Europameisterschaft der Frauen: Mirzoeva und Hnatyshyn bilden neue Doppelspitze

von Stefan Liebig
29.05.2026 – Elmira Mirzoeva (Titelfoto links) aus England führt die Rangliste nach vier gespielten Runden bei der Europameisterschaft der Frauen 2026 in Batumi an. Die Führung teilt sie sich mit der 15-jährigen Ukrainerin Anastasia Hnatyshyn. In der Setzliste rangieren die beiden auf den Rängen 53 und 76 – in der Tabelle haben sie einen halben Punkt Vorsprung auf die nächsten vier Spielerinnen. Einen weiteren halben Punkt dahinter liegen weitere 29 Teilnehmerinnen. Unter ihnen sind die noch ungeschlagenen DSB-Spielerinnen Dinara Wagner, Josefine Safarli und Fiona Sieber. | Foto: Europäischer Schachverband

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Der vierte Tag der Schach-Europameisterschaft der Frauen 2026 begann mit einem kulinarischen Einblick in die lokale Kultur: Vor Beginn der vierten Runde trafen sich die Spielerinnen und Turnieroffiziellen zu einem besonderen Mittagessen: einem authentischen adscharisch-karibischen Chatschapuri-Essen. Als Höhepunkt der weltberühmten Gastfreundschaft Adschariens durften die Spielerinnen dieses traditionelle Gericht nicht nur genießen, sondern auch die gesamte Zubereitung von Anfang bis Ende miterleben und daran teilnehmen.

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Optimale Ausbeute

Zwei Spielerinnen haben nach vier Runden die perfekte Punktzahl von 4/4 erreicht: WGM Elmira Mirzoeva (2265), die an Position 53 gesetzte für England startende Spielerin, und die 15-jährige WFM Anastasiia Hnatyshyn (2207), die an Position 76 gesetzte Ukrainerin, übernahmen überraschend die Führung der Frauen-EM 2026 in Batumi. Die topgesetzten Spielerinnen Stavroula Tsolakidou (Griechenland, 2455) und Yuliia Osmak (Ukraine, 2451) finden sich zur Zeit lediglich auf den Rängen 106 bzw. 94 mit 1,5 und 2 Punkten wieder. 

Die 15-jährige Ukrainerin Anastasia Hnatyshyn (l.) hat einen Lauf: Sie gewann auch ihre vierte Partie gegen die an 5 gesetzte Mai Narva aus Estland. | Foto: Europäischer Schachverband

Hnatyshyn spielte am Spitzenbrett gegen IM Mai Narva aus Estland. Die 219 Elopunkte, die die Estin mehr aufweist, schienen der jungen Außenseiterin nicht allzuviel Respekt einzuflößen. Mit Weiß erspielte sich Hnatyshyn einen Eröffnungsvorteil und baute diesen im Laufe der Partie kontinuierlich aus. Es war eine sehr starke Partie der 15-jährigen Ukrainerin, die ihrer Gegnerin keine Chance auf ein Comeback ließ und nach 47 Zügen den Sieg errang.

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Dank der etwas besseren Wertung liegt Mirzoeva knapp vor der jungen Ukrainerin. Sie gewann mit Schwarz gegen FM Anna-Maja Kazarian (Niederlande, 2317). Es war eine sehr komplexe Partie. Mirzoeva erspielte sich früh im Mittelspiel einen klaren Vorteil, geriet dann aber in Zeitnot und machte einen Fehler, der Kazarian einen (eigentlich) entscheidenden Vorteil brachte. Zum Glück für Mirzoeva vergab Kazarian ihre Gewinnchance und patzte im 53. Zug, mit dem sie ein Mattnetz um ihren eigenen König völlig ignorierte. Mirzoeva nutzte die Gelegenheit und entschied die Partie nur drei Züge später für sich.

