Jan Timman wurde am 14. Dezember 1951 in Amsterdam geboren und war lange Jahre einer der besten Schachspieler der Welt. 1984 gründete er gemeinsam mit Wim Andriessen die Zeitschrift New in Chess und wurde deren Chefredakteur, "eine logische Fortsetzung seiner Rolle beim Schaakbulletin, dem legendären holländischen Schachmagazin, aus dem New in Chess hervorgegangen ist. Jan war sehr stolz auf New in Chess und sehr engagiert, obwohl er reichlich viel reiste und oft unterwegs war", schreibt Dirk Jan ten Geuzendam in einem bewegenden Nachruf in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift.
1985 gewann Timman das Interzonenturnier in Taxco de Alarcón mit 1,5 Punkten Vorsprung und qualifizierte sich damit für das Kandidatenturnier, wo er sich ganz knapp vor Mihail Tal für die Kandidatenwettkämpfe qualifizierte. 1985 lernten sich auch Timman und Dirk Jan ten Geuzendam kennen, der später ebenfalls über viele Jahre Chefredakteur von New in Chess war.
Ten Geuzendam und Timman trafen sich bei zahlreichen internationalen Turnieren und immer wieder in den Niederlanden. Diese Freundschaft und Nähe spürt man in dem Nachruf. Ten Geuzendam gelingt das Kunststück, Verbundenheit, Freundschaft, Bewunderung und Trauer auszudrücken, ohne sentimental zu werden oder Timman zu verklären. Er schafft es, Timmans schillernde Persönlichkeit mit knappen Erinnerungen lebendig werden zu lassen. "Treffen mit Jan waren immer erhellende, zeitlose Momente. Sein verspieltes Lächeln, seine Gesten, diese souveräne Gelassenheit."
Zu seinen besten Zeiten war Timman die Nummer zwei der Welt, aber er galt auch als jemand, der das Leben genoss: Wein, lange nächtliche Diskussionen mit anderen Schachspielern und zahlreiche Affären gehörten zu seinem Image. Ten Geuzendam korrigiert dieses Bild und betont, dass Timman zugleich ein außerordentlich disziplinierter Arbeiter war. Tatsächlich erscheint seine Produktivität im Rückblick erstaunlich. Er schrieb zahlreiche Bücher, in denen die schachlichen Analysen ebenso beeindruckend waren wie die stilistische Sicherheit und der souveräne Ton. Dazu kommen eine Fülle von Artikeln und eine stattliche Zahl von Studien, die Timman komponiert hat. Wie ten Geuzendam berichtet, schrieb Timman "die letzten Zeilen eines Manuskripts mit Erinnerungen an seine frühen Jahre zwölf Stunden, bevor er im Schlaf gestorben ist".
Auch Erwin l’Ami, Jacob Aagaard, Jon Speelman und Helgi Ólafsson erinnern sich an Jan Timman. Zudem enthält das Heft Timmans letzte Kolumne. Als er von seiner schweren Erkrankung erfuhr, hatte er sie "auf Vorrat" geschrieben, damit die Kolumne auch dann weiter erscheinen konnte, wenn er selbst nicht mehr dazu in der Lage sein sollte.
Darüber hinaus bietet die Ausgabe zahlreiche weitere lesenswerte Beiträge. Sie blickt auf Javokhir Sindarovs Sieg beim Kandidatenturnier zurück und enthält ein Interview mit dessen Trainer Roman Vidonyak, der Einblicke in seine Trainingsmethoden gibt. Hinzu kommen Matthew Sadlers wie immer anregende Buchbesprechungen, Gedanken über ein Partieformular von Hans Niemann – "Most moves are undecipherable. While initially they look like moves, they gradually morph into jottings that could be anything" – sowie mehrere Trainingsrubriken und die "Just Checking"-Kolumne, in der die beliebte Streamerin, Kommentatorin und WGM Keti Tsatsalashvili unter anderem verrät, was ihr Lieblingsessen, ihre Lieblingspartie und der beste Rat ist, den sie je erhalten hat.
Ein schönes Heft – und eine gelungene Erinnerung an Jan Timman.

New in Chess, 2026#2, Europa €19,99, USA $ 23,99