Vom 12. bis 17. April traf Yagiz Kaan Erdogmus in Monte Carlo in einem klassischen Wettkampf über sechs Partien auf Veselin Topalov. Das Duell brachte einen der vielversprechendsten Nachwuchsspieler der Welt – Erdogmus ist erst 14 Jahre alt – und einen ehemaligen inzwischen 51-jährigen Weltmeister zusammen. Organisiert wurde das Match vom Schachverband Monacos in Zusammenarbeit mit dem Cercle d'Échecs de Monte-Carlo und mit Unterstützung des türkischen Milliardärs Evren Üçok.
Das Format sah sechs klassische Partien vor. Bei einem Unentschieden wäre es zu einem Armageddon-Entscheidungsspiel gekommen. Doch davon konnte keine Rede sein! Denn letztendlich gewann der junge Türke den Wettkampf überzeugend mit 5:1. Er holte vier Siege und gab keine Partie ab. Mit diesem Ergebnis katapultierte sich das Ausnahmetalent zum jüngsten Spieler aller Zeiten, der die 2700-Elo-Marke überschritt (zumindest aktuell laut der Live-Weltrangliste).
Sobald Erdogmus' Ergebnisse in die nächste FIDE-Weltrangliste einfließen, wird der Türke mit 14 Jahren, 10 Monaten und 27 Tagen offiziell dem „2700er-Club“ beitreten und damit den bisherigen Rekord von Wei Yi deutlich unterbieten, der diese Marke mit 15 Jahren, 8 Monaten und 27 Tagen erreichte. Die drei Nächstplatzierten – Alireza Firouzja, Gukesh Dommaraju und Magnus Carlsen – waren alle 16 Jahre alt, als sie dasselbe Kunststück vollbrachten.

Yagiz Kaan Erdogmus beim FIDE Grand Swiss 2025, wo er mit 6 von 11 Punkten den 28. Platz gegen starke Konkurrenz belegte – in der achten Runde gelang ihm ein Überraschungssieg gegen Levon Aronian. | Foto: FIDE / Michal Walusza
Topalov hatte in der Eröffnungspartie Weiß und schien eher zum ersten Angriff bereit. Aus einer Berliner Verteidigung heraus erreichte der Bulgare mit seinem aktiveren König und einigen praktischen Chancen ein Endspiel mit gleichfarbigen Läufern. Erdogmus verteidigte sich präzise und erreichte schließlich ein Remis.
Die zweite Partie erwies sich als Wendepunkt des Wettkampfs. Erdogmus, der mit Weiß spielte, errang in einem taktischen Zweikampf von Beginn an die Oberhand. Obwohl Topalov im Mittelspiel zwischenzeitlich die Initiative ergreifen konnte, unterlief ihm im 36. Zug ein entscheidender Fehler – bemerkenswerterweise hatte der Bulgare zu diesem Zeitpunkt deutlich mehr Bedenkzeit, während Erdogmus unter starkem Zeitdruck stand. Der junge türkische Großmeister nutzte den Fehler des Routiniers geschickt aus und ging in Führung.
Erdogmus baute seinen Vorsprung in der dritten Partie weiter aus. Diesmal unterlief Topalov ein Fehler in der Eröffnung, und er geriet schnell unter anhaltenden Druck. Anders als in der vorherigen Begegnung hatte der Bulgare kaum Gegenspielmöglichkeiten, da Erdogmus die Stellung nach und nach festigte und einen zweiten Sieg in Folge errang.
Die vierte Partie war mit 75 Zügen die längste des Wettkampfs und endete remis. In der fünften Partie traten Topalovs Schwierigkeiten erneut auf. In einem ausgeglichenen Endspiel mit Dame, Turm und Springer gegen Dame, Turm und Läufer geriet der ehemalige Weltmeister ins Straucheln. Sein Mangel an Wettkampfpraxis in letzter Zeit machte sich bemerkbar, denn er übersah eine forcierte Zugfolge, die seinem Gegner einen schnellen Mattangriff ermöglichte.
Der bereits als Sieger feststehende Erdogmus lieferte in der sechsten und letzten Partie eine überzeugende Leistung ab. Topalov wählte die Französische Verteidigung, und Erdogmus dominierte ihn von Beginn des Mittelspiels an. Geduldiges Manövrieren und stetige Positionsverbesserungen ermöglichten dem jungen Spieler den vierten Sieg im Match und den Endstand von 5:1.