Mein bekanntestes Resultat war sehr peinlich. Weit gebracht habe ich es doch. Über zwei Jahrzehnte unter den besten zwanzig. 2600 Elo, als das noch als Weltklasse galt. Mein erster richtiger Schachlehrer war ein angehender Weltmeister. Als ich begann, war der künstlerische, kreative Aspekt wichtiger als der sportliche. In der goldenen Ära des Schachs entdeckten wir Großmeister noch Neues. Nach mir sind mehrere Eröffnungsvarianten benannt. Mir wurde nachgesagt, mir fehle der Killerinstinkt. Niederlagen nahm ich nicht schwer.
In meinem Leben war Schach nur das Drittwichtigste. Ganz vorne stand die Liebe. Viermal war ich verheiratet. An Nummer zwei kam die Musik. Meine Mutter hatte das Zeug zur Pianistin, aber dann kam ich zur Welt, und sie brachte mir Klavierspielen bei. Meine erste Frau und ich gaben zusammen Konzerte und nahmen Schallplatten auf. Meine Helden heißen nicht Tal oder Capablanca sondern Bach, Mozart, Chopin, Schumann, Tschaikowski und Rachmaninow.
Meine Karrieren habe ich nie vermischt. Auf Konzertreisen mied ich Schach, und während Turnieren übte ich nie. In beiden Sphären betrachtete ich mich als Amateur und mein Leben als einen einzigen langen Urlaub. Für andere Musiker war ich der Schachspieler, unter Großmeistern galt ich als der Musiker. Meinen ersten großen Auftritt hatte ich aber auf der Leinwand: In einem Spielfilm verkörperte ich einen jungen Geiger. Die Erfahrung vor der Kamera half mir später, als ich fürs Fernsehen das Schachgeschehen kommentierte. Ich schrieb auch Artikel und Bücher.
Gereist bin ich immer gern. Zwei Jahre, in denen ich nicht reisen durfte, kamen mir wie eine Ewigkeit vor. In einem Alter, in dem andere ihre Rente genießen, wurde ich Weltmeister und Vater von Zwillingen. Jenseits der achtzig habe ich noch eine Schachakademie gegründet. Musik, Kinder, Schach – all das hielt mich jung!
Na, wer bin ich?
Die Auflösung gibt es morgen – an meinem Geburtstag – auf ChessBase ...
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