Das Jubiläumsturnier von 1926 in Hannover

von André Schulz
09.08.2026 – Das Jahr 1926 war ein großes Turnierjahr. Zu der Reihe der glänzenden Turniere gehört auch das Jubiläumsturnier des Hannoverschen Schachklubs, der zuvor eine bemerkenswerte Geschichte hatte und nun seinen 150sten Geburtstag feierte. Im Kampf um den Turniersieg lieferten sich die beiden Favoriten Nimzowitsch (Foto) und Rubinstein einen knappen Zweikampf, den Nimzowitsch für sich entschied. Das Zünglein an der Waage war Friedrich Sämisch.

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50 Jahre Hannoverscher Schachklub

Die Schachfreunde in Hannover hatten den umtriebigen Hermann Zwanzig im Verdacht, möglicherweise die Anregung zur Gründung eines Schachklubs in Hannover gegeben zu haben. Als Kaufmann war Zwanzig in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts viel in Deutschland herumgekommen und hatte in vielen Städten Schachfreunde besucht. Er war dann auch einer der treibenden Kräfte bei der Gründung des Deutschen Schachbundes 1877 und bis zu seinem Tod im Jahr 1894 der Generalsekretär des Verbandes. Tatsächlich wurde der Hannoversche Schachklub schon ein Jahr vor dem Deutschen Schachbund gegründet, also 1876. Hier war der Arzt Dr. med. Jung bei der Gründung im damaligen Hotel Union, später Hotel Ernst August, federführend. Auch die Namen anderer Gründungsmitglieder sind überliefert: der Weinhändler Karl Schultz, der Kaufmann Meyerhof, Regierungsrat Goering, Direktor Wille, der Holzhändler Levi, der Bankier Louis Rothschild, der Klavierlehrer Bierwirt und Kommissar Evers. Alles Leute der höheren Hannoverschen Gesellschaft. Trotzdem wären ihre Namen heute nicht mehr bekannt, hätten sie nicht ein gemeinsames Hobby gepflegt und hätte nicht ein sorgfältiger Chronist ihre Namen als Gründer eines Schachclubs notiert. 

Frühe Aktivitäten

Es gingen aber noch ein paar Jahre ins Land, bis im Jahr 1902 ein sehr bedeutendes Turnier in Hannover stattfand, der 13. DSB-Kongress mit einem stark besetzten internationalen Meisterturnier. Dawid Janowsky gewann dieses mit 1,5 Punkten Vorsprung vor Nelson Henry Pillsbury. 18 Spieler nahmen am Meisterturnier teil, darunter viele weitere bekannte und starke Spieler in jener Zeit und aus aller Welt. Auch das Hauptturnier war stark und prominent besetzt. Im Rahmen dieses Kongresses gab Pillsbury eine seiner legendären Blindsimultanvorstellungen und trat gegen 21 (!) Spieler an, darunter einige sehr starke Meister. Pillsbury verlor zwar den Wettkampf gegen diese starke Gegnerschaft, gewann aber immerhin drei Partien und hielt elf Partien remis. 

1906 organisierte der Schachklub Hannover anlässlich seines 30-jährigen Bestehens noch einen Kongress des Niederelbischen Schachbundes. Der NESB hatte seinen Sitz in Hamburg und war ein Zusammenschluss norddeutscher Schachvereine. Neben der Durchführung von regionalen Kongresses tat sich der NESB im Problemschach hervor. 1934 wurde er im Zuge der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten aufgelöst. Von dem Kongress 1906 sind keine Partien überliefert. Der Schachklub Hannover war schon 1923 aus dem NESB ausgetreten und dem neu gegründeten Niedersächsischen Schachbund beigetreten.

Gelegentlich erhielt der Schachklub Hannover Besuch von starken Meistern, die gerne zu Simultanvorstellungen eingeladen wurden.

Das Jubiläumsturnier zum 50sten Geburtstag

Im Jahr 1926 feierte der Hannoversche Schachklub seinen 50sten Geburtstag mit eine größeren Schachveranstaltung. Er war Gastgeber des 2. Kongresses des neu gegründeten Niedersächsischen Schachbundes und führte zudem ein internationales Meisterturnier durch, das mit einem Festbankett am Abend des 8. August 2026 eröffnet wurde. Neben Honoratioren der Stadt Hannover und den Teilnehmern des Turniers gehörte auch der Präsident des Deutschen Schachbundes Walter Robinow zu den Gästen.

Für das Jubiläumsturnier hatte man mit Aaron Nimzowitsch und Akiba Rubinstein zwei Weltklassespieler eingeladen. Nimzowitsch gehörte 1926 zum Kreis der Spieler, die als mögliche Herausforderer von Weltmeister Capablanca im Gespräch waren. Akiba Rubinstein, der zu der Zeit in Berlin lebte, hatte seinen Zenit aber schon überschritten. Friedrich Sämisch und Jaques Mieses repräsentierten deutsche Meisterspieler, ebenso der schon ältere Herrmann von Gottschall, geboren 1862. Eine besondere Rolle spielte Walter Freiherr von Holzhausen, Major a.D. und eine international bekannte Koryphäe auf dem Gebiet des Problemschachs. Der Arzt Oskar Antze aus Bremen und Hans Duhm aus Göttingen waren starke Vereinsspieler aus Niedersachsen.

Hinten: Friedrich Sämisch, Oskar Hans Antze, Hans Duhm, Walther von Holzhausen
Vorne: Aaron Nimzowitsch, Hermann von Gottschall, Jacques Mieses, Akiba Rubinstein

Die erste Runde des Meisterturniers wurde am Montag, den 9. August 1926 gespielt. Die Favoriten Nimzowitsch und Rubinstein sorgten bereits in den Anfangsrunden für klare Verhältnisse und lieferten sich in der Folge einen Zweikampf um den Turniersieg. Die beiden Topspieler trennten sich untereinander remis.

Ansonsten besiegten die beiden Spitzenspieler alle anderen Gegner, fast alle. Friedrich Sämisch war am Ende der Königsmacher, denn er verlor zwar gegen Nimzowitsch nahm aber Rubinstein ein Remis ab.

So wurde also Nimzowitsch mit der überzeugenden Ausbeute von 6,5 Punkten aus 7 Runden Sieger, während Rubinstein mit einem Remis mehr den zweiten Preis erhielt. 

"Best of the Rest" war der Problemist Walter Freiherr von Holzhausen, der hier seiner besten persönlichen Turnierergebnisse ablieferte. Gegen die beiden Sieger war er ohne Chance, aber gegen die übrigen Gegner gewann er drei Partien und spielte zwei remis. 

Am Ruhetag zwischendurch hatten die Spieler die Marienburg bei Norstemmen südlich von Hannover besucht und waren zudem Gäste des Hildesheimer Schachclubs.

Zum Abschluss fand am 17. August im traditionsreichen Hotel Luisenhof - Hannovers einziges 5-Sterne Hotel, die Siegerehrung statt.

Der Schönheitspreis wurde geteilt und Mieses für seine Partie gegen Von Gottschall und Nimzowitsch für seine Partie gegen Mieses zuerkannt. 


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Zu den Schachveranstaltungen des Jubiläums gehörte übrigens auch ein internationales Problemturnier mit zwei-oder maximal dreizügigen Aufgaben. Walter Freiherr von Holzhausen Von Holzhausen war einer der beiden Juroren, die über die Preise entschieden.

Freiherr von Holzhausens: Problemist mit ereignisreicher Biografie...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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