Laut den Berichten einer Reihe von Medien soll Garry Kasparov neben anderen russischen Dissidenten im Ausland das Ziel eines von Russland initiierten Mordplanes sein. Wie die spanische Tageszeitung El Mondo zuerst berichtete, hat die US-Staatsanwaltschaft inzwischen fünf Personen beschuldigt, die offenbar im Auftrag des russischen Geheimdienstes damit beschäftigt waren, Attentate auf russische Oppositionelle zu planen und Sabotageakte auszuführen.
Garry Kasparov wurde deshalb bereits im Sommer von Sicherheitsdiensten der USA und Litauens darüber informiert, dass er eines der Ziele der geplanten Mordanschläge auf russische Exilanten sei könnte. Er und seine Frau wurden unter Personenschutz gestellt.
Außer gegen Kasparow richteten sich die Mordpläne zudem gegen den ehemaligen russischen Abgeordneten Ilja Ponomarew, der seinerzeit in der Duma als einziger von 450 Abgeordneten gegen die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland gestimmt hatte. 2014 war Ponomarew nach einer Reise in die USA aus Angst um sein Leben nicht nach Russland zurückgekehrt. 2016 ging er in die Ukraine und schloss sich nach dem Überfalls Russlands auf die Ukraine 2022 eine Zeitlang den ukrainischen Streitkräften an, um gegen die Invasoren zu kämpfen. Zuletzt pendelte er zwischen der Ukraine und den USA hin und her.
Kasparow war schon 2013 nach einem Auslandsaufenthalt nicht mehr nach Russland zurückgekehrt, nachdem einige seiner politischen Weggefährten in Russland ermordet worden waren. Auch der frühere Schachweltmeister, der sich nach dem Ende seiner Karriere als Politiker in der Oppositionsbewegung betätige, fürchtete um sein Leben. Nach dem Einmarsch in der Ukraine hatte Russland Kasparov zum „ausländischen Agenten“ erklärt und ihn in die Liste "der Terroristen und Extremisten" aufgenommen. Im Mai 2026 ließ Russland Kasparov auf eine internationale Fahndungsliste setzten.
Als mögliches drittes Anschlagsziel wird Wladimir Kara-Mursa vermutet. Der russische Oppositionspolitiker hatte in Russland zwei Giftanschläge überlebt und war in Sibirien in Haft genommen worden. 2024 kam er im Zuge eines Austausches gegen russische Agenten und Auftragsmörder frei.
Die enttarnte Gruppe der Auftragsmörder und Terroristen wird dem Bericht in Elo Mondo zufolge von einem ehemaligen Oberst des russischen Geheimdienstes angeführt, Juri Chramew, der in seiner Jugend mit Putin zusammengearbeitet hat. Auch dessen Sohn Kirill gehört zu der Gruppe, des Weiteren die Kubanerin Oemis Romagoza Durruthy, eine ehemalige Tanzlehrerin, die schon länger in Diensten des russischen Geheimdienstes steht, der 35-jährige Kubaner Yaidel Delgado Suáre und der 22-jährige Venezolaner Ángel Eduardo Castro. Alle fünf leben in Russland. Ihre Namen sind bekannt, seit sie 2024 Brandanschläge in Litauen durchgeführt haben. Zudem planten sie in Litauen den Mord des dort lebenden russischen Oppositionspolitikers Iwan Tjutrin, der 2016 zusammen mit Kasparov das „Forum Freies Russland“ gegründet hatte. Die Partei wurde 2023 als „unerwünschte Organisation“ eingestuft und 2025 auf die Liste „terroristischer Organisationen“ gesetzt.
Der Kreml hatte sich bisher darauf beschränkt, unliebsame Personen in Europa zu ermorden. Zu den Anschlägen gehörte die tödliche Nowitschok-Vergiftung des ehemaligen GRU-Offiziers Sergei Skripal und seiner Tochter in Salisbury 2018 und die Morde an dem tschetschenischen Rebellen Zelimchan Dschangoshvili in Berlin 2019 und dem Überläufer Maxim Kusminow 2024 in Spanien. Kusminow war mit einem Hubschrauber in die Ukraine geflohen. Die USA als Operationsgebiet hatte Russland bislang gemieden. Nun hat der russische Geheimdienst sein Operationsgebiet offenbar auch bis nach Amerika erweitert.
