Van Wely gewinnt in Echternach

von Gerd Densing
04.07.2026 – Am vorletzten Juni-Wochenende richtete der Schachklub De Sprenger Echternach das traditionelle Echternach Open aus. Knapp 350 Schachfreunde kamen in der historischen Abtei von Echternach zusammen und kämpften um den Turniersieg, Sonderpreise und gute Platzierungen. Am Ende hatte der Loek Van Wely die Nase vorn.

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GM Loek van Wely gewinnt souverän das Echternacher Open 2026

Es ist ein vertrautes Bild an der Sauer, das sich auch am Wochenende des 20. und 21. Juni bot: Wenn der ortsansässige Verein De Sprénger Echternach zu seinem traditionellen Open lädt, verwandelt sich die älteste Stadt Luxemburgs in eine schachliche Festung.

Die historische Abtei mit ihrer prachtvollen Kulisse nebst historischem Spiegelsaal bildete auch bei der diesjährigen 30. Jubiläumsausgabe den würdigen Rahmen für das beliebte Schnellschachturnier.

Am Ende setzte sich ein altbekanntes Gesicht der europäischen Schachbühne durch. Der niederländische Großmeister Loek van Wely sicherte sich den Turniersieg. Als Nummer zwei der Setzliste hinter dem für Uruguay startenden und in der Nähe von Frankfurt lebenden Großmeister Georg Meier ins Rennen gegangen, bewies "King Loek" einmal mehr seine enorme Routine und Erfahrung in diesem Turnierformat.

Der sportliche Showdown: Die entscheidenden Schlussrunden verliefen recht unauffällig und wenig kämpferisch an den Spitzenbrettern

Nach Siegen in den ersten 6 Runden des Turniers (in Runde 6 gegen den jüngsten Luxemburgischen FM, Nicolas Bourg), setzte sich der Routinier und frühere Spitzenspieler Loek van Wely mit Weiß in seiner ersten GM-Begegnung des Turniers in Runde 7 gegen seinen an diesem Tag in sehr guter Form spielenden Landsmann Erik van den Doel durch und erreichte sehr starke 7/7.

Van den Doel, li, hier gegen Lennart Lennaerts

In der folgenden Runde kam der Setzlistenerste GM Georg Meier, der zwischendurch bereits ein Remis gegen GM Christopher Noe abgeben musste mit Weiß gegen Van Wely nicht über ein Remis hinaus.

Damit war bereits eine Vorentscheidung über den Turniersieg gefallen. Mit der besseren Zweitwertung im Rücken (Fortschrittswertung) ging Loek van Wely die 9 Runde entspannt an. Ihm genügte auch hier ein frühes Remis gegen den für Echternach spielende und aus der Ukraine stammende GM Andrey Sumets, um zumindest geteilter Erster zu werden (dank besserer Feinwertung).

Da kurz danach ebenso am zweiten Brett zwischen GM Anthony Wirig und GM Erik van den Doel ein schnelles Remis vereinbart wurde, stand GM Loek van Wely bei seiner 4. Teilnahme in Echternach bereits kurz nach Rundenbeginn zur Freude vieler niederländischer Spieler vor Ort erstmals als Sieger fest. Anders als in manchen Vorjahren sogar als alleiniger Sieger mit einem halben Punkt Vorsprung vor 5 punktgleichen Spielern mit je 7,5 Punkten.

Top 25 Platzierungen (weitere Platzierungen bei chess-results)

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Van Wely, Loek 8 42,5
2 Van den Doel, Erik 7,5 40,5
3 Sumets, Andrey 7,5 39,5
4 Meier, Georg 7,5 39
5 Wirig, Anthony 7,5 39
6 Milov, Leonid 7,5 37,5
7 Morawietz, Dieter 7 38
8 Lenaerts, Lennert 7 37
9 Haub, Thorsten Michael 7 36,5
10 Aliferenko, Aleksei 7 36
11 Pryvalov, Ivan 7 35,5
12 Levin, Felix 7 35
13 Agrest, Inna 7 34,5
14 Gijsen, Stief 7 34
15 Sheng, Ming 7 29
16 Grutter, Tim 6,5 36,5
17 Bourg, Nicolas 6,5 36,5
18 Noe, Christopher 6,5 35,5
19 Cherniaiev, Tykhon 6,5 34,5
20 Sebe-Vodislav, Razvan-Alexandru 6,5 34
21 Van Leent, Dimitri 6,5 34
22 Ramien, David 6,5 33,5
23 Maltezeanu, Stefan 6,5 33,5
24 Duijn, Richard 6,5 33,5
25 Boidman, Yuri 6,5 32,5

