Anna Muzychuk gewann in Runde 6 gegen Zhu Jiner. Damit hatte sie eine ihrer direkten Konkurrentinnen bereits hinter sich gelassen. Auch Aleksandra Lagno ließ Punkte gegen Vaishali Rameshbabu liegen. Dadurch führt Muzychuk das Feld des Kandidatenturniers der Frauen mit 4 Punkten an. Fünf der 7 anderen Spielerinnen stehen direkt hinter ihr mit drei Punkten. Muzychuk hat keinen Puffer, der einsetzt, wenn Fehler passieren.
Zhu Jiner vs. Anna Muzychuk | Foto: FIDE / Yoav Nis
Ein anderes Beispiel dafür, wie schnell sich alles ändern kann, ist Divya Deshmukh. Vor der sechsten Runde befand sie sich noch auf dem letzten Platz und hatte noch keinen Sieg zu verzeichnen gehabt. Kaum gewann sie in Runde 6 gegen Bibisara Assaubayeva, da befindet sie sich im Feld der fünf Spielerinnen auf Platz 2. Tan Zhongyi und Bibisara Assaubayeva folgen auf dem letzten Platz mit 2,5 Punkten. Der Abstand zwischen dem ersten und letzten Platz ist in diesem Turnier also genauso groß wie der Abstand zwischen Sindarov (Platz 1) und Caruana (Platz 2) im Kandidatenturnier nach Runde 6.
Eine interessante Eröffnungswahl zauberte Divya Deshmukh mit Schwarz gegen Bibisara Assaubayeva aufs Brett. Sie entschied sich für die Cambridge-Springs-Variante im abgelehnten Damengambit.
Eric Rosen sprach als Gast im ChessBase India-Livestream darüber, dass diese Variante besonders beliebt gegen Anfänger wäre, da der Druck auf den Springer auf c3 und nach dxc4 auch auf den Läufer auf g5 in Kombination mit Se4 Ideen häufig zu stark für Weiß wird und etwas eingestellt wird. Nun sind weder Assaubayeva noch Deshmukh Anfängerinnen. Warum also die Eröffnungswahl? Auch wenn sich alles hält, ist die Position spielbar. Eric Rosen, der bekannt für fragwürdige Gambits ist, meint sogar, dass es auf dem höchsten Niveau seine Daseinsberechtigung hätte. Für eine Überraschung sorgt es allemal.
Tatsächlich blieb die Partie zwischen Assaubayeva und Deshmukh lange ausgeglichen. Entschieden wurde die Partie letztendlich im Endspiel durch Fehler von Assaubayeva. Es lässt sich aber diskutieren, dass die Eröffnung dafür gesorgt hatte, dass Deshmukh bis in dieses Endspiel kam und nicht z.B. von ihrer Gegnerin überrascht werden konnte. Zeitnot spielte bis Zug 40 die größte Rolle.
Fanmagnet Divya Deshmukh gewinnt ihre erste Partie | Foto: FIDE / Michal Walusza
Tan vs. Goryachkina – das einzige Remis der Runde | Foto: FIDE / Yoav Nis
Vaishali bremst Lagno aus | Foto: FIDE / Yoav Nis