Carlsen gewinnt Freestyle-WM

von Carlos Colodro
16.02.2026 – Magnus Carlsen ist wieder einmal Weltmeister. Mit einem 2,5:1,5 Sieg gegen Fabiano Caruana sicherte er sich am Sonntag den Sieg bei der FIDE Freestyle Weltmeisterschaft in Weissenhaus und kommt so auf insgesamt 21 Weltmeistertitel. Aber das Finale hätte auch anders ausgehen können, denn in der dritten Partie des Wettkampfs stand Caruana klar auf Gewinn, aber verlor am Ende doch noch. Im Spiel um Platz drei setzte sich Nodirbek Abdusattorov gegen Vincent Keymer durch und qualifizierte sich damit wie die beiden Finalisten für die Freestyle Chess World Championship 2027. | Foto: Freestyle Chess / Lennart Ootes

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Carlsens 21. Weltmeistertitel

Das über drei Tage ausgetragene Turnier markierte die Rückkehr einer offiziellen, von der FIDE anerkannten Weltmeisterschaft im Freestyle Chess – auch bekannt als Chess960 oder Fischer Random. Carlsen, der auf die Verteidigung des klassischen Weltmeistertitels verzichtet hat, derzeit aber die Titel im Schnell- und Blitzschach hält, ergänzt seine Titelsammlung nun um den Freestyle-Titel. Über alle Formate hinweg ist es sein 21. Weltmeistertitel.

  • Klassisch: 5 Weltmeistertitel
  • Schnellschach: 6 Weltmeistertitel
  • Blitzschach: 9 Weltmeistertitel
  • Freestyle: 1 Weltmeistertitel

Carlsen nahm an den World Fischer Random Chess Championships 2019 und 2022 teil, konnte den Titel jedoch beide Male nicht gewinnen. Er verlor in den jeweiligen Wettbewerben gegen Wesley So beziehungsweise Ian Nepomniachtchi.

Mit dem Einzug ins Finale von Weissenhaus haben sich Carlsen und Caruana für die FIDE Freestyle Chess Weltmeisterschaft 2027 qualifiziert. Nodirbek Abdusattorov, der das Spiel um Platz drei gegen Vincent Keymer gewann, sicherte sich ebenfalls einen Startplatz für 2027.

Freestyle Chess World Championship 2026

Siegerehrung: Carlsen triumphiert einmal mehr | Foto: Freestyle Chess / Lennart Ootes

Das Finale zwischen der Nummer eins und der Nummer drei der Welt erinnerte an den WM-Kampf zwischen Carlsen und Caruana in London 2018. Dort endeten alle zwölf Partien mit klassischer Bedenkzeit remis, anschließend gewann Carlsen den Stichkampf im Schnellschach.

Die erste Partie endete nach 47 Zügen remis, doch in der zweiten Partie diktierte Caruana das Geschehen. Er kam mit der günstigeren Struktur aus der Eröffnung und baute Schritt für Schritt Druck auf. Er hatte Gewinnchancen, doch Carlsen verteidigte sich in beiderseitiger Zeitnot präzise und hielt das Remis.

Die dritte Partie brachte die Entscheidung. Erneut stand Caruana besser und zwischenzeitlich sogar auf Gewinn, fand jedoch keinen klaren Weg zum Sieg. Carlsen opferte einen Bauern, um Gegenspiel zu erhalten, und erreichte nach ungenauem Spiel von Caruana den Ausgleich. Doch damit gab er sich nicht zufrieden, spielte auf Matt und erhöhte den Druck. Caruana fand keine Verteidigung und gab wenige Züge später auf.

Fabiano Caruana, Magnus Carlsen

Die Schlussphase der dritten Partie | Foto: Freestyle Chess / Lennart Ootes

Nach diesem glücklichen Sieg brauchte Carlsen in der vierten Partie nur ein Remis, um den Wettkampf zu gewinnen und sich den Titel zu sichern. Einmal mehr hatte er das Glück des Tüchtigen, denn in einer unübersichtlichen Situation und mit nur noch wenig Zeit auf der Uhr verpasste Caruana eine gute taktische Möglichkeit. 

Carlsen hatte soeben 25.De2? gezogen, und jetzt hätte Caruana mit 25...Sfd2 26.Dxh5 Sxf1 27.Sxf1 Sf6! (Diagramm) in Vorteil kommen können.

