Zur Krise im DSB: "Rückkehr zu Sachfragen"

von Herbert Bastian
15.05.2026 – Ein Jahr vor dem Jubiläum anlässlich seines 150-jährigen Bestehens und wenige Tage vor dem Wahlkongress befindet sich der Deutsche Schachbund in einer schweren Führungskrise. Auf der Suche nach den Ursachen für die Probleme verweist Ehrenpräsident Herbert Bastian auf die Strukturen und ruft zur die Protagonisten zur Zusammenarbeit auf.

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Zur aktuellen Krise im Deutschen Schachbund

Herbert Bastian, 13.5.2026

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Deutsche Schachbund sich derzeit in einer schweren Führungskrise befindet. Im Raum steht ein Abwahlantrag gegen das amtierende Präsidium, und mit Dr. Richard Lutz hat ein herausragender Kandidat für das Amt des Präsidenten, für den Fall, dass der Abwahlantrag Erfolg haben wird und Nachwahlen nötig werden, vor wenigen Tagen einen Rückzieher gemacht. Der Schachbund steckt in einem Teufelskreis und sucht einen Ausweg. Oft ist es in einer solchen Situation sinnvoll, die Perspektive zu wechseln und neue Gedanken zuzulassen. Deshalb möchte ich ein paar Überlegungen äußern, die vielleicht keine Zustimmung finden werden, aber im besten Fall dazu beitragen, eine produktive Diskussion anzuregen. Ein Jahr vor seinem 150-Jahre-Jubiläum (1877–2027) ist es höchste Zeit, dass sich der Deutsche Schachbund den Herausforderungen der Zeit stellt und seine Strukturen überdenkt, um sie zukunftsfähig zu machen. Und das geht nur in einem längeren Prozess, an dem alle Betroffen angemessen beteiligt werden müssen!

Stark vereinfachend sehe ich im Deutschen Schachbund mindestens drei mächtige Gruppierungen, die vielleicht nicht direkt rivalisieren, aber unterschiedliche Interessen verfolgen, die sich nur teilweise miteinander vereinbaren lassen.  Mit den drei Blöcken meine ich den professionellen Leistungssport (z. B. Nationalmannschaften, Bundesliga), den Amateursport (z. B. Vereine, Bezirke, DSAM) und die Deutsche Schachjugend mit ihren vielen Aktivitäten (Z. B. DJEM). Dazu kommt noch die Schachkultur, die besonders stark durch die Emanuel-Lasker-Gesellschaft vertreten wird, und deren Mitglieder weit überwiegend auch Mitglieder des Deutschen Schachbunds sind.

Der professionelle Leistungssport hat den größten Finanzierungsbedarf und profitiert zu einem gewissen Teil (z. B. Geschäftsstelle, ehrenamtliche Funktionäre) von den Mitgliedsbeiträgen vor allem der Basis, also des Amateursports. Das ist einer der Gründe dafür, warum der Amateursport, vertreten durch die Landesverbände, ein Mitspracherecht bei der Wahl des Präsidiums beansprucht. Im Unterschied zu den mehr körperbetonten Sportarten erreichen Schachspieler ihr Leistungsmaximum meist später, und sie bleiben länger aktiv. Auch das ist eine Ursache der Stärke des Amateurschachs. Die dritte Macht ist die Deutsche Schachjugend, aus der sich der Leistungssport zu einem großen Teil speist, und die zunehmend Führungspositionen im Deutschen Schach anstrebt.

Meine persönliche Meinung ist, dass die von Richard Lutz gewünschte Lösung in diesem Spannungsfeld nicht ausreichend vorbereitet war, weil sie vielleicht den Anschein erweckt hat, dass der Leistungssport über Gebühr repräsentiert gewesen wäre, und das zu Lasten der Amateurspieler, die den DSB finanzieren. Der Deutsche Schachbund ist nicht reif für eine solche Lösung, und ich habe auch Zweifel, ob sie in der gegenwärtigen Lage gut wäre.

Bekanntlich bieten Krisen auch Chancen. Eine Chance sehe ich darin, die Strukturen des Deutschen Schachbunds neu zu überdenken, vor allem mit dem Ziel, das Verhältnis zwischen dem professionellen Leistungssport und dem Amateursport zukunftsfähig zu definieren. Das halte ich sogar für unbedingt notwendig, sonst werden die aktuellen Probleme uns wahrscheinlich auf Dauer quälen. Falsch und nicht zielführend wäre es nach meiner Meinung, einzelnen Personen die Schuld für die Misere zu geben. Selbst wenn an manchen Stellen Kritik gerechtfertigt ist, zeigt das keinen Ausweg aus der Krise. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass alle Betroffenen die persönlichen Kränkungen überwinden und sich auf die Sachfragen konzentrieren müssen. In diesem Sinne hoffe ich auf Fortschritte auf dem kommenden DSB-Kongress.


Bastian war 24 Jahre lang Präsident des Saarländischen Schachverbandes und von 2011 bis 2017 Präsident des Deutschen Schachbundes. Inzwischen ist er Ehrenpräsident des Deutschen Schachbundes. Von 2014 bis 2018 war Herbert Bastian zudem Vizepräsident des Weltschachbundes. Seine jüngsten Aktivitäten richten sich auf die Schachgeschichte, insbesondere in Frankreich.
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