GM Adrian Mikhalchishin ist eine bekannte Persönlichkeit in Trainerkreisen, da er auf eine langjährige Arbeit als Autor zahlreicher Publikationen bei ChessBase und als Trainer und Sekundant berühmter Spieler zurückblicken kann. In seiner bei ChessBase erschienenen Reihe „Master Your Technique“ widmet er sich verschiedenen Aspekten technischer Stellungsverwertungen.
In seiner dritten Ausgabe geht es hierbei um folgende Themen:

Während der taktische Bereich Motive wie Kreuzfesselungen oder rückwärts gerichtete Züge abdeckt, behandelt die Endspieltechnik und das Opferspiel für Aktivität jene Bereiche, die dann zum Tragen kommen, wenn es konkret wird und man die Brücken hinter sich abbrechen muss. Wenn die Stellung Dynamik verlangt, um verwertet zu werden oder aber präzise Kenntnisse theoretischer Endspielstellungen, um eine Verwertungsidee einschätzen zu können, dann ist man in diesem Kapitel genau richtig.
Den Schwerpunkt für die vorliegende Rezension möchte ich jedoch auf das Kapitel der Schwerfiguren legen.

Der Meister bei der Arbeit
Kostenloses Videobeispiel: Simple Tactics
Wie Mikhalchishin in seinem Einleitungstext anmerkt, sind Türme und Damen mächtige Figuren – jedoch nur, wenn sie zusammenarbeiten. Somit geht es in diesem Segment des Kurses darum, die Schwerfiguren zu koordinieren, um sowohl deren strategische Elemente zu bespielen als auch ihre entsprechende Verwertung einschätzen und planen zu können.
Die Konzepte, die Mikhalchishin hierfür heranzieht, sind die „Kontrolle der offenen Linie“, das „Eindringen auf die 7. Reihe“, der „Schwerfigurenangriff“, „Langsames Spiel“, „Damenendspiele“, „Ausnutzen von Schwächen“ und die „Unterstützung des Freibauern“.

Das Kapitel zu den Schwerfiguren
Passend zum Artikel von Markos über die Bewertung offener Linie anhand der „Länge einer Linie“ im ChessBase Magazin #231 (siehe Rezension) gefällt mir hier besonders die Auswahl der Partien und die Motive beim Kampf um die offene Linie. Hierzu möchte ich gerne, mit Textkommentaren erweitert, die Partie Shirov gegen Hou Yifan vom FIDE World Cup in Tromso 2013 zeigen:
Wie man sieht, sind die Analysen mitunter ziemlich umfangreich. Das ist ein Pluspunkt des Kurses. Man bekommt viele Ideen dargeboten und kann diese für das eigene Studium mit aufnehmen. Ein kleines Manko hierbei ist jedoch der Umstand, dass einige der Analysen fehlerhaft sind und entweder nicht geprüft wurden oder aber von veralteten Quellen ohne kritische Prüfung übernommen wurden.
Insgesamt gefällt mir der Kurs gut. Man hat, wie auch schon in den Ausgaben zuvor, eine breite Palette an Ideen, die vorgestellt und aufbereitet wurden. Wenn auch die Art und Weise (Erklärungen, Tempo), wie der Kurs präsentiert wird, noch ausbaufähig ist, um ein noch breiteres Publikum anzusprechen, so findet sich dennoch in all den Partiebeispielen eine Reihe instruktiver Beispiele, mit deren Hilfe man viele Aspekte praktischer Techniken trainieren und studieren kann.
Gesamtwertung: ★★★★ 4/5
Klare Empfehlung!
Adrian Mikhalchishin wurde 1954 in Lvov geboren und ist Großmeister seit 1978. Er zählt aktuell zu den besten Trainern der Welt und ist Vorsitzener der FIDE-Trainerkomission. Der Ukrainer coachte in den 1980er-Jahren die Nationalmannschaften der UdSSR sowie von Slowenien, Polen und den Niederlanden. Außerdem war Mikhalchishin Trainer von Anatoly Karpov (1980-1986) und betreute auch Zsuzsa Polgar, Alexander Beliavsky, Maja Chiburdanidze, Arkadij Naiditsch und Vassyl Ivanchuk.