Der überraschende Springerrückzug, der in hoher Zeitnot schwer zu sehen ist, deckt e8 und greift die weiße Dame an. Weiß kann den angegriffenen Läufer auf g1 nicht decken und steht auf Verlust. Aber in der Partie spielte Caruana 25...Dg5, was zum Ausgleich führte. Die Stellung vereinfachte sich schnell und Carlsen konnte sich das Remis und den Weltmeistertitel sichern.

Freestyle Chess World Championship 2026

Magnus Carlsen, Alexandra Kosteniuk, Nodirbek Abdusattorov, Arjun Erigaisi und Javokhir Sindarov suchen Eröffnungsideen vor der Partie. | Foto: Freestyle Chess / Lennart Ootes

Magnus Carlsen

Magnus Carlsen, seit Jahren die klare Nummer 1 der Schachwelt! | Foto: Freestyle Chess / Lennart Ootes

Carlsen v. Caruana

Abdusattorov wird Dritter und qualifiziert sich für Freestyle-WM 2027

Im Wettkampf um Platz drei besiegte Nodirbek Abdusattorov Vincent Keymer mit 2,5:1,5 und sicherte sich damit neben den beiden Finalisten Carlsen und Caruana den letzten Qualifikationsplatz für die Freestyle Chess World Championship 2027.

Doch auch dieser Wettkampf hätte anders ausgehen können und war von verpassten Chancen geprägt. So hatte Keymer in der ersten Partie in einem Endspiel drei Bauern mehr, aber ließ Abdusattorov noch ins Remis entschlüpfen.

Nach dem Partiezug 33.Te1 hätte Schwarz mit 33...Txg4 34.Txe7+ Kxb6 ein gewonnenes Turmenspiel erreichen können. Aber er zog 33...Kd6, was Weiß mehr Chancen als nötig gab. In Zeitnot verdarb Keymer die Stellung dann zum Remis und Abdusattorov kam zu einem glücklichen halben Punkt.

In der zweiten Partie konnte Abdusattorov schnell gewinnen. Keymers König gerief früh in Schwierigkeiten und Abdusattorov gewann in 24 Zügen im Angriff.

Vincent Keymer, Nodirbek Abdusattorov

Vincent Keymer v. Nodirbek Abdusattorov | Foto: Freestyle Chess / Lennart Ootes

In Partie drei hatte Keymer in einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern wieder Gewinnchancen, aber wieder konnte er sie nicht nutzen und so rettete Abdusattorov einen wichtigen halben Punkt.

Den Wettkampfsieg sicherte sich Abdusattorov in der vierten Partie mit einem schnellen Remis in besserer Stellung.

Abdusattorov v. Keymer

Niemann und Aronian gewinnen die Kämpfe um die Plätze

Die Wettkämpfe um Platz fünf und Platz sieben wurden über zwei Partien ausgetragen.

Der Kampf um Platz fünf endete mit einem 2:0-Sieg von Hans Niemann gegen Arjun Erigaisi. In der ersten Partie kam Niemann zu einem überzeugenden Sieg, und in der zweiten Partie bestrafte er das zu ehrgeizige Spiel Erigaisis.

Hans Niemann

Hans Niemann landete am Ende auf Platz 5. | Foto: Freestyle Chess / Lennart Ootes

Niemann v. Erigaisi

Der Wettkampf um Platz sieben zwischen Levon Aronian und Javokhir Sindarov verlief dramatisch. Aronian gewann die erste Partie mit Schwarz, doch in der zweiten Partie konnte Sindarov ausgleichen, und so musste eine Armageddon-Partie die Entscheidung bringen.

Aronian war bereit, mit einer Bedenkzeit von 7 Minuten 37 Sekunden zu spielen, Sindarov lag mit einem Angebot von 7 Minuten 27 Sekunden knapp darunter. Er bekam 10 Minuten, spielte mit Schwarz und brauchte nur ein Remis, um Siebter zu werden.

Die Partie entwickelte sich zu einer Zeitnotschlacht. Aronian erreichte eine Gewinnstellung und übersah zwischenzeitlich sogar ein einzügiges Matt, aber konnte sich am Ende durchsetzen und wurde so Siebter.

Levon Aronian

Levon Aronian | Foto: Freestyle Chess / Lennart Ootes

Aronian v. Sindarov

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Carlos Colodro stammt aus Bolivien und ist Spanisch-Philologe. Seit 2012 arbeitet er als freier Übersetzer und Autor. Schach, Literatur und Musik sind seine großen Leidenschaften.
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