(334 Spieler)

Tropisches Wetter, Sektströme und ein stolzer Preisfonds

Die lange Siegerehrung unterstrich den hohen Stellenwert, den das Open im kulturellen Leben der Region genießt. Neben der Bürgermeisterin der Stadt Echternach, Carole Hartmann, ließ es sich auch Marcel Heinen (Präsident der Sportkommission der Gemeinde Echternach) nicht nehmen, den Siegern persönlich zu gratulieren. Beide Offiziellen waren begehrte Motive auf den zahlreichen Erinnerungs- und Siegerfotos.

Carole Hartmann gratuliert

Wie bereits in den Vorjahren, wurden bei der Siegerehrung zahlreiche Sonder- und Kategoriepreise vergeben. Daneben wurden treue Stammgäste für ihre 15. und 25. Turnierteilnahme mit speziellen Sachpreisen (Lebensmittel-/Frühstückskörbe) geehrt. Für ausgelassene Stimmung sorgten zudem die traditionellen Sektgeschenke für die teilnehmerstärksten Vereine. Ein Blick in die Tabellen von Chess-Results offenbart, welche Klubs (außer der ausrichtende Club) die meisten Aktiven an die Sauer schickten und die Heimreise mit teils kistenweise Sekt antreten durften:

Erwachsene: Noorderwijk, Oberhausen, Bunschoten, Bonneweg

Jugendliche: Le Cavalier Differdange

Dass das Turnier Jahr für zahlreiche Titelträger und einige Großmeister anlockt, liegt neben dem einzigartigen Flair auch am finanziellen Rahmen. Laut offizieller Ausschreibung auf der Turnierwebseite war ein stattlicher Gesamtpreisfonds von rund 6.700 Euro ausgelobt, der ab der garantierten Mindestteilnehmerzahl von 250 Spielern voll zur Auszahlung kam. Echternach hat damit auch im dreißigsten Ausrichtungs-Jahr bewiesen, dass es zu den absoluten Juwelen des mitteleuropäischen Schnellschachs gehört.

Der Modus des neunrundigen Schnellschachturniers war unverändert zum Vorjahr (zahlreiche Helfer vom Verein, 2 Tage, 9 Runden, gute Verpflegung – u.a. frisch vom Grill - und immer gleicher Turniersaal in der alten Abtei – Spiegelsaal, Kreuzgänge, Nebensaal) blieb unverändert. Lediglich die Aufteilung der Runden war ein wenig anders. Dieses Jahr 5 Runden Samstags und 4 Runden Sonntags, sodass die Siegerehrung bereits kurz vor 18 Uhr starten konnte.

Der im Jahr 2024 vollzogene Wechsel der Bedenkzeit zu 40 Minuten pro Partie zzgl. 5 Sekunden Inkrement hat sich erneut bewährt. Zeitnotschlachten und fliegende Figuren waren im Spiegelsaal an den Top-Brettern nicht zusehen. Das für die FIDE-Schnellschah-ELO-Auswertung angemeldete Turnier wurde von Hauptschiedsrichter und Internationalem Schiedsrichter Olivier Jeitz souverän geleitet, ohne nennenswerte Vorfälle. Wie bereits im Vorjahr, wurden die Ergebnisse und Paarungen über „Chess-Results“ veröffentlicht und ein neu eingerichteter WhatsApp-Kanal hielt die Teilnehmer brandaktuell auf dem Laufenden – zum Beispiel über neu eingestellte Paarungen.

