Die lange Serie ohne Niederlage und Sevians Turnierbilanz sprachen vor der Partie für So, aber eine andere Statistik sprach für Sevian: In den vorherigen 14 Partien mit klassischer Bedenkzeit gegen So kam Sevian auf 2 Siege und 12 Remis, verloren hat er gegen So mit langer Bedenkzeit noch nie. Im Schnellschach und Blitz sieht die Bilanz allerdings anders aus: Im Schnellschach liegt So mit 5:0 bei einem Remis klar vorne, und auch im Blitz führt So mit 5:0 bei 4 Remis.
Seine gute Bilanz in klassischen Partien schien Sevian Selbstvertrauen gegeben zu haben. In einem Nimzo-Inder setzte er So von Beginn an unter Druck und erreichte nach starkem Mittelspiel schließlich ein gewonnenes Turmendspiel.
Dort verlor er allerdings den Faden und verdarb die Gewinnstellung zum Remis. Aber So konnte seine Chance nicht nutzen und verdarb die Remisstellung seinerseits zum Verlust.
Sam Sevian im Interview nach der Partie
Von dieser Niederlage Sos profitierte Caruana, der mit Weiß gegen Awonder Liang gewinnen musste, um überhaupt mit So gleichziehen zu können. Das gelang ihm mit einer hübschen Partie, deren Feinheiten - und einiges mehr - er nach der Runde im Interview mit Maurice Ashley erklärt hat.
Vor der letzten Runde hatte Caruana seine Chancen, doch noch zum fünften Mal in Folge US-Meister zu werden und einen Stichkampf gegen So zu spielen, als "gleich null" eingeschätzt. Jetzt kommt es zum Stichkampf: Er beginnt am Donnerstag, den 22. Oktober, 19 Uhr, mit zwei Schnellpartien mit einer Bedenkzeit von 15+10. Sollten diese zwei Schnellpartien keine Entscheidung bringen, folgen zwei Blitzpartien mit einer Bedenkzeit von 5+2. Ist der Wettkampf dann immer noch nicht entschieden, wird weiter geblitzt, bis eine Entscheidung fällt – eine Armageddon-Partie gibt es jedoch nicht.
Grigoriy Oparin, der Sekundant von Caruana, hätte mit einem Sieg in der letzten Runde mit So und Caruana gleichziehen können, aber er kam gegen Ray Robson mit Schwarz nicht über ein Remis hinaus. In einem strategisch komplexen Spanier spielten beide Seiten sehr genau, und so war das Gleichgewicht in der Partie bis zum Remis im 37. Zug nie ernsthaft gestört.
Für den dritten Sieg der Runde sorgte Jeffery Xiong, der mit Schwarz gegen Hans Niemann gewann. Niemann fand während des gesamten Turniers nie zu seinem Rhythmus und verlor mit einer Bilanz von 4 aus 11 insgesamt 20 Elo-Punkte, wodurch er in der Live-Weltrangliste unter die Marke von 2700 Elo rutschte.
Ergebnisse der elften und letzten Runde
Schlussstand
Partien