Die an 3 gesetzte Europameisterin von 2024, Ulviyya Fataliyeva (r.) liegt mit 3 aus 4 zurzeit auf Rang 10. | Foto: Europäischer Schachverband

Das führende Duo wird dicht gefolgt von vier Spielerinnen, die jeweils 3,5/4 Punkte erzielen: IM Oliwia Kiolbasa (Polen, 2397), WIM Gulenay Aydin (Türkei, 2204), IM Nurgyul Salimova (Bulgarien, 2404) und IM Gunay Mammadzada (Aserbaidschan, 2374). Dahinter folgt ein großes Feld, das von Rang 7 bis 35 reicht und besonders interessant ist, da die ersten zehn Plätze Qualifikationsplätze für den Worldcup 2026 sind. In diesem Feld befinden sich mit Dinara Wagner, Josefine Safarli und Fiona Sieber auch drei DSB-Spielerinnen. Während Wagner mit Schwarz gegen IM Olga Zimina (Italien, 2253) ebenso wie Josefine mit Weiß gegen die europäische Blitzmeisterin Eline Roebers (Niederlande, 2389) remisierte, stieß Fiona Sieber durch einen Sieg in diese Verfolgergruppe vor. Sie gewann eine starke Partie, die ihr im Endspiel kurz ins Remis entglitt, die sie dann aber doch gewinnen konnte. Alle drei Spielerinnen haben bislang zwei Siege und zwei Remis auf ihrem Konto. 

Jana Schneider (r.) erzielte in Runde 4 ein starkes Schwarzremis gegen IM Lela Javakhishvili (Georgien, 2442). | Foto: Europäischer Schachverband 

Die anderen Deutschen stehen wie folgt da: Jana Schneider mit 2,5 Punkten auf Rang 51, Hanna Marie Klek und Charis Peglau mit je 2 Punkten auf den Plätzen 76 und 79, Luisa Bashylina mit 1,5 Punkten auf Platz 112. 

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Blick auf die Paarungen. | Foto: Europäischer Schachverband

Tabelle nach Runde 4

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Mirzoeva, Elmira 4 0
2 Hnatyshyn, Anastasiia 4 0
3 Kiolbasa, Oliwia 3,5 0
4 Aydin, Gulenay 3,5 0
5 Salimova, Nurgyul 3,5 0
6 Mammadzada, Gunay 3,5 0
7 Poliakova, Varvara 3 0
8 Kazarian, Anna-Maja 3 0
9 Narva, Mai 3 0
10 Fataliyeva, Ulviyya 3 0
11 Vega Gutierrez, Sabrina 3 0
12 Socko, Monika 3 0
13 Zherebtsova, Alexandra 3 0
14 Roebers, Eline 3 0
15 Kobak, Polina 3 0
16 Rodshtein, Tereza 3 0
17 Pogorelskikh, Sofia 3 0
18 Wagner, Dinara 3 0
:
22 Safarli, Josefine 3 0
:
30 Sieber, Fiona 3 0
:
47 Schneider, Jana 2,5 0
:
76 Klek, Hanna Marie 2 0
:
79 Peglau, Charis 2 0
:
112 Bashylina, Luisa 1,5 0

165 Teilnehmerinnen

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Spielsaal während der 4. Runde. | Foto: Europäischer Schachverband

Paarungen in Runde 5

Br. Nr. Weiß Elo Pkt. Pkt. Schwarz Elo Nr.
1 53
WGM Mirzoeva, Elmira 2265 4 4 WFM Hnatyshyn, Anastasiia 2207
76
2 78
WIM Aydin, Gulenay 2204 IM Salimova, Nurgyul 2404
10
3 11
IM Kiolbasa, Oliwia 2397 IM Mammadzada, Gunay 2374
20
4 3
IM Fataliyeva, Ulviyya 2450 3 3 FM Kazarian, Anna-Maja 2317
40
5 5
IM Narva, Mai 2426 3 3 WGM Hrebenshchykova, Yelyzaveta 2309
44
6 46
IM Zimina, Olga 2290 3 3 GM Ushenina, Anna 2420
6
7 41
WGM Sliwicka, Alicja 2315 3 3 IM Arabidze, Meri 2409
8
8 9
IM Wagner, Dinara 2408 3 3 WGM Pogorelskikh, Sofia 2284
50
9 47
IM Unuk, Laura 2289 3 3 GM Danielian, Elina 2390
14
10 16
IM Roebers, Eline 2389 3 3 WGM Charkhalashvili, Inga 2235
62
11 19
IM Vega Gutierrez, Sabrina 2375 3 3 WGM Safarli, Josefine 2253
55
12 57
FM Zherebtsova, Alexandra 2242 3 3 IM Atalik, Ekaterina 2372
22
13 27
IM Bivol, Alina 2361 3 3 WGM Sieber, Fiona 2224
70
14 86
WGM Chernyak, Viktoria 2191 3 3 GM Socko, Monika 2355
30
15 35
WGM Rakhmangulova, Anastasiya 2328 3 3 WIM Abdinova, Narmin 2165
93

...83 Bretter

Partien

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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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