Vor der Schlussrunde hatten noch sechs Spielerinnen rechnerische Chancen auf den Turniersieg. Vaishali und Bibisara Assaubayeva lagen gemeinsam in Führung, Zhu Jiner folgte mit einem halben Punkt Rückstand. Drei weitere Spielerinnen, jeweils einen weiteren halben Punkt dahinter, konnten angesichts der Paarungen der letzten Runde ebenfalls noch einen Stichkampf erreichen. Ein Gleichstand an der Spitze mit anschließendem Tiebreak schien sehr wahrscheinlich. Aber am Ende kam es nicht dazu.
Kateryna Lagno begann die Schlussrunde einen Punkt hinter der Spitze und musste daher mit Schwarz gegen Vaishali auf Gewinn spielen. Sie wählte einen ehrgeizigen Ansatz, der sich jedoch als Vorteil für die indische Großmeisterin erwies: Vaishali stand bereits nach der Eröffnung besser und verwertete ihren Vorteil anschließend sicher zum Sieg.
Die Turniersiegerin im ChessBase-Interview

Vaishali hat jetzt Chancen auf den WM-Titel | Foto: FIDE / Niki Riga
Bibisara Assaubayeva kam gegen Divya Deshmukh nicht über ein Remis hinaus. Wie Lagno spielte sie von Beginn an aggressiv, aber geriet dann in einer komplizierten Stellung in Nachteil. Sie bekam zwar Gegenspiel, aber musste sich am Ende mit einem Remis begnügen und landete so schließlich auf dem zweiten Platz.
Am Ende erleichtert: Bibisara Assaubayeva im Interview nach der Partie

Bibisara Assaubayeva | Foto: FIDE / Michal Walusza

Divya Deshmukh | Foto: FIDE / Michal Walusza
Divya Deshmukh hofft auf bessere Ergebnisse in der Zukunft
Den dritten Platz teilten sich Zhu Jiner und Aleksandra Goryachkina. Zhu erreichte in der Schlussrunde mit Schwarz ein Remis gegen Anna Muzychuk, während Goryachkina gegen Tan Zhongyi gewinnen konnte. Dadurch verpasste Muzychuk, die lange zur Spitzengruppe gehört hatte, am Ende einen Platz unter den ersten Drei.

Anna Muzychuk und Zhu Jiner | Foto: FIDE / Niki Riga

Aleksandra Goryachkina | Foto: FIDE / Niki Riga

Tan Zhongyi | Foto: FIDE / Niki Riga
Aus Sicht der Wertungszahlen kommt Vaishalis Erfolg unerwartet. Die 24-Jährige aus Chennai war als nominell schwächste Spielerin ins Turnier gestartet. Mit 8,5/14 gewann sie 26 Elo-Punkte hinzu, liegt aber weiterhin unter der Marke von 2500 und im Live-Rating mehr als 60 Punkte hinter Weltmeisterin Ju Wenjun.
Gleichzeitig hat Vaishali mehrfach gezeigt, dass sie in wichtigen Turnieren zu Spitzenleistungen fähig ist. So gewann sie 2023 und 2025 zweimal in Folge das Women’s Grand Swiss und teilte beim Kandidatenturnier 2024 nach fünf Siegen in Folge zum Abschluss den zweiten Platz. Beim Qatar Masters, wo sie ihre letzte Großmeisternorm erzielte, kam sie auf 5/9 und erreichte eine Performance von 2609.
Auch wenn sie die 2500 bislang nur einmal in einer offiziellen Liste überschritten hat, bestätigt sie immer wieder ihre Stärke unter Druck – eine Eigenschaft, die im Duell mit Ju entscheidend sein kann. Zudem dürfte sie auf breite Unterstützung aus der indischen Schachszene zählen, sowohl bei der Vorbereitung als auch in der öffentlichen Wahrnehmung, unter anderem durch Legende Viswanathan Anand, der auf X schrieb:
Congratulations Vaishali. She showed excellent preparation and resilience. Took the blows and delivered the punches. A proud moment for Indian chess with two Indians to cheer for in the World Championships. Personally proud that our Westbridge Anand Chess Academy mentee will now have a shot at the world title. Being from Chennai is just another flex!

Freunde und Familie freuen sich | Foto: FIDE / Niki Riga

Ein starkes Geschwisterpaar - Praggnanandhaa und Vaishali Rameshbabu! | Foto: FIDE / Niki Riga