Durch den unseligen Krieg von Putins Russland gegen die Ukraine wurden viele Bindungen auseinandergerissen und zerstört. So unterhielt Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik – sein Vater ist Russe, seine Mutter Ukrainerin – freundschaftliche Beziehungen zu dem ehemaligen Box-Weltmeister Vitali Klitschko, dem Bürgermeister von Kyjiw. Er saß bei dessen Boxkämpfen am Ring, und Klitschko besuchte ihn mit seinem ebenfalls schachspielenden »Weltmeister-Bruder« Wladimir bei den Dortmunder Schachtagen.
Leider verlor der in Genf lebende Kramnik kein Sterbenswörtchen zum Krieg in der Ukraine, anders als viele russische Großmeister, die einen offenen Brief an Putin unterzeichneten. Freilich ist das immer noch besser als das Verhalten von Ex-Weltmeister Anatoli Karpow und dem früher für die Ukraine spielenden Vize-Weltmeister Sergei Karjakin, die lauthals den Krieg unterstützen.
Gerne möchte ich hier auf eine besondere Frau hinweisen. André Schulz erinnert auf ChessBase an die zweite Schachweltmeisterin und zudem die erste ukrainische und sowjetische Weltmeisterin der Geschichte: Ljudmila Rudenko (1904–1986), die zur Jahreswende 1949/50 mit immerhin schon 45 Jahren in Moskau den Titel eroberte. Ihre Vorgängerin war die legendäre tschechisch-englische Vera Menchik, die namhafte männliche Großmeister bezwang, darunter den späteren Weltmeister Max Euwe. Leider kam sie 1944 mit nur 38 Jahren bei einem deutschen Bombenangriff auf London ums Leben.
Ljudmila Rudenko hingegen, die 1925 von Odessa nach Moskau und dann später weiter nach Leningrad zog, betrachtete nicht den Weltmeistertitel als ihre größte Lebensleistung, sondern die Rettung von 300 Kindern. Als die deutsche Luftwaffe Leningrad bombardierte und sich der Belagerungsring um die Stadt 1941 immer enger zog, brachte sie die Kinder auf einer 19-tägigen Zugfahrt von Leningrad ins 2000 Kilometer weit östlich gelegene Ufa in Sicherheit.
Wie gewann Rudenko als Schwarze am Zug bei der WM gegen die Kubanerin María Teresa Mora Iturralde?

Zur Kolumne von Helmut Pfleger...