Auch die zweite Runde des Frauen-Kandidatenturniers endete mit vier Remis. Trotz fehlender Entscheidungen war das Spiel alles andere als ereignislos: Zwei Spielerinnen erreichten klar überlegene Stellungen, konnten diese aber nicht nutzen.
Damit setzte sich ein Trend fort, der sich bereits zu Beginn des Turniers abzeichnete, als Zhu Jiner und Aleksandra Goryachkina wichtige Chancen vergaben. Erneut konnte Zhu eine vorteilhafte Position nicht nutzen, diesmal gegen Kateryna Lagno, während Divya Deshmukh ihren Vorteil gegen Vaishali Rameshbabu durch einen taktischen Fehler aus der Hand gab.
Die beiden verbleibenden Partien verliefen eher ereignislos und endeten nach 32 bzw. 41 Zügen, sodass sich an der Rangliste nichts änderte.
Ergebnisse Runde 2:

Die Bilanz spricht klar für die Chinesin.

Die Partie zwischen Anna Muzychuk und Tan Zhongyi endete nach 32 Zügen durch Dauerschach remis. | Foto: FIDE / Michal Walusza

Im klassischen Schach konnte Assaubayeva bislang
noch nicht gegen Goryachkina gewinnen.
Wenige Minuten später sicherte sich Aleksandra Goryachkina mit den schwarzen Steinen gegen Bibisara Assaubayeva ihr zweites Remis des Turniers und verbesserte damit ein Abspiel einer kürzlich stattgefundenen Partie zwischen Arjun Erigaisi und Shamsiddin Vokhidov, die mit einem Sieg für Erigaisi geendet hatte. Die gut vorbereitete Goryachkina wählte in einem komplexen Mittelspiel eine sichere Fortsetzung und erzielte so ein solides Ergebnis.

Beim Kandidatinnenturnier kam es zum ersten
Remis zwischen den beiden Gegnerinnen.
In der Partie zwischen Lagno und Zhu begannen die Spieler schon früh, viel Zeit zu investieren und dachten bereits ab dem 11. Zug intensiv über die Zugreihenfolge nach. Kurz darauf, im 12. Zug, unterlief Lagno der erste Fehler, wodurch Zhu die Initiative ergreifen konnte.
Die chinesische Großmeisterin baute ihren Vorteil im Mittelspiel kontinuierlich aus und erreichte eine Stellung mit realistischen Gewinnchancen. Bereits nach 27 Zügen hatten beide Spielerinnen weniger als drei Minuten auf der Uhr, und zu diesem Zeitpunkt war die Stellung von Schwarz deutlich überlegen.
Zhu patzte jedoch zweimal in der entscheidenden Phase. Diese Ungenauigkeiten erwiesen sich als kostspielig. Lagno konnte sich retten, indem sie ihren Turm opferte und so ein Dauerschach erzwang – eine Idee, die ihr nach Zhus erstem Fehler zunächst entgangen war, die sie aber unter Druck später doch noch entdeckte.
Das Spiel endete somit unentschieden, was für Zhu die zweite große verpasste Chance und für Lagno eine zweite knappe Rettung bedeutete, nachdem sie in ihrem vorherigen Spiel gegen Goryachkina ebenfalls in einer aussichtslosen Lage gewesen war.

Kateryna Lagno | Foto: FIDE / Yoav Nis

Divya Deshmukh verpasste den dritten Sieg im
Duell der beiden starken indischen Spielerinnen.
Das rein indische Duell zwischen Deshmukh und Vaishali verlief eher strategisch. Die Eröffnung war von einer relativ statischen Bauernstruktur geprägt, die sorgfältiges Manövrieren statt sofortiger taktischer Entscheidungen erforderte. Beide Spielerinnen widmeten sich ausführlich den Feinheiten der Stellung und gerieten bereits nach 24 Zügen unter Zeitdruck.
In den darauf folgenden Komplikationen unterlief Vaishali als Erste ein Fehler, als sie mit 34...Se4? patzte und Deshmukh damit eine klare Gelegenheit gab, die Kontrolle zu übernehmen.
Deshmukh fand zunächst den richtigen Weg, patzte aber im 37. Zug durch die falsche Wahl des Damenzugs. Dies ermöglichte Vaishali, mit einer präzisen und einfallsreichen Verteidigungssequenz, die durch ein temporäres Damenopfer auf h3 ihren Höhepunkt fand, zu entkommen.

Ein kurzer Austausch nach dem Remis. | Foto: FIDE / Yoav Nis