an, gegen den ein Remis Niemanns Rating gerade noch über 2700 halten würde.
Andy Woodward steht trotz Niederlage gegen Wesley So bei einem Eloplus von 13,2 Punkten im Liverating und macht damit 26 Plätze im Rating gut. Er hat eine 2632 Live-Elo. Sein Vorteil gegenüber Hans Niemann ist, dass sein persönlicher Rekord "erst" bei 2640 liegt und die Ergebnisse ihm dabei helfen, seine Zahl wieder zu diesem Wert zu bringen, während 2640 für Niemann das Ergebnis eines riesigen Verlustes wäre. "Erst" ist hier in Anführungszeichen geschrieben, da Andy Woodward erst 16 Jahre alt ist und trotzdem schon so ein hohes Rating hat! Niemann ist mittlerweile immerhin 23 Jahre alt.
Sam Shankland gegen Hans Niemann | Foto: Lennart Ootes
Levon Aronian, der erfahrenste Spieler der Runde, frühere Nummer zwei der Welt, sammelte während Niemann und Woodward ihre Partien verloren, seinen nächsten halben Punkt ein. Er remisierte gegen Grigoriy Oparin und befindet sich dadurch mittlerweile einen halben Punkt vor Niemann und punktgleich mit Sam Shankland auf Platz 8.
Levon Aronian überholt seine Konkurrenten vorsichtigen Schrittes | Foto: Lennart Ootes
Sam Sevian spielte Remis gegen Titelverteidiger Fabiano Caruana, was aber nichts daran ändert, dass er sich mit zwei Punkten am Tabellenende auf Platz 12 befindet, während Caruana auf Platz 2 den Tabellenführer Wesley So auf den Fersen ist.
Fabiano Caruana arbeitet an Titelverteidigung | Foto: Lennart Ootes
In der achten Runde traten zwei ChessBase-Autoren gegeneinander an. Wesley So und Andy Woodward veröffentlichten beide bereits Kurse mit ChessBase, Wesley So bereits mehrere und Woodward immerhin schon einen!
Die Partie begann mit der Ragosin-Variante im abgelehnten Damengambit.
Nach Zug 18 hatte Wesley So immernoch 1 Stunde und 25 Minuten Bedenkzeit auf der Uhr. Es wurde schon einiges an Material abgetauscht und die Spieler führten dies auch nach Zug 18 weiter fort. Woodward hatte zu diesem Zeitpunkt auch noch 55 Minuten. Die Spieler wickelten das Mittelspiel in ein Bauernendspiel ab.
Nach 33.Kc3 war es bereits schwierig für Schwarz einen Weg zu finden, die Partie in einem Remis enden zu lassen. 33...a6 hätte Schwarz noch gehabt und danach muss Schwarz aufpassen, dass Weiß nicht durchdringen kann. Weiß brauchte noch ein paar Züge, um ein Manöver zu finden, was Erfolg versprechen sollte.
Anstelle von 36...Kc6 wäre h6 wieder der passendere Zug gewesen. Nach 37.h4 geht h6 nicht mehr, da b5 das Endspiel gewinnt. Nach 37.h4 spielte Woodward 37...Kd6 und Wesley So antwortete darauf mit 38.c5! bxc5 39.b5!, wodurch er einen Freibauern bilden konnte, der Woodward genügend beschäftigte, dass Wesley So die schwarzen Bauern am Königsflügel einsammeln konnte und die Partie gewann.
Partienachbesprechung mit Gebäck! | Foto: Lennart Ootes
Video: Saint Louis Chess Club
In der neunten Runde treffen Wesley So und Fabiano Caruana aufeinander. Die Runde wird am Montag, den 19.10. ab 19 Uhr (deutscher Zeit) ausgetragen. Wesley So ist der einzige Spieler der Sektion, der bisher ungeschlagen ist. Ob das auch nach Runde 9 noch der Fall sein wird?
Am Sonntag ist Ruhetag in Saint Louis und ab Montag (19.10.) findet das Turnier wieder täglich ab 19 Uhr statt. Am Mittwoch wird die letzte reguläre Runde ausgetragen und für Donnerstag (22.10.) sind Playoffs falls notwendig eingeplant. Danach folgt die Abschlusszeremonie.
Sam Shankland im Interview mit Maurice Ashley | Video: Saint Louis Chess Club