Wie wird aus einer Schach-AG ein fester Bestandteil des Schullebens? Und warum kann eine Partie mehr bewirken, als nur strategisches Denken zu trainieren? Im „Schachtalk am Sonntag“ spricht Holger Hansen, Schulschach-Initiator an der Klaus-Groth-Gemeinschaftsschule in Kiel, mit Moderator Michael Busse und dem Internationalen Meister Jonathan Carlstedt über seine Arbeit, ungewöhnliche Projekte und die Bedeutung des Schachspiels für Kinder. Die Sendung gibt Einblicke in ein Konzept, das Unterricht, Pausen, Familien und Schulen miteinander verbindet.
Eine Schach-AG, die weit über das Brett hinauswirkt: Darum geht es im „Schachtalk am Sonntag“ mit Holger Hansen. Die Folge stellt die Arbeit des Mathematik- und Physiklehrers an der Klaus-Groth-Gemeinschaftsschule mit Grundschule in Kiel vor. Im Gespräch mit Michael Busse und dem Internationalen Meister Jonathan Carlstedt geht es um die Entwicklung des Schulschachs durch Holger Hansen an seiner Schule, um Spielmöglichkeiten im Unterricht und in den Pausen sowie um Projekte, die Kinder und Erwachsene zusammenbringen. Auch das Unterwasserschach, der Kieler Förde-Cup und Turniere für Familien und Freunde gehören zu den Themen.
Der rote Faden des Gesprächs ist die Frage, was Schach für eine Schule leisten kann. Hansen versteht das Spiel nicht allein als Sport oder als Training für besonders talentierte Nachwuchsspieler. Es bietet vielmehr Gelegenheiten, miteinander in Kontakt zu kommen, eigene Fähigkeiten zu entdecken und Anerkennung zu erfahren. Schach wird so zu einem „Beziehungsangebot“ – ein Gedanke, der die Arbeit an der Kieler Schule prägt.
Als Hansen 2016 für eine Vorhabenwoche ein Schachangebot plante, war noch nicht abzusehen, welche Entwicklung daraus entstehen würde. Der Lehrer hatte zuvor vor allem naturwissenschaftliche Themen angeboten. Doch das Interesse am Schach überraschte ihn: 26 Kinder aus den Jahrgangsstufen vier bis zehn meldeten sich an. Spielmaterial musste zunächst bei einem Kieler Schachverein ausgeliehen werden.
Hansen fiel auf, wie konzentriert die Kinder am Brett bei der Sache waren – auch solche, denen es im normalen Unterricht schwerfiel, längere Zeit ruhig zu bleiben. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich ein dauerhaftes Angebot. 2018 brachte Hansen Schachbretter auf den Schulhof: Das Pausenschach wurde zu einem festen Bestandteil des Schullebens. Hinzu kamen Arbeitsgemeinschaften, Unterrichtsangebote und Turniere.
Die Entwicklung wurde auch offiziell gewürdigt. 2022 erhielt die Klaus-Groth-Schule das Qualitätssiegel „Deutsche Schachschule“ in Bronze. Am 26. November 2025 folgte die Auszeichnung in Gold, der höchsten Stufe des Siegels. Hansen selbst erhielt 2025 den Goldenen Chesso der Deutschen Schachjugend in der Kategorie Schulschach. Die persönliche Ehrung und das Qualitätssiegel der Schule stehen für zwei unterschiedliche Leistungen: Hansens Engagement als Initiator und die dauerhafte Verankerung des Schachangebots in der Einrichtung.
Ein Konzept, das andere Schulen inspirieren kann
Die Klaus-Groth-Schule zeigt, wie aus einer zunächst kleinen Initiative ein umfassendes Angebot werden kann. Entscheidend ist nicht allein eine engagierte Lehrkraft, sondern auch die schrittweise Einbindung weiterer Beteiligter. Unterricht, Pausenschach, Arbeitsgemeinschaften, Familienveranstaltungen und technische Projekte ergänzen sich. Die Ausbildung weiterer Lehrkräfte und die Unterstützung der Schulleitung helfen, das Angebot dauerhaft zu verankern.
Wie lässt sich Schulschach also langfristig organisieren, ohne dass es ausschließlich vom persönlichen Einsatz Einzelner abhängt? Kooperationen mit Schachvereinen, gemeinsame Turniere und die Einbindung des Kollegiums können dafür wichtige Voraussetzungen schaffen.
Die Schachtalk-Folge bietet einen Zugang zu diesen Erfahrungen. Sie stellt nicht bloß ein ungewöhnliches Schulprojekt vor, sondern zeigt, wie Hansen Schach als Teil des sozialen und pädagogischen Lebens versteht. ChessBase hat die Entwicklung der Schule, das Unterwasserschach (siehe Titelbild) und den Förde-Cup in mehreren Beiträgen dokumentiert. Die Chess Tigers wiederum geben Hansen mit dem Schachtalk eine Plattform, um seine Arbeit und ihre Hintergründe einem breiteren Schachpublikum näherzubringen.
Wer die Sendung anschaut, begegnet damit einem Schulschach-Konzept, dessen Stärke in seiner Vielfalt liegt: Schach kann Unterrichtsgegenstand, Pausenbeschäftigung, Technikprojekt oder Anlass für ein Familienturnier sein. Vor allem aber schafft es Situationen, in denen Kinder einander auf Augenhöhe begegnen. Genau darin liegt die besondere Botschaft von Hansens Arbeit: Der wichtigste Zug findet manchmal nicht auf dem Brett statt, sondern zwischen den Menschen.