Polnischer Schachverband feiert sein 100-jähriges Bestehen

von André Schulz
22.04.2026 – Am 11. April 2016 wurde der Polnische Schachverband gegründet, feiert also dieser Tage sein 100sten Geburtstag. Im Rahmen des Jubiläums richtete der sehr aktive "Polski Związek Szachowy" (PZSzach) unter anderem die Europaeinzelmeisterschaft aus und ehrte zum Jubiläum seine Spieler und Schachaktivisten. Wie alles begann...

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Der Wettkampf zwischen Wilhelm Steinitz und Johannes Zukertort im Jahr 1886 wurde als erster Schachwettkampf um die „Weltmeisterschaft im Schach“ geführt. Steinitz gewann und wird seitdem als erster offizieller Weltmeister der Schachgeschichte betrachtet.
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Hundert Jahre Polnischer Schachverband (1926–2026)

Natürlich ist die Geschichte des Schachs in Polen sehr viel älter als der Polnische Schachverband, aber Polen wurde als Staat mehrmals von fremden Mächten geteilt und erlangte erst 1918 seine Souveränität als unabhängiger Staat zurück. Im 18. Jahrhundert war Polen dreimal (1772, 1793, 1795) zwischen Preußen, Russland und Österreich aufgeteilt worden. So wurde der Polnische Schachverband recht spät, als einer der letzten nationalen Schachverbände in Europa gegründet.

Wie in vielen anderen Ländern auch, lag die Wiege des organisierten Schachs auch in Polen in den Kaffeehäusern, wo die besser gestellten Bürger sich zum Gespräch und geselligen Spiel trafen. Die für das Schach bedeutendsten Kaffeehäuser gab es in Warschau, Krakau und Lemberg (Lviv), das heute zur Ukraine gehört. 

Die besten polnischen Spieler zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren Szymon Winawer (1838-1919) und Johannes Hermann Zukertort (polnisch: Jan Hermann Cukiertort, 1842-1888). Sie gehörten zu den besten Spielern der Welt und teilten beispielsweise den ersten Platz bei einem der frühen großen Turnier der Frühzeit, 1878 in Paris. 

Einer der ersten modernen polnischen Schachvereine wurde 1893 in Krakau gegründet, das zu jener Zeit im österreichischen Teil von Polen lag.

Blick auf den Wawel von der Weichsel aus im Jahr 1890

Nur ein Jahr später gründete sich auch ein Schachklub in Lemberg. 1899 folgte die Gründung der Warschauer Schachgesellschaft, der bald zum bedeutendsten Schachklub des Landes aufstieg.

Johannes Zukertort war als bester polnischer Spieler nach London gegangen und begründete zusammen mit Wilhelm Steinitz die Tradition der Wettkämpfe um die Schachweltmeisterschaft, die bis heute Bestand hat. 

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Mit Akiba Rubinstein erhielt das polnische Schach einen mehr als würdigen Nachfolger. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gehörte Rubinstein zu den weltbesten Spielern. Vielleicht war er sogar der beste Spieler, doch ein Wettkampf um die Weltmeisterschaft blieb ihm umständehalber verwehrt, nicht zuletzt wegen des Beginns des Ersten Weltkrieges.

Nach der Gründung der Zweiten Republik 1918 wuchs das nationale Bewusstsein und im Zuge der Erfolge der polnischen Schachspieler, allen voran Rubinstein auch der Wunsch nach einer nationalen Organisation für das Schach.

Adam Zuk-Skarszewski formulierte diesen Wunsch in seiner Schrift „Szachist Polski“. Zuk-Skarszewski schlug einen Kongress mit den Vertretern der Vereine und verschiedene organisatorische Strukturen vor. Doch seine Vorschläge wurden zunächst nicht umgesetzt.

Am 20. Juli 1924 kam es am Rande der Olympischen Spiele in Paris zur Gründung des Weltschachbundes FIDE (Fédération Internationale des Échecs), auch mit der Idee internationale Mannschaftsturniere und Wettkämpfe zu organisieren. Die Polen konnten dem neuen Weltverband jedoch nicht beitreten, da sie keinen nationalen Verband hatten - neben Spanien als einziges Land in Europa.