Wie üblich – seit Beginn im Jahr 1994 – war das Teilnehmerfeld wieder bunt gemischt aus vielen bekannten Gesichtern aus Nah und Fern. Insbesondere den Benelux-Ländern sowie dem nahegelegenen Rheinland bzw. Ruhrgebiet

Das Turnier war mit 334 Teilnehmern geringfügig besser besucht als im Vorjahr – trotz aktuell laufender Fußball-WM und Rekordtemperaturen. Ein Teilnehmerrekord (über 350) war allerdings nicht möglich.

Die besten Spieler

Der Sieger mit dem Hauptschiedsrichter

An der Spitze war das Turnier genauso gut besetzt wir im Vorjahr. Unter 36 Titelträgern waren 9 Großmeister. Neben GM Georg Meier zählten die GM Loek van Wely, GM Erik van den Doel und GM Andrey Sumets zum engeren Favoritenkreis. Daneben der für Echternach spielende (Neu-)GM Christopher Noe sowie die GM’s Anthony Wirig und GM Thorsten-Michael Haub.

Ebenso die sehr erfahrenen Internationalen Meiter Georg Seul, Dieter Morawietz und Michael Hammes waren gelegentlich an den Spitzenbrettern zu finden, neben einigen weiteren, teils sehr jungen Spielern.

Dieter Morawietz

Den Damenpreis gewann die erneut in guter Form spielende WIM Inna Agrest mit 7 Punkten auf Rang 13 und wiederholte ihren Vorjahreserfolg somit.

Inna Agrest

Zweite wurde mit großem Abstand Ilona Burak aus der Ukraine mit 5,5 Punkten vor der außer Form spielenden in Luxemburg lebenden WGM Narmin Khalafova. Vierte wurde die junge belgische Spielerin Anastasia Ahn, fünfte Maryna Pohrebynska.

Die besten Damen

Beste Senioren (Ü60) wurden GM Felix Levin (7 Punkte) IM Yuri Boidman (6,5 Punkte), IM Georg Seul (6 Punkte, auf dem Foto wegen Abwesenheit vertreten durch IM Dieter Morawietz) und IM Klaus Klundt (6 Punkte). Die Spieler Leonid Milov und Dieter Morawietz waren in der Altersklasse zwar etwas besser, erhielten aber höherwertigere Hauptpreise.

Die besten Senioren

Bei den Jugendlichen (U18) hat Ming Sheng am besten abgeschnitten. Die für Echternach spielende Nachwuchshoffnung (Jahrgang 2013) erreichte 7 Punkte und einen hervorragenden Platz 15. Zweiter in dieser Kategorie wurde Tykhon Cherniaiev mit 6,5 Punkten vor Leo Kessler mit 6 Punkten und Lucas Tequi mit 5,5 Punkten.

Die besten Jugendlichen

Bester Luxemburgischer Spieler war FM Nicolas Bourg (Differdange), der einen hervorragenden 17. Platz mit 6,5 aus 9 Punkten erreichte. Er spielte insbesondere am ersten Tag sehr stark mit 5 aus 5, wobei er auch gegen GM Leonid Milov gewann und am Sonntag an Brett eins gegen den späteren Turniersieger antreten durfte. Die folgenden Plätze in dieser Kategorie belegten Stefan Maltezeanu, Pierre Gengler und der für Echternach spielende Jugenliche Noa Zaccaria.

Die besten Luxemburger mit der Bürgermeisterin

Das Turnier war wie üblich, sehr gut organisiert. Dieses Jahr bei herrlichem Sonnenschein und tropischen drückenden Temperaturen draußen am Bierpavillon und Grill in den Rundenpausen.

Vielen Dank auf diesem Wege an die Spieler GM Loek van Wely, GM Erik van den Doel, GM Andrey Sumets, FM Lennart Lennaerts und David Ramien für die Zurverfügungstellung von Partiematerial.

Internetseite des Schachclubs-Echternach: https://www.desprenger-echternach.lu/home

Die bisherige Turnierseite wurde kürzlich „gehackt“, eine neue Turnierseite ist erst noch im Aufbau. Ergebnisse, Rundenpaarungen, Startrangliste und Abschlusstabelle hier bei Chess-Results: https://s1.chess-results.com/tnr1403330.aspx?lan=0&art=1&turdet=YES&SNode=S0

Information über die Stadt Echternach:

Echternach – Wikipedia


Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.
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