Im Jahr 1925 erklärten zehn polnische Schachzentren und Vereine, aus Warschau, Lodz, Lemberg, Krakau, Posen, Vilnius, Białystok, Danzig, Pommern und Schlesien ihre Bereitschaft, einen nationalen Schachverband zu gründen und trafen sich schließlich nach langer Vorbereitung am 11. April 1926 zum Ersten Polnischen Schachkongress, der zur Gründung des Polnischen Schachverbandes führte. Als erster Verbandpräsident wurde Jozef Zabinski gewählt, als Vizepräsident Dawid Przepiorka.

Jozef Zabinski | Foto: https://www.szachypolskie.pl/

Zabinski (1860-1928) war einer der führenden Spieler in Warschau und Begründer einer Schachschule. Er organisierte Kompositionsturniere und war als Schachkolumnist aktiv. 1899 war er Mitbegründer des Vereins der Warschauer Schachförderer.

Dawid Przepiorka war einer der besten polnischen Spieler und einer der bedeutendsten Schachkomponisten seiner Zeit. 1931 gewann er mit dem Team Silber bei der Schacholympiade in Prag.

Dawid Przepiórka bei einem Schach-Simultan mit 27 Mitgliedern
des Józef-Dominik-Schachvereins in Krakau, Foto: Quelle: Nationales Digitalarchiv, https://tiny.pl/dn44j

Von 1926 bis 1939 blieb er Vizepräsident des Polnischen Schachverbandes. Er war Initiator, Organisator und Financier der Schacholympiade 1935 in Warschau. 1936 wurde er zum Ehrenmitglied der FIDE ernannt. 

Foto: https://www.szachypolskie.pl/

Przepiorka war Schachkolumnist mehrerer Tageszeitungen und gab von 1926 bis 1933 Herausgeber der Zeitschrift "Swiat Szachowy". Im Januar 1940 wurde Dawid Przepiorka von der Deutschen Besatzungsmacht in einem Schachcafé verhaftet und bald darauf ermordet. 

Neben der Organisation von Landesmeisterschaften, Turnieren und Wettkämpfen war die Aufnahme in den Weltschachbund ein wichtiges Anliegen des jungen Polnischen Schachverbandes. Die erste Landesmeisterschaft begann schon am folgenden Tag.

Heute gehört Polen zu den führenden Schachnationen in der Welt, Nummer 15 beim Durchschnitt der zehn besten Spieler. Der beste polnische Spieler Jan-Krzysztof gehört zur absoluten Weltspitze. Eine noch bessere Rolle spielen die polnischen Frauen im Weltschach. Nach dem Schnitt der zehn besten Spielerinnen nimmt der Polnische Schachverband Rang 8 der besten Verbände ein. 

Bei Schacholympiaden gewann das polnische Team einmal Gold (1930), zweimal Silber (1931 und 1939) und dreimal Bronze (1928, 1935, 1937).

Die Goldmedaillengewinner der Schacholympiade 1930 in Hamburg,
von links stehen: Paulin Frydman, Ksawery Tartakower, Stefan Rotmil, Akiba Rubinstein,
Kazimierz Makarczyk, Dawid Przepiórka, Marian Wróbel, Quelle: Digitales Nationalarchiv, https://tiny.pl/dn44l

Bei den Frauen gewann Polen zweimal Bronze (1980 und 2002), einmal Silber 2016. Das polnische Frauenteam ist zudem recht frisch gebackener Sieger der Europa-Teammeisterschaften der Frauen 2025.

Am 11. April feierte der Polnische Schachverband (PZSzach) unter der Leitung seines Präsidenten Radosław Jedynak seinen 100sten Geburtstag mit einer Jubiläumsgala im Nationalmuseum in Warschau und zeichnete die besten Spieler, das beste Team, den besten Organisator, den besten Verein, den besten Sponsor, den besten Trainer und den besten Schachjournalisten des Jahres 2025 aus.

Monika Socko | Foto: Polnischer Schachverband /Marek Skrzypczak

Eine besonderer Ehrung erfuhr posthum Kazimierz Makarczyk, ein herausragender Spieler zwischen den Weltkriegen, der als Soldat der Heimatarmee am Warschauer Aufstand beteiligt war. Er gehörte zur polnischen Siegermannschaft bei der Schacholympiade 1930, überlebte den Zweiten Weltkrieg und tat sehr viel für die Förderung des Schachs in Polen. Sein Sohn Tomasz Makarczyk nahm die Ehrung entgegen.

Polnischer Schachverband...

Gala des Polnischen Schachverbandes...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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